Gera – eine Geschichte unter Tage

Diesmal zog es mich wieder in den Osten der Republik. Wie in vielen anderen Städten vorher, wußte ich nicht, was mich in Gera erwartet und wofür diese Stadt steht. Erst in meiner vorhergehenden Recherche fand ich heraus, dass Geras Aufstieg unter Anderem seiner Arbeit unter Tage zu verdanken ist – sowohl in der jüngeren als auch in der früheren Vergangenheit.

Bei Gera in Ronneburg wurde nach dem Weltkrieg Uranerzbergbau getrieben und gegen Ende des Mittelalters haben die Geraer unter fast jeden Haus in der Altstadt unterirdische Tunnelsysteme angelegt um ihr berühmtes Schwarzbier zu lagern – diese Lagerstätten nannte man Geraer Höhler.

Geras Geschichte fand allerdings nicht nur unter Tage statt. Davon berichte ich jetzt.

 

Architektur und Historie

Einst war Gera für viele Jahrhunderte ein Zentrum der Textilindustrie, wobei sie eine der reichsten Städte Deutschlands war. Etliche Stadtvillen zeugen vom Reichtum dieser Zeit; so zum Beispiel das Haus Schulenburg, welches einem Textilfabrikanten gehörte und heute für kulturelle Veranstaltung genutzt wird:

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Die Villa Jahr gehörte dem Industriellen Moritz Rudolf Jahr und ist jetzt eine Schule.

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Viele weitere Villen und Stadthäuser befinden sich insbesondere im Stadtteil Heinrichsgrün

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… oder im Stadtteil Untermhaus

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… aber auch überall sonst in der Stadt verteilt.

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Im Stadtteil Untermhaus steht im übrigen das Otto-Dix-Haus. Es ist das Geburtshaus des Malers und heute ein Museum.

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Außerdem steht in Untermhaus das Schloß Osterstein. Gera wurde vom Fürstenhaus Reuß der jüngeren Linie bis zum Ende des 1. Weltkriegs regiert. Das Schloß war ihre Residenz und wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört.

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Im 19. Jahrhundert begann auch in Gera die Industriealisierung. Den meisten Deutschen wird die Kaufhauskette Hertie bekannt sein. Sie war, bis sie von der Karstadt AG übernommen wurde, eine der führenden Warenhausketten in Deutschland. Gegründet wurde sie 1882 in Gera von Oscar Tietz. Das Haupthaus steht noch in der Innenstadt, wird aber nicht von Hertie oder Karstadt betrieben.

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In der Innenstadt befindet sich der große Marktplatz Geras mit dem historischen Rathaus und seinem Turm. Außerdem befindet sich der Simsonbrunnen und die Stadtapotheke mit ihrem reich verzierten Erker am Marktplatz.

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Eine sehr schöne Kirche befindet sich ebenfalls im Zentrum der Stadt. Die Salvatorkirche auf dem Nicolaiberg besitzt eine der größten Orgeln des Orgelbauers Ernst Röver. Von der Kirche hat man auch einen schönen Blick auf die Stadt.

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Wie in vielen Städten im Osten der Republik gibt es ganze Stadtteile mit Plattenbauarchitektur. Im Süden der Stadt befindet sich der Stadtteil Lusan.

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Gera hat eine leichte Tallage und von den Hügeln drumherum hat man einen schönen Ausblick. Am Stadtrand befindet sich auf dem höchsten Punkt der Stadt der Ferberturm. Mitte des 19h Jahrhunderts erbaut, ist es heute ein beliebtes Ausflugsziel mit Gastronomie.

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Ein weiterer Aussichtsturm im Westen der Stadt ist der Fuchsturm (ehem. Kaiser-Wilhelm-Turm).

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Bis 2010 gab es in Gera Nord die 3 Essen. Es waren 3 Schornsteine eines Kraftwerks, welche bis dahin abgerissen wurden. Ein 30 Meter hohes Fassadenbild erinnert heute noch an diese imposante Landmarke.

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Am Rande der Innenstadt befindet sich der Stadtgraben mit Resten der alten Stadtmauer.

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Bergbau in Ronneburg

In der DDR-Zeit erlebte Gera seinen größten Bevölkerungswachstum und erreichte nahezu 135.000 Einwohner. Maßgeblich war der Uranerzbergbau dafür verantwortlich. Im nahen Ronneburg wurde das Erz lange Zeit abgebaut. Abnehmer des Erzes war ausschließlich die ehemalige Sowjetunion. Uranerz wird nicht mehr in Ronneburg abgebaut. Das Gelände wurde in einen großes Park umgewandelt und nennt sich Neue Landschaft. 2007 fand dort die Bundesgartenschau statt.

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Typisch Gera

Nicht ganz Bergbau, aber immerhin auch unter der Erde, hat sich seit dem Mittelalter ein Teil des Lebens der Geraer abgespielt. Bekannt ist die Stadt für die Geraer Höhler. Ab dem 15. Jahrhundert wurden innerhalb von 400 Jahren einige hundert Hohlräume unter den Häusern der Altstadt angelegt. Diese dienten den Einwohnern zum Einlagern von Bier. Die Höhler lagen bis zu 8 Meter unter der Erde. Einige Höhler sind als Museum ausgebaut und können besichtigt werden; leider war ich einen Tag zu früh in Gera und konnte keine öffentliche Führung mitmachen. Das ist schade! Hätte ich gerne mitgemacht. Der Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler organisiert Veranstaltungen und Termine rund um die Höhler.

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In einem der Höhler unter dem Rathaus befindet sich übrigens das Kabarett Fettnäpfchen. Über die Grenzen der Stadt hinaus, ist es für seinen speziellen Humor bekannt.

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Ein Puschkin-Denkmal lag auf meinem Weg!

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Im größten historischen bürgerlichen Haus in Gera – dem Ferberschen Haus – befindet sich das Museum für angewandte Kunst.

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Die Orangerie und der Küchengarten befinden sich nahe dem Zentrum Geras. Seit der Erbauung im 18. Jahrhundert wurde der Komplex auf viele Arten verwendet. Im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 wurde er umfassend saniert.

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Gleich nebenan befindet sich das Mehrspartentheater die Bühnen der Stadt.

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Von hier ist die TheaterFABRIK nicht weit entfernt. Sie ist die theaterpädagogische Abteilung von Theater und Philharmonie der Stadt und erklärt bereits unseren jungen Menschen die Kniffe beim Theaterspiel.

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Nicht zu übersehen in der Innenstadt ist das Kultur- und Kongresszentrum. Zu DDR-Zeiten ein Mehrzwecksaal wird es heute für Konzerte und politische Veranstaltungen genutzt.

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Während ich meine Mittagspause machte traf ich in einem Bistro eine Kellnerin, welche mir meine ausgeklügelten 5 Fragen beantworten konnte!

 

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Stadt ist mittlerweile eine Studentenstadt geworden und entwickelt sich entsprechend weiter. Ich gehe auf die Duale Hochschule.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Ich mag die Elster, welche durch Gera fließt. Dort kann ich herrlich entspannen und spazieren gehen. Außerdem gibt es einen Radweg an der Elster, den ich von Langenberg aus oft befahre.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Die Orangerie ist sehr schön und unser Stadtteil Untermhaus mit den vielen Villen.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Die Geraer scheinen immer schlechte Laune zu haben. 🙂
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Die Stadt entwickelt sich zwar, aber ich fände es schön, wenn mehr für die Jugend getan wird. Damit kann sicher gestellt werden, dass Gera weiterhin jung bleibt.

 

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Zucht- und Waisenhaus im Zentrum der Stadt erbaut. Heute ist es das Stadtmuseum, welches sich mit der Geschichte der Stadt befasst und ebenfalls einen Beitrag zum Erhalt der Geraer Höhler leistet.

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Ebenfalls im Zentrum befindet sich die Gedenkstätte Amthordurchgang, welche an die Opfer der deutschen Diktaturen zwischen 1933 und 1990 erinnert.

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Im Norden der Stadt befindet sich das barocke Wasserschloss Tinz. Für die Fürsten von Reuß diente es als Sommer- und Witwenresidenz. Von Wasser ist das Schloss heutzutage nicht mehr umgeben. Es wird mittlerweile von einer Hochschule genutzt.

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Nicht weit entfernt befindet sich eine besondere Einrichtung für den Jugendschutz. Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugengerichtshilfe arbeiten in der Jugendstation zusammen, um Kriminalprävention zu fördern.

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Typisch für Gera sind auch seine kulinarischen Spezialtität! Bei Gera liegt Bad Köstritz und dort wird eines der leckersten Schwarzbiere hergestellt, welches ich jemals getrunken habe – das Köstritzer!

Kulinarisch

Natürlich habe ich mir 1-2 Flaschen mitgenommen. Ebenfalls habe ich mir ein Höhlerbier besorgt. Ob es auch mal im Höhler gelagert wurde? 😉 Absolut typisch ist die Gersche Fettbemme. Dies ist eine Brotscheibe, welche mit Schmalz bestrichen wird. Den entsprechenden Fettnapf habe ich mir ebenfalls besorgt. Alles bekommt man in der Touristinfo in Gera.

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Parks und Gärten

Im Rahmen der Bundesgartenschau wurden nicht nur die ehemaligen Bergbaugebiete aufgewertet. Auch innerhalb der Stadt gibt es einige Parks und Gärten, welche zum Verweilen und Entspannen einladen.

Der Dahliengarten war überhaupt der erste reine Dahliengarten weltweit und existiert seit 1928. Im Herbst findet ein Dahliengartenfest statt. Ich war im Frühling da…

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Der Botanische Garten ist unter Anderem spezialisiert auf die Flora Thüringens.

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Die Parkanlage Hofwiesenpark ist einer der Hauptausstellungsbereiche der Buga 2017 gewesen. Auf dem Park steht ein Stadion und ein Hallenbad und es befindet sich am Fusse von Schloß Osterstein.

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Sportstadt Gera

Lange Zeit bekannt war Gera durch die Firma Sportwetten Gera, welche im Internet Sportwetten angeboten hat. Mittlerweile scheint die Firma nicht mehr zu existieren.

Gera hat sich in einigen Randsportarten einen Namen gemacht! Der RSV Blau-Weiß Gera gehört beim Speedskating zur internationalen Weltspitze.

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Der traditionsreiche SSV Gera 1900 e.V. gehört zu den erfolgreichsten und renomiertesten Radsportvereinen Deutschlands und ist Ausrichter von bedeutenden Radrennen.

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Gera ist ein Zentrum des Reitsports. Gerade wird das Reitstadion komplett neu gebaut.

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Entscheidende Impulse bekommt der Bogensport in Deutschland aus Gera. Der durch einen Unfall an den Rollstuhl gefesselte Mario Oehme, nahm an 3 Paralympics teil und beeinflusst weiterhin die Entwicklung des Bogensports.

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2006 gab es die Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen in Gera! Ein Zentrum des Fallschirmspringens ist der Flugplatz in Gera.

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Mein liebes Gera,

das war nun mein Tag bei dir. Du besitzt viel stolze Historie und konntest viel von der historischen Substanz bewahren und aufwerten. Es hat mir sehr gefallen einen Tag bei dir zu verbringen. Insbesondere die Parkanlagen auf dem ehemaligen Bergwerkgelände und dein Villenstadtteil haben mich sehr beeindruckt. Schade, dass ich nicht die Höhler sehen konnte. Aber das ist schon mal ein Grund dich wieder zu besuchen!

Vielen Dank und alles Gute für dich!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Gera – eine Geschichte unter Tage

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