Recklinghausen – (R)u(h)rgemütlich und angenehm entspannt

Es ist ja immer schwierig im Herbst eine Reise zu planen, da man ja nie weiß, wie sich das Wetterchen so entwickelt. So war ich denn der Meinung, eine kleinere Stadt in der relativen Nähe von Hannover besuchen zu wollen.

Nach Recklinghausen wollte ich eigentlich schon Anfang 2017, aber eine private Veranstaltung kam mir dazwischen. Nun war ich Ende November dort und besichtigte diese lauschige Stadt – und zum Glück hat es nicht geregnet!

An vielen Stellen dieser Stadt begegnete mir der Begriff „Vest“. Er stammt aus dem frühen Mittelalter und beschreibt eine Art Gerichtsbarkeit in einem bestimmten geografischen Gebiet. Ausgesprochen wird der Begriff wie „Fest“. Zum Vest Recklinghausen gehören unter Anderem nahezu der gesamte Landkreis Recklinghausen sowie Bottrop und Teile von Oberhausen und Gelsenkirchen. Mittlerweile wird der Begriff „Vest“ von etlichen Unternehmen und Behörden genutzt, wie zum Beispiel Radio Vest, Vestische Sparkasse usw.

Bergbau und Handel

Recklinghausen liegt am nördlichen Rand des Ruhrpotts, an der Grenze zum Münsterland und ist geprägt durch den Bergbau. Die Zeche Recklinghausen war ein Steinkohlebergwerk im Süden der Stadt. Direkt hinter der Zeche ist die Halde Hoheward zu erkennen, von der man einen tollen Ausblick haben soll. Da es sehr bewölkt und diesig war, habe ich mir den Gang nach da oben erspart.

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Direkt neben der Zeche befindet sich die alte Bergarbeitersiedlung Kolonie Dreieckssiedlung. Tatsächlich ist sie wie ein Dreieck aufgebaut und logischerweise nur von oben als solches zu erkennen. Mir haben die Häuser sehr gefallen! Sie strahlen einen gewissen Charme aus.20171123_11472620171123_114804Unternehmen_1Unternehmen_2Unternehmen_3

Eine weitere charakteristische Bergarbeitersiedlung/Kolonie befindet sich in der Hiberniastr.

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Nördlich der Altstadt befindet sich ein Gebäude in dem früher die Königlich Preußische Bergwersdirektion ihren Sitz hatte und in Vertretung des Preußischen Staates den Bergbau im Ruhrgebiet überwacht hat. Mittlerweile befindet sich in dem Gebäude eine Verwaltung.

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Seit längerem ist die Zeit des Bergbaus in Recklinghausen vorbei und die Stadt hat sich zu einem Handelszentrum im nördlichen Ruhrgebiet entwickelt. Im Süden der Stadt hat der Sportartikelhändler Runners Point seinen Sitz und sein Outlet. Von der A2 aus ist das Outlet ziemlich gut und schnell zu erreichen und ich finde, jeder sollte dieses Outlet mal besuchen, wenn er sich schon mal auf der A2 in dieser Gegend befindet. Ich habe die Chance genutzt und ein paar Schnäppchen gemacht! Nach dem Einkauf sollte man sich auf jeden Fall einen Abstecher in die Konditorei Sindern und/oder der Bäckerei Küper gönnen, denn diese beiden Unternehmen stellen sehr schöne Leckereien her. Aber darauf komme ich später noch mal zu sprechen.

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Die bekannte Modemarke Reserved aus Polen hat in Recklinghausen ihren ersten Store überhaupt in Westeuropa eröffnet! Er befindet sich in der Shopping-Mall Palais Vest.

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Vom Palais Vest aus läßt sich die schöne, gemütliche Altstadt mit ihren Einkaufsstraßen, wie zum Beispiel die Breite Straße, Große Geldstr. und Kunibertistr., besichtigen. Dabei sollte man auch immer mal einen Blick in die kleinen Nebenstraßen und Gässchen werfen! Insbesondere im Viertel Krim, in dem viele Fachwerkhäuser stehen.

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In der gut erhaltenen Altstadt gibt es an vielen Ecken Plätze, an dem Handel betrieben wird und am Tag meines Besuchs bereits der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde. Bekannte Plätze sind der Markt, welcher recht groß ist und der kleinere Holzmarkt.

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Weitere Sehenswürdigkeiten

An Recklinghausen habe ich sehr die kurzen Wege geschätzt, die ich meist zu Fuß zurück gelegt habe, so dass ich beim Gang durch die Altstadt an vielen weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei gekommmen bin.

Quasi direkt gegenüber des Palais Vest steht das Wahrzeichen der Stadt – das Alte Rathaus. Der Rathausplatz wird für verschiedenste Feierlichkeiten genutzt – am Tag meines Besuches war auch dort ein Teil des Weihnachtsmarktes.

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Eine ganz besondere Attraktion ist das Ikonen Museum in der Nähe des Holzmarkts. Es beherbergt nämlich die größte und bedeutendste Sammlung an Ikonen außerhalb der christlich-orthodoxen Welt!

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Am Rande der Altstadt befindet sich die Engelsburg und ein Teil der alten Stadtmauer mit dem Stephansturm. Die Engelsburg ist in etwa 300 Jahre alt und hatte verschiedene Besitzer. Heute befindet sich dort ein nobles Hotel.

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Das älteste Ackerbürger- und Fachwerkhaus der Stadt ist der Gravemanns Hof. Das Gebäude ist auffällig rot und nahezu im Originalzustand erhalten.

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Direkt nebenan steht das Kaufmannshaus Verstege. Es ist das zweitälteste Fachwerkhaus der Stadt und war lange Zeit der Sitz wohlhabender Kaufmannsfamilien.Altstadt_25

Das Haus Albers am Markt ist die älteste Gastwirtschaft der Stadt. Sie wurde lange Zeit von der Familie Albers geführt. Mittlerweile befindet sich eine bekannte Bistro-Kette im Gebäude.

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Die Alte Apotheke befindet sich seit ca. 150 Jahren in Händen einer alteingesessenen Apothekerfamilie. Das Gebäude ist reich verziert und gut erhalten.

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Ein imposantes Gebäude ist das Willy-Brandt-Haus. Es war vormals ein Verwaltungsgebäude.

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Kultur und Freizeit

Recklinghausen ist auch als Ruhrfestspielstadt bekannt. Im Ruhrfestspielhaus finden die Ruhrfestspiele statt. Sie sind die ältesten Theaterfestspiele Europas und gehören zu den größten und renommiertesten des Kontinents.

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Nur etwa 100 Meter weiter befindet sich die Westfälische Volkssternwarte. Von ihr wird die Sonne beobachtet.

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Sehr erwähnenswert ist, wie ich finde, die Altstadtschmiede e.V. – ein soziokultureller Verein und Jugendzentrum in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, welcher etliche verschiedene Veranstaltungen für Jung und Alt organisiert.

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Der Stadthafen Recklinghausen wurde natürlich für den Umschlag von Waren und Gütern genutzt, welcher mittlerweile nicht mehr allzu hoch ist. Direkt am Rhein-Herne Kanal wird der Hafen mittlerweile als Strandbar genutzt. An meinem Besuchstag, war natürlich überhaupt nichts los, aber an warmen, lauschigen Tagen stelle ich mir den Besuch dieses Strandes sehr interessant vor!

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Kulinarisches

Bekannt ist Recklinghausen für seine drei Kornbrennereien. Die Kornbrennerei Boente gibt es seit 1830 und befindet sich südlich von der Innenstadt.

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Es gibt noch eine Hausbrauerei Suberg’s bei Boente, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass die beiden Unternehmen etwas miteinander zu tun habe – sie teilen sich wohl lediglich den Namen. Gerne hätte ich das Hausbier dort getrunken, aber ich hatte mir eine Art Fasten auferlegt zu dieser Zeit – und dazu gehörte natürlich auch der Verzicht auf Alkohol. Allerdings habe ich mir einen Flasche des Winterbieres gekauft und trinke es während ich diesen Artikel schreibe – schmeckt mir ganz gut! Ich habe mir aber beim Besuch dieses Lokals ein Schweinesteak gegönnt.

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Die Kornbrennerei Schlueter befindet sich etwas außerhalb der Stadt im Stadtteil Suderwich am Alten Kirchplatz.

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Die Kornbrennerei Dörlemann konnte ich leider nicht ablichten.

Es gibt zwar sonst keine weiteren urtypischen Spezialitäten aus Recklinghausen, aber einige ziemlich interessante Geschäfte mit tollen Leckereien! Ich besuchte die Marzipanfabrik Konditorei Sindern und konnte dort ein paar sehr leckere und interessante Nahrungsmittel erstehen.

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Witzigerweise konnte ich ein Gespräch zwischen Kunden und der Mitarbeiterin des Geschäfts (wie ich vermute auch Mitinhaberin) mithören, bei dem über den tollen Elsäßischen Honigessig gesprochen wurde, der dort angeboten wird! Die Kunden waren ein Mann und eine Frau und der Mann preiste vor der Frau diesen Essig an (ich vermute sie waren verwandt oder kollegial verbandelt). Er sagte wortwörtlich: „Meine Frau sagt, dass sich unser Leben verändert hat, seitdem wir diesen Essig haben!“ 😀 Die Dame hat diesen Essig dann auch gekauft. Ich habe mir diesen Essig übrigens auch gekauft, nachdem ich mit der Verkäuferin mein beliebtes Interview mit den 5 ausgeklügelten Fragen geführt habe. Die Verkäuferin selber kommt aus dem Elsaß und lebt seit fast 30 Jahren im Elsaß. Sie hat mir die Geschichte dieses Essigs erzählt, den sie seinerzeit ab und an mal mitgebracht hat und der den Freunden und Bekannten recht gut geschmeckt hat. Alle wollten diesen Essig, so dass sie immer mehr davon aus dem Elsaß mitgebracht hat! Mit der Zeit hat sich das in der Gegend herumgesprochen und seit einiger Zeit wird der Elsäßer Honigessig in der Konditorei Sindern angeboten und findet seine Abnehmer! Ein Verwandter von ihr, der in Paris lebt macht ähnliche Erfahrungen, nur dass er kein Geschäft hat, in dem er den Essig vertreibt.

Dieses Interview war so ziemlich das lebendigste, welches ich bisher geführt habe. Kurioserweise hat die Verkäuferin meine erste Frage beantwortet ohne dass ich sie gestellt habe! Sie war sehr auskunftsfreudig und hat viel über ihre neue Heimat erzählt.

 

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Recklinghausen ist voller kultureller Höhepunkte! Sehr bekannt sind die Ruhrfestspiele und das einzigartige Ikonen Museum. Außerdem ist das Strommuseum in der Nähe des Stadthafens sehr interessant, da dort viele alte Dinge ausgestellt werden. Sehr schön ist es auch auf der Halde Hohenward mit seinem schönen Blick über die Stadt und die Gegend und weil man da so schön picknicken kann im Sommer!
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Der Rhein-Herne-Kanal und die Emscher sind so schön, um Fahrradtouren zu machen. Ich fahre gerne Fahrrad in meiner Stadt.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Man sollte sich die Zechenbahntrasse anschauen und einfach ein Fahrrad mieten und diese abfahren.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Die Stadt konnte ihren Flair und Charme einer typischen Kleinstadt sehr gut erhalten. Außerdem ist man schnell im Grünen. Das Münsterland, das Bergische Land und der Pott sind ziemlich nah und ebenfalls sehr schnell zu erreichen. Sogar nach Holland ist es nicht weit!
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Ich wünsche mir, dass die Stadt Projekte nachhaltiger und gesamtheitlicher umsetzt, so dass alle davon profitieren. Außerdem wünsche ich mir viel Grün und Blumen in der Innenstadt. Schließlich ist die Begrünung eine Visitenkarte der Stadt!

 

Am Tag meiner Abfahrt habe ich mir ein Mittagessen bei der Roßschlachterei Hobbold gegönnt. Tatsächlich wollte ich schon immer mal wissen, wie Pferdefleisch schmeckt und so gönnte ich mir den Hobboldburger. Ich fand, dass das Fleisch ähnlich wie Rind geschmeckt hat. Es war nur einen Tick würziger, aber angenehm.

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Das Brötchen – neudeutsch auch Bun genannt – stammt von der Altstadtbäckerei Prang um die Ecke. Dort habe ich mir auch was für Zwischendurch gegönnt.

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Ganz im Süden der Stadt befindet sich die Bäckerei Küper. Sie ist die einzige ihrer Art und scheint extrem beliebt zu sein! Jedenfalls hat sich schnell eine Schlange gebildet. Das ist aber bei diesem außergewöhnlichem Angebot auch kein Wunder. Ich habe mir ein Hafer-Walnussbrot gekauft, welches mir sehr gut geschmeckt hat. Im angeschlossenen Café habe ich mich bei einem Cappuchino entspannt. Die Zitronenringe haben es mir aber auch angetan.

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Bekannterweise haben sich in den letzten 200 Jahren viele Polen im Ruhrgebiet auf der Suche nach Arbeit niedergelassen und natürlich haben sie ihre Gepflogenheiten und kulinarischen Spezialitäten mitgebracht. Es gibt viele polnische Lebensmittelgeschäfte im Ruhrgebiet; eines davon ist Golly’s.

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Die Currywurst darf im Pott natürlich auch nicht fehlen. 🙂

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Unerwarteterweise ist meine Ausbeute an Mitbringseln ziemlich hoch gewesen. Neben vielen Süßigkeiten von der Konditorei Sindern und der Bäckerei Küper, kommen natürlich der Elsäßische Honigessig, Suberg’s Winterbier, ein Paar Puschen und eine Dose Fleisch von der Roßschlachterei Hobbolds dazu.

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Mein liebes Recklinghausen,

vielen lieben Dank für deine Gastfreundschaft und für die freundlichen Begegnungen mit deinen Einwohnern. Bisher warst du mir sehr unbekannt und ich war gespannt darauf, was mich erwartet. Kennengelernt habe ich dich nun als eine schöne, lauschige Stadt in der ich zwei entspannte und kulinarisch schöne Tage erlebt habe. Toll fand ich deine urige Altstadt und wünsche dir, dass du noch viele Besucher erlebst.

Alles Gute für dich!

 

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