Hagen – eine Stadt zwischen Wäldern und Hügeln

Es ist Frühling aber noch nicht so frühlingshaft, dennoch wollte ich den 1. Mai diesen Jahres mit einem verlängerten Wochenende bekleiden und bin nach Hagen gefahren. Das „Tor zum Sauerland“ ist die größte Stadt in Südwestfalen und mir ist gleich aufgefallen, wie hügelig und bewaldet diese Stadt ist. Ich entschied mich somit mein Faltrad lediglich in der meist ebenen Innenstadt zu nutzen und bin alle anderen Ziele mit dem Auto abgefahren (wen es interessiert: der Opel Astra läuft immer noch). Bekannt ist Hagen übrigens als ein Zentrum der Neuen Deutschen Welle aus der Interpreten wie Extrabreit und Nena hervorgegangen sind!

Wie viele andere Städte im Ruhrgebiet und drumherum ist Hagen durch Ansiedlung von Schwerindustrie groß geworden. Ebenfalls spielte die Textilindustrie eine große Rolle. Es ereilte der Stadt aber ebenfalls das Schicksal vom Verschwinden dieser Industrien und daraus folgenden Bevölkerungsrückgang. Viele ehemalige Werke und Fabriken sind leider auch verschwunden, so dass ich die Relikte der Schwerindustrie nicht ablichten konnte. Den Wandel hat Hagen mittlerweile gut überstanden und freut sich über eine prosperierende mittelständische Wirtschaft.

Wirtschaft aktuell und historisch

Mit dem Thema Wirtschaft möchte ich diesen Artikel über Hagen auch beginnen. Das große Gelände der Elbershallen ist eine der wenigen Industrierelikte, welche noch erhalten sind. Dort befand sich die Textilfabrik der Gebrüder Elbers, wo sämtliche Arbeiten rund um die Textilherstellung gemacht wurden. Mittlerweile wird das Gelände und seine Gebäude kulturell genutzt. Es finden dort alle möglichen Veranstaltungen statt und es haben sich verschiedene gastronomische Betriebe angesiedelt.

Noch bevor die Industrialisierung begann, war Hagen ein Zentrum der Klingenschmiede. Davon zeugt heute noch die sehr sehenswerte Siedlung Lange Riege. Mit ihren über 300 Jahren ist sie die älteste Arbeitersiedlung Westfalens.

Weit weniger bekannt war mir, dass Hagen einen der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands besitzt und ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt ist. Das Photo zeigt fälschlicherweise nicht den Rangierbereich.

Ein sehr bekanntes deutsches Unternehmen ist die Douglas Holding AG von der man die großen Parfümeriegeschäfte kennt. Das Unternehmen war ursprünglich ein Mischkonzern aus dem Unternehmen wie Thalia (Bücher), Hussel (Süßwaren) usw. hervor gegangen sind. Mittlerweile gibt es nur die Parfümerien.

In der Hochofenstr. stand früher die Hasper Hütte – ein Stahlwerk, welches mittlerweile komplett verschwunden ist. Somit konnte ich auch kein Foto machen und habe leider auf Anhieb keine Fotomotive gefunden, welche an das Werk erinnern.

Historische Sehenswürdigkeiten

In der Innenstadt selbst gibt es mittlerweile kaum historische Bauten. Kriegsbedingt wurden historische Gebäude einfach durch zweckmäßige Bauten ersetzt, da die Innenstadt zu 100 % zerstört wurde. An den Außenrändern der Stadt konnte ich aber insbesondere auf Hügeln viele Sehenswürdigkeiten entdecken. Dabei viel mir auf, dass Hagen überdurchschittlich viele Türme hat. Der Freiherr-vom-Stein-Turm am Kaisberg ist so ein Turm. Er befindet sich im Nordwesten der Stadt und erinnert an den Freiherrn.

Nur 1-2 Kilometer entfernt befindet sich das Wasserschloss Werdringen. Es befindet sich in einer landschaftlich reizvollen Ecke und beherbergt ein Museum für Ur- und Frühgeschichte. Ganz in der Nähe findet der Naturliebhaber nämlich die größten Libellenarten Europas und wichtige fossile und archeologische Fundorte.

Etwas weiter in Richtung Innenstadt kam ich am Haus Ruhreck vorbei. Die ehemalige Unternehmensvilla gehörte dem Fabrikanten Caspar Diedrich Killing und wurde auch Killingsburg genannt.

Das Eduard-Müller-Krematorium ist anfang des 20. Jahrhunderts erbaut worden und war im damaligen Preußen der erste Krematoriumsbau überhaupt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Die ehemalige Unternehmerfamilie Harkort wohnte seinerzeit im Haus Harkorten, welches noch nahezu im Originalzustand existiert, aber durchaus noch mal in Schuss gebracht werden muss. Das Gebäude ist ein tolles Beispiel für die Architektur im Bergischen Land (obwohl Hagen nicht im Bergischen Land liegt).

Der Kaiser-Friedrich-Turm, welcher ebenfalls im Wald auf einem Hügel steht, erinnert an Kaiser Friedrich III. von hier kann man die höchste Aussicht über Stadt und Gegend genießen. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft war das Gelände allerdings geschlossen.

Nur wenige Kilometer weiter steht auch schon der Eugen-Richter-Turm und die Volkssternwarte von Hagen. Der Namensgeber war ein einflussreicher Politiker zu Zeiten Bismarcks und galt als einer seiner ärgsten Gegenspieler.

Der letzte Turm auf dem Drei-Türme-Wanderweg ist der Bismarckturm. Von diesem Turm hatte ich eine schöne Aussicht auf Hagen.

In der Walddorfstr. befindet sich die Arbeitersiedlung Walddorf, welche vom Hagener Karl Osthaus beauftragt wurde, um den Textilarbeitern und gutes Zuhause zu bieten.

Die älteste Kirche in Hagen ist die Johanniskirche. Schon zu Zeiten Karl des Großen soll hier ein Gotteshaus gestanden haben. Im Laufe der Zeit und durch einige Umbauten steht nun diese Kirche an diesem Platz.

Am Sparkassen-Karree stand bis 2004 ein Sparkassengebäude, welches im Volksmund „Langer Oskar“ genannt wurde. Der „Lange Oskar“ war ein Wahrzeichen der Stadt, musste aber abgerissen und gesprengt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war dies die größte Sprengung eines Gebäudes innerhalb einer Stadt in ganz Europa und zog internationale Beachtung an sich! Heute befindet sich dort ein kleiner Park und ein moderneres Sparkassengebäude.

Im östlichsten Stadtteil Hagens, dem beschaulichen Hohenlimburg steht das Schloss Hohenlimburg. Es befindet sich weitgehend im Originalzustand und beherbergt das Deutsche Kaltwalzmuseum.

Kultur, Sport und Bildung

Hagen ist ein wichtiges Zentrum des Sports in Deutschland. Der Deutsche Basketballbund DBB hat hier seinen Sitz.

Unter anderem aus dem Sportverein TSV Hagen 1860 e.V. entstand das Gründungsmitglied der Deutschen Basketball Bundesliga Brandt Hagen. Lange Zeit lieferte sich der Verein heiße Duelle in den 90er Jahren mit dem damaligen Serienmeister Bayer Leverkusen. Seit längerer Zeit gibt es den Verein Brandt Hagen nicht mehr. Der TSV Hagen 1860 ist im Faustball einer der weltweit erfolgreichsten Vereine überhaupt mit etlichen Pokalen und Erfolgen.

In Hagen steht das vermutlich erste begehbare Planetenmodell der Welt, welches im Maßstab 1:1 Mrd. die Abstände aller 8 Planeten unseres Sonnensystems und anderer Himmelskörper zur Sonne zeigen. Die Sonne wird als vergoldete Kugel im Ratskeller in Hagen dargestellt. Alle anderen Himmelskörper sind im ganzen Stadtgebiet durch Bronzeplatten gekennzeichnet. Ich finde das sehr beeindruckend und konnte immerhin ein paar Bronzeplatten ablichten.

Das Kulturzentrum Pelmke bietet Bildungs- und Kulturangebote für alle Hagener an und war früher eine Grundschule. Prominenteste Grundschülerin war die NDW-Sängerin Nena!

Deutschlandweit bekannt ist die FernUniversität Hagen. An jedem Ortseingangsschild wird entsprechend darauf hingewiesen. Sie ist die erste und einzige staatliche FernUni Deutschlands und mit weit mehr als 70.000 Studenten die größte Uni in Deutschland. Allerdings ist sie keine Volluniversität, da bestimmte Fächer nicht angeboten werden.

In einem Villenviertel in Hagen stehen ebenfalls bedeutende Gebäude. Die Villa Cuno ist bekannt für ihre strenge Geometrie (leider nicht ganz erkennbar auf dem Foto).

Gleich um die Ecke befindet sich die Jugendstilvilla des Osthaus-Museums – Hohenhof genannt. Es ist das ehemalige Wohnhaus von Karl Ernst Osthaus, der einer der bedeutendsten Kunstsammler und -mäzene Deutschlands war. Osthaus prägte den „Hagener Impuls“, welcher eine kurze Epoche zur Erneuerung der Gesellschaft war. Wenn ich das richtig verstanden habe, ging es darum, dass in vielerlei Aspekten des Leben der Sinn für Schönheit eine tragende Rolle spielen sollte.

In der Stadtmitte steht in diesem Zusammenhang das Osthaus-Museum – ein Kunstmuseum für Moderne Kunst.

Direkt daneben befindet sich das Emil-Schuhmacher-Museum. Er war ein international bekannter hagener Maler und ihm wurde dieses Kunstmuseum gewidmet.

Die Stadthalle in Hagen liegt in einem ehemaligen Steinbruch. Kleine Felslandschaften sind in und außerhalb des Gebäudes überall zu finden. Mit seiner Glasfassade und seiner Architektur hat sie einen besonderen Anblick.

Die Volkshochschule Hagen befindet sich in der Villa Post. Der hagener Kaufmann Wilhelm Post liess sich diese Villa ganz in der Nähe seines Werkes erbauen.

Das Theater in Hagen befindet sich in einem historischen Gebäude und ist aufgrund seiner hohen Besucherzahlen über die Stadtgrenzen hinaus sehr bekannt.

Ein Luftschutzbunker aus Weltkriegszeiten dient heute als Bunkermuseum und zeigt Ausstellungsstücke aus der NS- und Kriegszeit.

Auch für das kulturelle Leben der Jugend wird in Hagen was getan! Das Kultopia bietet Konzerte und Veranstaltungen aller Art und etliche Angebote für die Jugend der Stadt.

Köstlichkeiten der Stadt

Immer wieder freue ich mich bei meinem Projekt die kulinarischen Spezialitäten einer Stadt zu probieren. Insbesondere wenn diese auch in der entsprechenden Stadt kreiert bzw. erfunden wurden. Das trifft insbesondere auf den Brandt-Zwieback zu! Die Firma Brandt hat ihren Sitz in Hagen. Die Besonderheit dabei ist, dass lediglich der Verwaltungssitz noch in Hagen ist und die Produktion mittlerweile in Thüringen statt findet. Der Umzug kam bei den Hagenern und generell in NRW nicht gut an. Das Brandt-Werk steht zwar noch, aber es ist leider sehr verwahrlost. Soweit ich das mit bekommen habe, soll an einer Sanierung und weiteren Nutzung des Geländes/Gebäudes gearbeitet werden. Im denkmalgeschützten Haus Stennert befindet sich noch das Brandt-Museum und ein Shop mit Bistro. Natürlich habe ich mich mit Brandterzeugnissen eingedeckt.

Um mich zu stärken bin ich in das Restaurant Wacholderhäuschen gegangen, da ich wußte, dass es dort Potthucke gibt – ein typisches Kartoffelgericht aus der Sauerland. Ich genoß das Wacholderpfännchen mit Potthucke und habe mir außerdem ein kleines Fläschen des Everbusch Doppelwacholder gekauft. Die Brennerei Eversbusch ist direkt am Restaurant angeschlossen und die Erzeugnisse sind eine Spezialität der Stadt.

Einen Abend war ich auch im Gasthaus Humpert am Höing. Dort bekam ich den Pfefferpotthast, den man vom Münsterland über den Ruhrpott bis zum Sauerland überall bekommt.

Aus Hagen stammen die Produkte von ME-HA-Suppen. Die Firma stellt seit vielen Jahrzenten ihre berühmten Fleisch- und Gemüsebrühen in Würfelform oder im Glas her und soll in ganz Deutschland bekannt sein. Zugegebenermaßen habe ich bis dahin noch nichts von ME-HA-Suppen gehört, aber selbstverständlich habe ich mir in einem hiesigen Markt Brühe gekauft und mich bereits von der hervorragenden Qualität überzeugen können.

Wie in vielen Städten ist auch in Hagen ein besonderes Bier eine Spezialität. In Dahl – ein kleiner pittoresker Vorort – befindet sich die Vormann-Bierbrauerei. Sie ist Teil der Route der Industriekultur in NRW.

Die Märkische Spezialitätenbrennerei befindet sich im gleich Ort und hat sich der Herstellung höchstqualitativer Spirituosen verschrieben.

Und so sieht meine Ausbeute an Mitbringseln aus…

Eines Morgens bin ich zum frühstücken in ein sehr nettes kleines Frühstückslokal gegangen – das Goldberg’s Törtchen. Dort habe ich ein richtig gutes Frühstück gehabt und konnte glücklicherweise ein tolles Interview mit einer Hagenerin durchführen!

Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Ich bin erst vor einiger Zeit hier zugezogen und empfinde die Größe der Stadt als sehr angenehm. Noch ist mir Hagen etwas unbekannt und ich möchte mich mit meiner neuen Heimat noch etwas mehr auseinandersetzen.
Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Mein Balkon. Ich mag einfach den Blick ins Grüne. Außerdem gefällt es mir sehr im Cave66! Das ist eine Bar mit portugiesischem Fingerfood.
Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Das Osthausmuseum ist sehr sehenswert und das LWL-Freilichtmuseum. Außerdem empfehle ich die Türmewanderung.
Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Die Hagener sind sehr direkte Menschen. Außerdem ist die Stadt im Wandel und komischerweise gibt es im Zentrum mit der Volme-Galerie und der Rathaus-Galerie gleich 2 Galerien die direkt nebeneinader stehen…
Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Im Generellen wünsche ich mir eine bessere Planung und Struktur von der Stadt für die Stadt. Gerne auch mehr verkaufsoffene Sonntage! Außerdem haben wir viele Leerstände und dennoch habe ich den Eindruck, dass einem Steine in den Weg gelegt werden, wenn man sich mit einem Geschäft eigenständig machen möchte.

Das LWL-Freilichtmuseum

Dieses Museum liegt ebenfalls außerhalb des Zentrums und wieder viel mir auf, wie viel Wald und Hügellandschaften es in und vor allem um Hagen gibt. Nicht umsonst ist Hagen mit 42% Waldfläche eine der bewaldetsten Städte Deutschlands. Ich habe mich schon sehr gefreut auf das LWL-Freilichtmuseum, da ich als historisch-interessierter Mensch gerne erfahre, wie Menschen früher gelebt haben. Das Freilichtmuseum fand ich total genial! Es ist ein absolut riesiges Areal und bietet so viel Anschauliches, dass man sicher mindestens einen halben bis ganzen Tag dort verbringen konnte. Ich habe mir nicht ganz so viel Zeit genommen, was im Nachhinein etwas ärgerlich war. Ich merkte erst als ich draußen war, dass ich nur die Hälfte gesehen habe… Als ich auf der Hälte der Strecke angekommen bin, war da ein großer See und ich dachte, das wäre schon das Ende. Ich habe nicht richtig auf die Beschilderung geachtet und bin dann unbekümmert wieder zum Ausgang gegangen… Wie auch immer. Jedenfalls habe ich nun einen trifftigen Grund das Freilichtmuseum wieder zu besuchen. Das Museum zeigt ausschließlich die Geschichte von Handwerk und Technik.

Mein liebes Hagen,

vielen Dank für diesen tollen Aufenthalt bei dir. Ich habe es sehr genossen entspannt durch deine waldreiche Gegend zu düsen und meine einzelnen Ziele abzufahren. Dein Waldreichtum hat mir sehr imponiert und ich frage mich, wie es denn im Herbst bei dir wohl ausehen mag, wenn die Sonnenstrahlen richtig scheinen und du und deine Einwohner einen goldenen Herbst erleben! Ganz besonders empfand ich auch die Freundlichkeit deiner Einwohner, welche ich sowohl in meiner Unterkunft als auch in den Gasthäusern erleben durfte. Das beeindruckendste war dein Freilichtmuseum, welches ich unbedingt noch mal besuchen möchte!

Ich wünsche dir alles Gute und freue mich auf ein Wiedersehen!

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