Leverkusen – Kleinstadtflair, Weltkonzert und renomierter Sport

Wenn ich schon mal in Köln bin, dachte ich mir dann kann ich mir auch die Zeit nehmen den kleineren Nachbar Leverkusen zu besichtigen. So konnte ich zum Start meines Jahresurlaubs bereits zwei Städte auf meiner Liste der 100 abhaken.

Ähnlich wie beim großen Nachbarn Köln konnte ich mit Leverkusen vor meinen Recherchen recht wenig anfangen. Wie ist die Stadt zu dem geworden, was sie ist? Kannte ich doch nur den Weltkonzern Bayer AG und den renomierten Verein, welcher in zahlreichen Sparten beachtliche Erfolge vorweisen kann.

Bei meinen Recherchen ist mir gewahr geworden, dass es Leverkusen in dieser Form noch keine 100 Jahr gibt. Wie bei vielen der 100 größten Städte Deutschlands haben sich einige Gemeinden zusammen geschlossen und die Stadt Leverkusen gegründet. Nicht unwesentlich war aber auch der Beitrag der Chemiefirmen Bayer und der darin aufgegangenen Chemiefirma Leverkus. Zu beiden Firmen berichte ich später mehr.

Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen in Leverkusen und ich bin abermals froh vor gut vier Jahren dieses Projekt gestartet zu haben, denn als Stadt ist Leverkusen bei mir kein blinder Fleck mehr. Sehr angenehm empfand ich es durch die verschiedenen Gemeinden zu fahren, welche die Stadt Leverkusen bilden und zu erkennen, welch schöne Kleinstadtidylle herrscht neben der allgegenwärtigen Präsenz eines Weltkonzerns.

Verschiedene Bauwerke

Der Stadtteil Wiesdorf liegt am nächsten zum Chemiepark, wo auch der Bayer-Konzern seinen Sitz hat. Wiesdorf ist mit ein Gründungsmitglied von Leverkusen und hat eine ziemlich zentrale Lage. Dort befindt sich auch im Grunde das Zentrum von Leverkusen mit einer großen Einkaufsstraße, den mittlerweile üblichen Einfkaufszentren und dem Rathaus.

Hinterm Rathaus/Einkaufszentrum konnte ich von einer Brücke aus den futuristischen Wasserturm fotografisch einfangen. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt und sein höchstes Bauwerk. Dort gibt es auch eine Aussichtsplattform.

Nicht allzuweit von der Brücke befindet sich vor dem Stadtpark die Doktorsburg. Sie wird auch Haus Büchel oder Oberbüchel genannt und war mal eine Wasserburg und Gutshof und ist heute ein Herrenhaus. Sie wird heute als Haus der Begegnung für Senioren genutzt.

Am Rande des Zentrums von Wiesdorf befindet sich das Bayer Erholungshaus. Es dient als Kulturhaus der Bayer AG und bietet einen Saal mit 800 Plätzen für verschiedene Arten der Aufführung. Es ist eines der ältesten Spielstätten Leverkusens.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Koloniemuseum Leverkusen und drumherum Häuser einer Arbeiterkolonie. Es dokumentiert das Alltagsleben der Arbeiter in den Werkssiedlungen.

Der Stadtteil Schlebusch und der Stadtteil Alkenrath sind ebenfalls ein Ursprungsorte der Stadt Leverkusen und haben einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Zuallerst ist dabei das Schloß Morsbroich mit Schloßpark zu nennen. Zur Geschichte des Schlosses konnte ich nur herausfinden, dass es früher ein Jagdschloss war und seit der Zeit nach den 2. Weltkrieg als Kunstmuseum genutzt wird. Es war das ersten Museum für moderne Kunst der jungen Republik.

Die denkmalgeschütze Villa Wuppermann wurde ursprünglich von Industriellen als Wohnort genutzt und ist mittlerweile im Besitz der Stadt Leverkusen. Sie wird als Bürgerhaus für verschiedene Veranstaltungen genutzt.

Der Stadtteil Opladen ist ebenfalls ein Ursprungsort von Leverkusen. In Opladen gibt es eine ansehnliche Fussgängerzone in der man alles für das tägliche Leben findet. Ich bin in einen Tchibo-Shop gegangen um mir einen Cappuchino und einen Snack zu gönnen und traf dort auf eine sehr freundliche Verkäuferin. Sie hat sich gerne dazu bereit erklärt mir meine fünf ausgeklügelten Fragen zu beantworten.

Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Smog Glocke über der Stadt wenn man von Bergisch Gladbach aus nach Leverkusen schaut. Und das Bayer-Kreuz, welches man von weitem schon erkennen kann – besonders bei Nacht, wenn es leuchtet. Es weckt Heimatgefühle!
Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Mein Heimatort Hitorf. Dort ist es sehr grün und ruhig und das Völkchen dort hat durchaus seine Eigenarten. Außerdem haben wir den größten Karnevalsumzug der Stadt.
Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Die Rheimpromenade ist schön und der Wasserturm. Und Hitorf natürlich!
Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Die Leverkusener sind zwar etwas hektisch, aber durchaus auch sehr unbekümmert. Wir liegen zwischen den Metropolen Köln und Düsseldorf und fühlen uns mit unserer Normalität und unserem Normalsein sehr wohl.
Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Ich wünsche mir, dass mehr Geld in das Schulsysem fließt. Ich bin damit nicht zufrieden.

Ich fand, dass das wieder ein sehr schönes Interview und ein tolles Gespräch war, so dass ich der Meinung war noch mal im Shop zu stöbern und meiner Freundin, welche leider nicht dabei war, ein schönes Mitbringsel zu kaufen. Sie ist Tchibo-Fan und hat sich sehr über die schönen Frühstücksschalen gefreut. 🙂

In Opladen gibt es eine Gedenktafel für eine Synagoge am Platz der Synagoge. Sie wurde während der Reichskristallnacht vollständig zerstört.

Eines der ältesten Gebäude der Stadt befindet sich auf dem NaturGut Ophoven. Es ist ein alter Gutshof bzw. eine alte Burg aus dem 13. Jahrhundert und wir mittlerweile als Umweltbildungszentrum für Kinder und Erwachsene genutzt.

Die Villa Römer ist ein historisches Gebäude in Opladen. Sie war eine Villa eines Fabrikanten und wird heute als Haus der Stadtgeschichte genutzt. Während ich diese Information schreibe, merke ich das ich das falsche Gebäude fotografiert habe; nämlich das Stadtarchiv Leverkusen. Sieht aber auch schön aus…

Ganz in der Nähe befindet sich der Friedenberger Hof. Er ist ebenfalls eines der ältesten Gebäude der Stadt und war mal ein Rittersitz.

Wirtschaft und Industrie

Die Bayer AG wurde bereits 1863 in Wuppertal gegründet und zog rund 40 Jahre später an den Rhein in die Ortschaft Wiesdorf. Dort befand sich bereits eine Chemiefabrik – die Alizarinfabrik von Carl Leverkus – welche die Grundlage für die heutige Bayer AG gewesen ist. Von dort ist das Unternehmen stetig gewachsen. Bekanntestes Produkt ist natürlich die Aspirin-Schmerztablette. Hauptprodukte aktuell sind Produkte der Pharmazie, Gesundheit, Pflanzenschutz und Tiergesundheit. Ursprünglich stellte Bayer auch chemische Produkte her. Allerdings wurde diese Sparte ausgegliedert und als Lanxess AG an die Börse gebracht. In Köln befindet sich zwar die Zentrale von Lanxess, aber im Leverkusener ChemPark steht der größte Produktionsstandort. Der ChemPark Leverkusen gehört zu den vielseitigsten Chemiestandorten weltweit mit seinen rund 200 verschiedenen Unternehmen.

Im ChemPark selber befindet sich der Carl-Duisberg-Park. Carl Duisberg hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg von Bayer. Nach ihm wurde dieser Park genannt, welcher öffentlich zugänglich ist. Ebenfalls befindet sich im Park ein Japanischer Garten, den Carl Duisberg hat anlegen lassen. Der Japanische Garten befindet sich bereits auf Kölner Stadtgebiet.

Nicht nur die Bayer AG ist eine Besonderheit in der Leverkusener Wirtschaft. Andere Unternehmen mit wichtigen Geschäftsfeldern prägen die Wirtschaft ebenfalls. So habe ich heraus gefunden, dass die Autofirma Mazda ihren Deutschlandsitz in Leverkusen hat!

Die Firma Momentive Performance Materials hat ihren Deutschlandsitz ebenfalls in Leverkusen und ist ein Spezialchemiehersteller. Das Unternehmen ist weltweit zweitgrößter Silikonhersteller und größter Quarz- und Spezialkeramikhersteller. Leider konnte ich kein richtig gutes Foto schießen.

Das Unternehmen TMD Friction kommt aus Leverkusen und ist weltweit führender Bremsbelaghersteller.

Kultur, Natur und Sport

Leverkusen ist eine Sportstadt. Dies hängt natürlich eindeutig mit der Bayer AG zusammen, welche seit jeher den Sport in dieser Stadt gefördert hat.

Besonders bekannt ist natürlich die Fußballmannschaft von Bayer 04 Leverkusen, welche seit Jahrzenten auf hohem Niveau in der Fussball-Bundesliga spielt und regelmäßig in internationalen Wettbewerben auftritt. Oft bestritten sie Finalspiele oder sind sehr weit gekommen, aber bisher reichte es lediglich für einen UEFA-Pokal und einen DFB-Pokal. Dennoch ist diese Fussballmannschaft nie zu unterschätzen. Ihre Spiele trägt die Mannschaft in der BayArena aus.

Eine sehr erfolgreiche Historie weist die Basketballsparte von Bayer 04 Leverkusen auf. Die Bayer Giants waren mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger.

Im Fechten und in der Leichtathletik holten Sportler von Bayer 04 Leverkusen etliche Medaillen bei Olympischen Spielen und Welt- und Europameisterschaften. Gleiches gilt für den international beachteten Behindertensport des Vereins.

Besonders ragen die Leistungen der Damenhandballabteilung heraus, welcher der einzige Verein in der Damenhandball-Liga ist, welcher nie abgestiegen ist. Die Handballdamen nennen sich Werkselfen und gehören mit Abstand zu den erfolgreichsten Handballerinnen Deutschlands. Gespielt und trainert wird in der Freiher-vom-Stein-Gymansium-Halle.

Leverkusen ist eine besonders musikalische Stadt. Die Leverkusener Jazztage sind überregional bekannt und ziehen viele Jazzliebhaber an. Gespielt wird unter Anderem im Notenschlüssel, im Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer e.V., im topos, im Scala Club, in der Stadthalle und im Witwe Kaiser.

Kabarett und Kunst findet regelmäßig im K1Kolonie 1 statt.

Natur kann man in Leverkusen durchaus sehr zentral erleben. Die Dhünn – ein Flüßchen, welches in die Wupper mündet, fließt an den Sportstätten und durch das Zentrum. Dort bin ich sogar über eine interessante Hängebrücke gegangen, um zu einem Ziel zu gelangen.

Die Wupper mündet bei Rheindorf – ebenfalls ein Ursprungsort von Leverkusen – in den Rhein. Auch dort kann man sehr schön spazieren.

Auf einer parkähnlichen Anlage an der Wupper in Opladen findet regelmäßig eine der ältesten und größten Bierbörsen Deutschlands statt. Meist startet die Veranstaltung im August.

Kulinarisch gibt es in Leverkusen nichts Traditionelles oder Spezielles. Selbstverständlich bekommt man aber viele rheinische Gerichte. In einer Arbeiterstadt wie Leverkusen gibt es dennoch Typisches für den Arbeiter, wie z.B. Curry-Wurst mit Pommes. Zum Ende meines Besuches in Leverkusen gönnte ich mir zur Krönung eine leckere Portion davon beim Wurstteufel. Grundsätzlich bin ich nicht so der Fan einer solchen Leckerei, aber beim Wurstteufel hat die Curry-Wurst Pommes richtig gut geschmeckt!

Nicht finden konnte ich Überreste einer alten Römersiedlung in Schlebusch. Die vorhandenen Informationen im Internet waren etwas dünn. Auch der neue Jüdische Kultusverein Davidstern war nicht so einfach zu finden. Er soll sich aber in Wiesdorf befinden.

Mein liebes Leverkusen,

ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und du bist dafür die richtige Stadt gewesen. Ich mochte deine Ruhe und Gelassenheit, das Normale was du ausstrahlst und die schönen kleinstädtischen Stadtteile, die dich ausmachen neben einem großen Weltkonzern und einem renomierten Sportverein. Ich finde, dass das eine angenehme Mischung zwischen groß und klein ist. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und freue mich irgendwann in der Zukunft wieder vor bei zu schauen und unter anderem eine Portion Curry-Wurst-Pommes zu futtern oder den freundlichen Tchibo-Laden mit meiner Partnerin zu besuchen!

Alles Gute für dich und bis bald!

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