Hamm – Schnittpunkt zwischen Ruhrpott, Münsterland und Ostwestfalen

Wieder packte mich das Reisefieber und da paßte es mir auch noch zusätzlich, dass alter Urlaub abgebaut werden musste. So entschied ich mich von Freitag, den 17.2. – bis Sonntag, den 19.2. eine Tour in Richtung Ruhrpott zu starten und Hamm und Recklinghausen zu besuchen. Letztlich konnte ich nur die Hälfte des Planes umsetzen, da ich am Samstag zum Geburtstag eines langjährigen Freundes eingeladen war.

Ich freute mich, dass mich meine Freundin wieder begleitete und sogar ein wenig bei der Planung mithalf! Sie kümmerte sich um eine Unterkunft bei AirBnB und so landeten wir in einer wirklich schönen Unterkunft bei lieben Hammensern. Schade, dass wir nicht noch eine Nacht länger geblieben sind. Vielleicht beim nächsten Trip in die Gegend! 🙂

Durch Hamm bin ich in der Vergangenheit meist mit dem Zug gereist und es hat mich immer interessiert, was diese Stadt zu bieten hat. Die Stadt ist im Wandel. Kohle und Stahl bestimmten früher den Charme der Stadt und nun sind es Chemie, Energie und Logistik. Hamm scheint eine Stadt zu sein, wo die Menschen wissen, wie man anpackt!

Bei der Recherche stieß ich als erstes auf eine sehr interessante Besonderheit. Wer hätte gedacht, dass in Hamm der zweitgrößte Hindu-Tempel Europas steht! Der Tempel Sri Kamadchi Ampal befindet sich direkt an der A2 im Stadtteil Uentrop und war gleich unsere erste Station. Ein sehr schönes Erlebnis!

hindutempel-hamm
hindutempel-hamm_1
hindutempel-hamm_3
hindutempel-hamm_4
hindutempel-hamm_5
hindutempel-hamm_6

Weiter ging es zum Maximilian-Park, einem ehemaligen Zechengelände der Zeche Maximilian und jetzt großer Naherholungs- und Veranstaltungspark, um vor allem das Maskottchen und Wahrzeichen von Hamm zu betrachten – den 35 Meter hohen Glaselefanten Maxi. Der Maxipark ist ein „Überbleibsel“ der Landesgartenschau von 1984.

maxipark-panorama-a
maxipark-einzeln
maxipark-einzeln_1

Von da oben soll die Aussicht richtig gut sein! Leider waren alle Gebäude zu dieser Zeit geschlossen – naja, es war nun mal Februar… Nichtsdestotrotz haben wir unerwartet einen aufregenden Spaziergang gehabt, denn im Maxipark habe ich den abenteuerlichsten Abenteuerspielplatz entdeckt, den ich je gesehen habe! Da hat sich die Stadt wirklich was richtig tolles für Familien und den Nachwuchs ausgedacht.

maxipark-b_2
maxipark-c_4
maxipark-c_15
maxipark-panorama-b
maxipark-panorama-c

Das Wahrzeichen von Hamm ist übrigens allgegenwärtig in der Stadt. Überall wo man hinschaut, entdeckt man einen Maxi! Hier eine Auswahl:

20170217_130419
elepfant-maxi
elepfant-maxi_1
elepfant-maxi_2
elepfant-maxi_4

Vielleicht mag man es nicht glauben, aber Hamm ist schon seit über 1000 Jahren auf der Landkarte! Ein Zeugnis befindet sich in Hamm-Heessen, und zwar das Schloss Heessen. Mit der Zeit wuchs es und wurde immer größer. Heutzutage wird es als eine Art Bildungsstätte genutzt.

schloss-heesen
schloss-heesen_1
schloss-heesen_2

Gar nicht so weit entfernt befindet sich das Schloss Oberwerries – ein Wasserschloss, welches mittlerweile als Kultur-, Veranstaltungs- und Bildungsstätte genutzt wird.

schloss-oberwerries_1
schloss-oberwerries

Ganz in der Nähe fließt im Übrigen die Lippe!

die-lippe

Wie bereits erwähnt, ist Hamm eine Stadt mit Bergbau- und Stahlgeschichte. Mittlerweile sind alle Zechen still gelegt, aber viele Zeugnisse dieser Vergangenheit befindet sich noch im Stadtgebiet. Hier ein Beispiel an einem Kreisel beim OBI.

zechenbahn-und-waggon
zechenbahn-und-waggon_1

Die Zeche Sachsen hat eine große Maschinenhalle – heute Alfred-Fischer-Halle – welche mittlerweile als Veranstaltungsort genutzt wird.

zeche-sachsen_1
zeche-sachsen

Die Zeche Radbod ist heute ein Industriedenkmal und steht unter Denkmalschutz.

zeche-radbod_1

Die Zeche Heinrich-Robert wurde 2011 als letztes geschlossen. Die nahegelegene Halde Kissinger Höhe wird mittlerweile als Naherholungsgebiet genutzt.

zeche-heinrich-robert

Die Stahlindustrie existiert noch heute und ist relativ nennenswert. Immerhin hat die Salzgitter Mannesmann Precision GmbH und Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH ihren Sitz in Hamm.

mannesmann-precision

Nachdem ich nun die Industriekultur der Stadt präsentiert habe, widme ich mich nun weiteren Attraktionen, welche in Hamm zu finden sind.

Südlich von Hamm befinden sich die Wassertürme Berge am Hellweg. Sie stehen zwar unter Denkmalschutz, werden aber immer noch für die Wasserversorgung der Stadt genutzt.

Wassertürme

Abenteuerlich daran war, dass wir aus Versehen Privatgrundstück betreten haben, um dieses Foto zu schießen. Das war etwas peinlich, denn der Eigentümer war sehr verärgert. Es war nicht ganz nur unsere Schuld, aber darauf komme ich noch am Ende des Artikels zu sprechen.

Hamm ist eigentlich ein Konglomerat ursprünglich selbständiger und eigenständiger Mittelstädte. Seit einigen Jahren gibt es viele Projekte, die Stadtteile besser miteinander zu vernetzten und viele Stadtviertel zu verschönern. Zusammengefasst wurden diese Projekte im Masterplan Verkehr. Ein Projekt ist die Verschönerung des Bahnhofviertels. Hier wurde in den Bahnhof und Busbahnhof investiert und das Umfeld verschönert.

Panorama Bahnhofsviertel
Hauptbahnhof

Informationen zu weiteren Projekten können meines Wissens nach im Technischen Rathaus eingeholt werden.

Ganz in der Nähe des Bahnhofs befindet sich das Kaufhaus ter Veen – Kaufhaus für Jedermann. Es erinnerte mich ein wenig an Woolworth, hat aber viel mehr Charme als eben jenes. Gekauft habe ich nichts – war nichts dabei für mich.

Kaufhaus ter Veen

Etwa 100 Meter weiter Richtung FuZo befindet sich ein interessantes Backsteingebäude im expressionistischen Stil – das Geschäftshaus Lommel aus den 1920er Jahren. Davor steht eine schöne, alte Standuhr mit „altertümlicher“ Werbung.

Innenstadt Hamm
Innenstadt Hamm_1

Weiter die FuZo entlang kommt man zum Marktplatz mit der Pauluskirche – ein etwa 750 Jahre altes Wahrzeichen der Stadt.

Innenstadt Hamm_3
Innenstadt Hamm_4

Ganz in der Nähe befindet sich das Stuniken-Haus. Es steht unter Denkmalschutz und ist eines der wenigen Gebäude, welches sämtliche Katastrophen wie Feuer, Bombenangriffe usw. schadlos überstand. Es wurde nach Oberbrandmeister Johann-Bernhard Stuniken bekannt, der auch Namenspatron für den Stunikenmarkt ist – einem lokalen Volksfest/Stadtkirmes.

Innenstadt Hamm_8
Innenstadt Hamm_7

Um die Ecke findet man das Haus Vorschulze. Es ist wenig älter als das Stuniken-Haus und hat auch verschiedene Eigentümer gehabt. Mit Abstand am längsten lag der Besitz des Hauses Vorschulze bei der Familie Vorschulze bis sie es an die Stadt Hamm verkaufte.

Innenstadt Hamm_5

Das so ziemlich älteste Gebäude der Stadt ist das Alte Brauhaus Henin – ein spätmittelalterlicher Bau. Als letztes befand sich ein Restaurant darin, was mittlerweile leider geschlossen hat.

Innenstadt Hamm_9

Ein weiteres altes Gebäude ist das Alt-Hamm, welches im 18.Jahrhundert nach einen großen Brand innerhalb von 4 Tagen erbaut wurde. Dort gibt es eine Gaststätte in der wir am Freitag Abend auch zu Abend gegessen haben. Ich gönnte mir einen Bauernschmaus und ein hiesiges, leckeres Isenbeck Bier!

Innenstadt Hamm_2
20170217_200805
20170217_200953

Die Isenbeck Brauerei gibt es so nicht mehr in Hamm. Sie wurde abgerissen und stattdessen steht dort eine standardisierte Mall (Einkaufszentrum), die man mittlerweile in jeder Stadt vorfindet. Die Brauerei wurde von der Paderborner Brauerei übernommen. Dennoch ist das Isenbeckbier weiterhin präsent. Ein Wahrzeichen der Stadt ist nämlich ein überschäumendes Bierglas am Universahaus.

Innenstadt Hamm_6

Hamm gilt als Stadt des Rechts. Unweit des Universahauses befindet sich das OLG Hamm, das größte Oberlandesgericht in Deutschland. Außerdem findet in der Nähe des OLG Hamm der Deutsche Baugerichtstag statt.

OLG Hamm

Einige 100 Meter weiter befindet sich ein Parkgelände – der Burgberg Mark auf einem Burghügel. Dort befand sich die Burg Mark, welche nur noch durch einen Teil des Mauerwerks und dem Burggraben zu erkennen ist. Die Umgebung ist aber ein schönes Naherholungsgebiet.

Burgberg Mark Schild
Panorama Burgberg Mark

Hamm ist bekannt für die Terraristika – die weltgrößte Messe für Terrarientiere. Die Messe findet in den Zentralhallen Hamm statt.

Panorama Zentralhallen Hamm

Wie nennt sich der Bewohner von Hamm eigentlich? Das kommt darauf an, zu welcher Bevölkerungsgruppe er sich zählt. Im Internet konnte ich herausfinden, dass es die Hammenser gibt, die sich so nennen, weil sie seit Generationen in Hamm leben und sich zu einer humanistisch geprägten Bevölkerungsgruppe zählen. Und es gibt die Hammer – einfache Bürger, Angestellte und Arbeiter. Öffentlich wird immer von den Hammern gesprochen; seltener von Hammensern.

Die Hammer/Hammenser selbst sind äußerst freundliche und liebenswürdige Menschen mit einem bodenständigen Charme. Getroffen haben wir tatsächlich einige von ihnen, ob es unsere „Gasteltern“ waren oder die Kellnerinnen im Alt-Hamm, die Dame an der Kasse im Maxi-Park oder einem Hammer Original aus dem Feinkostladen. Mit dem Hammer-Original aus dem Feinkostladen habe ich ein tolles, eindrucksvolles Gespräch gehabt und bin froh, mit ihm über meine 5 ausgeklügelten Fragen geplauscht zu haben.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Zechenstadt! Und viele heimatverbunde Menschen, die ihre Traditionen und ihre Bodenständigkeit pflegen. Der Hammer/Hammenser ist ein bodenständiger Mensch und gerne würde ich einfach mal eine kuriose Aussage des Herrn zitieren: „Der Münsteraner least Autos, der Hammer kauft ein Auto…“ – Ich habe geschmunzelt! 🙂
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Hamm-Herringen! Dort wohnt er und es hat jede Menge grün!
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Kurhaus/Therme Hamm, der Maxipark, die vielen kleinen Museen, der Tierpark Hamm, die vielen Fahrradwege und die vielen musikalischen Veranstaltungen und Institutionen der Stadt, wie zum Beispiel der Jazz Club Hamm
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? siehe Frage 1 🙂
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Er hofft, dass es mit seiner Stadt weiter aufwärts geht und das der Strukturwandel dieser Stadt weiterhin zum Wohle seiner Bürger weiter geht.

Ich danke dem Hammer Original für dieses Interview. Er hat zwar nicht immer direkt und präzise auf meine Fragen geantwortet, aber das war mir dann egal, denn er hatte viel zu erzählen über seine Stadt und es tut mir Leid, dass ich nicht so viel aus dem Gedächtnisprotokoll ziehen konnte, wie es mir lieb wäre. Bisher habe ich selten echte Einheimische in den besuchten Städten getroffen. Meist Zugezogene.

Im Verlaufe des Artikels erwähnte ich, dass wir auch auf einen verärgerten Hammer getroffen sind, als wir aus Versehen sein Grundstück betreten haben. Bei der Gelegenheit möchte ich mich selbstverständlich noch mal bei ihm – schließlich könnte es ja sein, dass er es liest – dafür entschuldigen. Es war einfach ein Versehen. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen und erwähnen, dass es nicht alleine in unserer Verantwortung lag! Falls der Herr das lesen sollte, bitte ich eindringlich darum das Schild kenntlicher zu machen, welches auf den Privatweg hinweist! Es war nämlich durch eine Radkappe verdeckt… Außerdem war das Privatgrundstück nicht durch ein Tor oder Ähnliches verschlossen.

Wir stellten im Übrigen fest, dass Hamm eine kinderfreundliche Stadt zu sein scheint! Das lag nicht nur am Maxipark, sondern auch an vielen größeren, gut sortierten Spielwarenläden.

Kinderfreundlich Hamm_2
Kinderfreundlich Hamm_1
Kinderfreundlich Hamm

Im Übrigen kann man in Hamm (vermutlich auch in anderen deutschen Städten) per SMS an gebührenpflichtigen Parkplätzen bezahlen. Habe ich so zum ersten mal gesehen!

IMG-20170227-WA0001

Irgendwas fehlt… Die kulinarischen Spezialitäten!! Hm… tja, die gibt es leider nicht in Hamm. Die Stadt zehrt an den kulinarischen Besonderheiten seiner Region, wie zum Beispiel dem Möpkenbrot, welchen zwischen Osnabrück und Hamm bekannt ist. Das Möpkenbrot ist eine Kochwurst aus Getreide (im Bild unten die roten Scheiben). Ich habe mir zusätzlich eine Flasche Isenbeck Pils und Isenbeck Malzbier gekauft und eine Pflaume-Zimt-Konfitüre aus einer Bäckerei, wo wir sehr freundlich bedient wurden. Aus dem Feinkostladen kaufte ich mir einen milden Likör – „Ein Gruß aus Hamm“ (stammt in Wirklichkeit aus Münster…). Im Touristencenter habe ich eine schöne, große, robuste Tasse erstanden!

20170218_175410

Mein liebes Hamm,

endlich habe ich dich kennen gelernt und eine schöne Zeit bei dir verbracht! Deinen Charme als ehemalige Zechenstadt hast du dir erhalten und ich sehe, wie du kontinuierlich an deinem Wandel arbeitest. Sehr beeindruckt haben mich der Maxipark mit seinem wahnsinnig tollen Abenteuerspielplatz (einmal noch Kind sein; wäre das toll!) und deine sympathischen, respektablen Einwohner. Es würde mich tatsächlich sehr freuen, wenn du dich um eine oder zwei kulinarischen Spezialitäten kümmern würdest, welche nur bei dir zu finden sind. Ich bin mir sicher, dass dir was einfallen wird. Das Isenbeck schmeckt mir übrigens besonders gut!

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg bei deiner weiteren Entwicklung.

Bis Bald!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s