Oldenburg – die stolze Perle des Nordwestens

Hannover, 25.10.2016

Es ist Montag der 17.10. am Morgen in Bremen und ich verstaue mein Gepäck in mein kränkelndes Auto. Ich hoffe, dass das Leuchten der Warnleuchte nur ein kleines Intermezzo ist und düse an diesem trüben Morgen in Richtung Oldenburg. Keine Warnleuchte; der Bock surrt wie ein Kätzchen. Puuuhhh….

Meine erste Station in Oldenburg ist außerhalb des Zentrums – die Olmost Oldenburger Manufaktur GmbH. Dieses Unternehmen stellt lokale und regionale Erzeugnisse her – insbesondere Apfelsaft von Streuobstwiesen – unter Einhaltung gewisser Kriterien. Kurz gesagt ist alles Bio! Die Manufaktur selber habe ich nicht gefunden; jedenfalls fand ich unter der angegeben Adresse auf der Internetseite kein manufakturartiges Gebäude oder ein Firmenschild. Allerdings habe ich herausgefunden, dass ich den Bio-Apfelsaft in gewissen Geschäften und in der Tourismus-Info bekommen würde.

Mal abgesehen davon hat sich zu meinem Erschrecken wieder mein Opel gemeldet und diesmal leuchtete das Lämpchen der Abgaswarnanlage!! Meine Stimmung hat sich nicht wirklich verbessert und einen Cappuccino hatte ich auch noch nicht. Somit habe ich mit meinem bockigen Kfz das Hofcafé Klinge angesteuert. Das Hofcafé Klinge ist eine wirklich sehr schöne Attraktion in Oldenburg! Ich kann nur jedem empfehlen dieses stilvolle und geschichtsträchtige Café zu besuchen, denn dort findet man nicht nur hausgemachte Erzeugnisse, wie zum Beispiel die leckere Grünkohlpraline, sondern man trifft auch auf äußerst freundliche, hilfsbereite und gesprächsbereite Angestellte.

Ich durfte im Café Fotos schießen. Und währenddessen plauderte ich mit der Managerin (sie machte den Eindruck, als ob sie an diesem Tag die Leitung im Geschäft hatte) über die Geschichte dieses Cafés. Sie erzählte mir wann das Café zum Hofcafé wurde und wie sich das Gebäude im Laufe der Zeit verändert habe.

Neben dem Cappuccino genoß ich einen fantastischen Pfannkuchen und kaufte im Anschluß auch noch eine hausgemachte Tafel Edelbitterschokolade.

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Das war schön! Nach diesem tollen Erlebnis begab ich mich in die berühmte FuZo (Fußgägnerzone) von Oldenburg. Diese FuZo hat mehrere Besonderheiten:

  • Sie ist eine der ältesten FuZos Deutschlands (nächstes Jahr wird das 50ste Jubiläum gefeiert).
  • Die Innenstadt von Oldenburg wurde im Krieg nicht zerbomt! Die Fassaden und das Innere der Gebäude sind also noch im Original!
  • Ein ganz großer Anteil der Geschäfte sind inhabergeführt.

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In der FuZo von Oldenburg befindet sich das Wahrzeichen der Stadt: der Lappan

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Außerdem ein riesiges Wandbild des Grafen Anton Günther.

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Und das Degodehaus – das älteste Gebäude der Stadt (wenn ich nicht irre).

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Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe der FuZo sind die St.-Lamberti-Kirche (welche von Innen einen völlig anderen Eindruck machen soll, als von außen. Ich war leider nicht drin), das Oldenburger Schloß und etwas Abseits vom Schloß den Schloßgarten.

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Von Oldenburg habe ich bei meiner Vorbereitung überraschenderweise gelesen, dass es eine passionierte Fahrradstadt sei und das viele „Tourismusfahrradwege“ diese Stadt kreuzen, welche bis zu 200 km lang sein können! Unter Anderem gibt es die Ammerlandroute, Radfernweg Meerweg und Friesischer Heerweg.

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Oldenburg ist die Kohltourhauptstadt! Viele in Deutschland werden mit diesem Begriff nicht viel anfangen können. Aber im Norden der Republik ist Grünkohl, oder auch Braunkohl genannt, eine wichtige Delikatesse! Sobald der erste Frost da war, wird in Oldenburg gefeiert und gegessen und die Kohlwandergruppen tingeln durch die Umgebung. Bei einer Kohlwanderung trifft sich eine Gruppe heiterer Menschen und transportiert in einem Bollerwagen Schnäpse aller Art und Farbe. Spät am Abend, wenn alle noch heiterer sind, gibt es das verdiente Kohlessen.

Schade, dass ich nicht zur richtigen Jahreszeit da war, denn als ich da war gab es noch keinen Grünkohl in den Lokalen – jedenfalls keinen Frischen.

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Weitere Attraktionen in Oldenburg sind das Staatstheater, der Pulverturm und die Cäcilienbrücke.

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Was erzählt sich eigentlich der Einheimische über seine Stadt? Ich war neugierig und so sprach ich die freundliche, junge Dame in der Touristeninformation an, die mir wenige Stunden zuvor schon geholfen hat. Und ich habe das Gefühl, dass sie nur darauf gewartet habe, genau diese Fragen zu beantworten, denn sie hat sie sehr ausführlich – auch mit Hilfe ihrer Kollegin – und mit viel Stolz beantwortet!

  1. Viele Dinge sind ihr auf meine erste Frage eingefallen. Oldenburg ist die Kohltourhauptstadt und es wird jedes Jahr fast wie ein Volksfest gefeiert! Die FuZo wird nächstes Jahr 50! Es ist eine der ältesten FuZos in Deutschland und es wird ein Jubiläumsfest geben. Sehr stolz ist sie auf die Innenstadt; Oldenburg wurde im Krieg nicht zerbombt und sowohl die Fassaden als auch das Innenleben sind noch sehr intakt. es gibt viele Inhabergeführte Geschäfte in der Innenstadt.
  2. Sie mag den Yachthafen und die Hafenpromenade (werden gerade immer mehr ausgebaut), da sie dort schön die Seele baumeln lassen kann. Die Bergstr. in der FuZo gefällt ihr sehr, da sie klein und niedlich ist. Sie versprüht ein Gefühl der Geborgenheit.
  3. Die Lambertikirche sollte sich jeder Tourist anschauen, da sie von außen einen anderen Eindruck vermittelt als von innen. Im Schlossgarten soll man nach der heimischen Katze Ausschau halten! Sie wurde dort nicht ausgesetzt; sie hat sich den Platz selber ausgesucht und hat auch einen „Kümmerer“. Sie ist das Maskottchen des Schlossgartens. (Ich habe sie leider nicht erblickt.)
  4. Oldenburch ist offen für Neues und sehr tolerant. Die Stadt ist stolzer Ausrichter des CSD (Christopher-Street-Day)! Auch die Fahrradfahrer sind typisch für Oldenburg. Die Stadt hat die zweitgrößte Dichte an Fahrrädern in Europa!! Es gibt 3,5 Fahrräder pro Haushalt… Die Fahrradfahrer seien sehr speziell und die beiden Damen hatten Schwierigkeiten sie zu charakterisieren, daher haben wir uns entschieden aus einer Broschüre zu zitieren: „Freie Fahrt fürs Fahrrad! In Oldenburg haben Räder überall Vorfahrt. – Zumindestens glauben das die radelnden Oldenburger…“
  5. Meine Gesprächspartnerin wünscht sich für ihre Stadt, dass die schöne Innenstadt laaaaange erhalten bleibt und dass der einzigartige Innenstadtcharakter mit den Inhabergeführten Geschäften bleibt.

Ich bin an diesem Tag das zweite mal in meinem Leben in Oldenburg gewesen und wußte was mich erwartet. Schon beim ersten mal war ich sehr positiv angetan von dieser Stadt und werde gewiss wieder wieder kommen. Allerdings werde ich den Zeitpunkt geschickter wählen, denn es gibt 2-3 lokale Spezialitäten, die ich nicht pobieren konnte.

Oldenburger Torfsoden: Ein Feingebäck aus Honigkuchenteig, welches wohl nur im Café Leutbecher zu bekommen ist. Leider war Montag der Ruhetag…

Grünkohl: wie bereits oben erwähnt

Mockturtlesuppe: Ich hatte leider keine Zeit mehr herauszufinden, wo ich diese Suppe essen könnte, da ich am frühen Abend zu meiner nächsten Station Osnabrück gefahren bin. Aber das hole ich nach.

Immerhin habe ich ein paar Leckereien und Trophäen ergattert. Unter anderem Kekse aus der hiesigen Bäckerei Janssen und ein spezielles Schnapsgefäß für Kohlwandertouren! Anstelle des Grünkohl habe ich mir im Café Klinge Grünkohlpralinen erstanden.

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Liebes Oldenburg!

Ich danke dir für ein paar entspannte und wirklich stilvolle Stunden mit außergewöhnlichen Spezialitäten. Gefallen hast du mir sehr und ich hoffe, dass du bei meinem nächsten Besuch an viel mehr Ecken deine lokalen, einzigartigen Spezialitäten anbietest. Und wenn ich das nächste mal schaffe früher eine günstige Unterkunft zu finden, dann übernachte ich auch mal. 🙂

Alles Gute! 🙂

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