Braunschweig – Industriegeschichte und Wissenshochburg im ehemaligen Herzogtum

Die Zeit nach dem Sommerurlaub plätscherte so dahin und ich konnte bis in den November hinein aufgrund eines engen Terminkalenders, keine weitere Stadt besuchen. Spontan habe ich entschieden nicht ins Weite zu schweifen, wo das Gute doch so nahe ist. Über Braunschweig habe ich herausgefunden, dass die Stadt doch viele Jahrhunderte lang eine der drei Lebkuchenzentren neben Aachen und Nürnberg im deutschsprachigen Raum war. In der neueren Zeit wurde allerdings lange Zeit kein Lebkuchen hergestellt. Erst in den letzten Jahren fingen drei Traditionsbäcker wieder an die Lebkuchtradition zum Leben zu erwecken.

Die Weihnachtszeit stand kurz bevor und da ich der wahrscheinlich größte Lebkuchenfan der Welt bin, habe ich mich für einen Besuch in Braunschweig entschieden. Leider konnte ich keinen Lebkuchen finden. Traditionell wurde er bisher immer nach Totensonntag angeboten. Dieser Tag stand noch bevor. Aber auch nach Totensonntag konnte ich leider auch keinen Lebkuchen mehr bekommen! Ich habe die drei Traditionsbäcker per Mail kontaktiert und mir wurde gesagt, dass das Lebkuchenbacken vor wenigen Jahren bereits wieder eingestellt wurde. Schade! Die Stadt Braunschweig hätte das mal ruhig auf ihrer Internetseite aktualisieren können!

Nun ja. Dennoch lohnte sich der zweitägige Ausflug nach Braunschweig enorm. Sie ist eine Stadt mit langer Industriegeschichte und einer bedeutenden Forschergegenwart. Außerdem kann man durchaus erkennen, dass diese Stadt zu einer der lebenswertesten und zukunftsträchtigsten Städte Deutschlands zählt.

Unter Heinrich dem Löwen aus dem Geschlecht der Welfen wurde aus Braunschweig eine mächtige Handelsstadt, welche auch der Hanse beitrat. Seit dieser Zeit ist der Löwe das Wappentier und Wahrzeichen der Stadt.

Die Traditionsinseln

Als eine aus dem Mittelalter gewachsene Stadt bestand die braunschweiger Innenstadt aus etlichen historischen Bauten verschiedener Stilrichtungen. Die Bombardements des zweiten Weltkrieges haben leider viel von der historischen Bausubstanz unwiederbringlich vernichtet. Nach dem Krieg haben sich der Denkmalschützer Kurt Seeleke und der Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer zusammen getan und das Konzept der „Traditionsinseln“ entworfen. Noch einigermaßen erhaltene historische Bauten sollen wieder in Schuß gebracht und gesichert werden. Es gibt 5 „Traditionsinseln„, welche sich um die vorhandenen Kirchen der Innenstadt befinden. Im Aegidienviertel befindet sich die „Traditionsinsel“ um die Aegidienkirche. Sie ist eine turmlose gotische Hallenkirche und die katholische Hauptkirche der Stadt. Nahe dran befindet sich das Leisewitzhaus – Wohnhaus des Dramatikers Johann Anton Leisewitz (gerade eine Baustelle). Mittlerweile ist es Sitz des Kath. Probstei-Pfarramtes. Im Aegidienviertel befindet sich ebenfalls das Wohnhaus des Musikers Louis Spohr. Er gehörte zu den größten Geigern seiner Zeit. Ebenfalls befindet sich in diesem Viertel das Lessing-Denkmal am Lessingplatz. Der bedeutende Dichter Gotthold Ephraim Lessing war ein bedeutender Dichter der Aufklärung und starb in Braunschweig. Die Bilder dazu füge ich entsprechend der genannten Reihenfolge an.

Eine weitere „Traditionsinsel“ ist der Altstadtmarkt rund um die Martinikirche. Der Altstadtmarkt ist der zentrale Platz der Braunschweiger Altstadt auf dem regelmäßig ein Bauernmarkt statt findet und um welchen sich etliche historische Sehenswürdigkeiten gruppieren. Die Martinikirche am Platz ist rund 900 Jahre alt und wurde von Heinrich dem Löwen initiiert. Der Altstadtmarktbrunnen ist rund 300 Jahre jünger und ein Wahrzeichen der Stadt Braunschweig. Brunnen dieser Art sind europaweit eine Seltenheit. Das Ensemble wird noch von weiteren Sehenswürdigkeiten komplettiert. Das Stechinellihaus wurde vom italiener Francesco Maria Capellini – auch Stechinelli genannt – erbaut. Angeblich stammte er von einer veramten italienischen Adelsfamilie ab. Andere Legenden besagen, dass der Braunschweigische Herzog ihn aus Italien aufgrund seiner Ehrlichkeit nach Braunschweig geholt habe. Das Rüninger Zollhaus ist ein sehr altes Fachwerkhaus, welches eigentlich in Rüningen bei Braunschweig stand und nach dem Krieg an das angrenzende Gewandhaus angebaut wurde. Es wäre sonst abgerissen worden. Am Altstadtmarkt macht es eine gute Figur wie ich finde! Das Gewandhaus war Lager-, Verkaufs- und Gildehaus der Gilde der Gewandschneider. Heute befinden sich die Industrie- und Handelskammer und Restaurants im Gebäude. Das Haus zu den Sieben Türmen ist ein barockes Wohnhaus. Die sieben Türme sind auf dem Dachgiebel zu erkennen und sollen das Gefängnis der sieben Türme in Konstantinopel darstellen. Das Altstadtrathaus ist eines der ältesten gut erhaltenen Rathäuser Deutschlands und wurde im gotischen Stil erbaut. Die Fotos zu den Sehenswürdigkeiten stelle ich ebenfalls in der entsprechenden Reihenfolge dar.

Die dritte „Traditionsinsel“ befindet sich am Burgplatz rund um den Braunschweiger Dom. Der Burgplatz ist das historische Zentrum der Stadt. Im Braunschweiger Dom befindet sich das Grab Heinrich des Löwen und das Imervardkreuz, welches ein historisches Kunstwerk ist und älter als der Dom selbst. Mitten auf dem Platz steht eine Nachbildung vom Braunschweiger Löwen – dem Wahrzeichen der Stadt schlechthin. Das Wahrzeichen ist in etwa so alt wie die Stadt Braunschweig selbst. Die Burg Dankwarderode war jahrhunderterlang Sitz der Braunschweiger Herzöge. Mittlerweile ist es Sitz eines Museums. Hinter der Burg befindet sich die Säule 2000 Jahre Christentum, welche erst seit 2006 dort steht und die Geschichte des Christentums darstellt. Um den Burgplatz herum stehen natürlich einige historische Gebäude und Fachwerkhäuser. Das klassizistischen Vieweghaus war ein Wohn- und Verlagshaus und wird nun vom Braunschweigischen Landesmuseum genutzt. Daneben befinden sich das Huneborstelsche Haus (über die Grenzen der Stadt hinaus für seine reichen Holzverziehrungen bekannt) und das Veltheimsche Haus (ein Adelshaus und nach dem Dom das älteste Gebäude am Platz). Fotos füge ich entsprechend der Nennung der Sehenswürdigkeiten an.

Die „Traditionsinsel“ Nr. 4 befindet sich im Magniviertel. Im Magniviertel mag man noch am ehesten erkennen, dass Braunschweig einst zur größten Fachwerkstadt Deutschlands gehörte. Mit seinen vielen gut erhaltenen Fachwerkbauten und vielen Kneipen und Restaurants eignet sich das Viertel sehr zum flanieren und feiern. Die St. Magnikirche – gut 900 Jahre alt – überragt das Viertel mit seiner Kirchturmspitze. An der Straße Ackerhof 2 steht das älteste inschriftlich datierbare Fachwerkhaus Braunschweigs.

Im Magniviertel konnte ich zum Ende meiner Tour in einem Bistro noch lecker zu Abend essen und mein Interview mit den fünf ausgeklügelten Fragen durchführen! Eine junge Kellnerin war bereit sich dem Interview zu stellen.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Das „Makeaway“. Es ist das Lokal, wo ich arbeite, meine Freizeit verbringe und viele Freunde habe.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Eigentlich auch das „Makeaway“. Ich bin erst seit einem halben Jahr in Braunschweig zum Studieren und bin noch dabei all die schönen Ecken dieser Stadt zu erkunden.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Die Altstadt ist wirklich sehr schön mit seinen Traditionsinseln und der Inselwallpark; eine malerische Enklave in dieser Stadt.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Braunschweig ist eine Studentenstadt. Viele junge Menschen studieren hier an der TU.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Das friedliche Miteinander und Feeling dieser Stadt soll so bleiben wie es ist. Ich fühle mich hier sehr sicher.

Die fünfte und letzte „Traditionsinsel“ befindet sich im Michaelisviertel um die Michaeliskirche herum. Die Michaeliskirche ist die kleineste der innerstädtischen Pfarrkirchen. Das Viertel hat den Krieg nahezu unbeschadet überstanden, so dass viele alte Fachwerkhäuser noch im Originalzustand stehen wie zum Beispiel ein altes Prediger- und Witwenhaus, das Hotel zur Hanse (Stammhaus des Hofbrauhauses Wolters) und der Michaelishof. Da sich das Michalisviertel am Rande der Altstadt befindet, konnte ich auch ein Stück der alten Stadtmauer fotografieren. Ganz in der Nähe befindet sich noch die Alte Knochenhauerstr. mit historischen Gebäuden.

Weitere historische Sehenswürdigkeiten

Neben den „Traditionsinseln“ gibt es natürlich viele weitere Sehenswürdigkeiten in dieser geschichtsträchtigen Stadt. Allen Voran ist das Braunschweiger Schloss zu nennen, welches in der ursprünglichen Form nicht mehr existiert. 1717 wurde mit dem Schloßbau – eine Residenz für die Herzöge von Braunschweig – begonnen und nach starker Zerstörung im 2. Weltkrieg dem Bau ein entgültiges Ende gesetzt. In der jetztigen Form ist das Schloss eine Rekunstruktion, welches überwiegend von der Stadt Braunschweig kulturell genutzt wird. An die Konstruktion schließt sich ein weiterer Bau an – die Schloßarkaden. Die Schloßarkaden sind ein riesiges Einkaufszentrum wie es sie mittlerweile in jeder größeren und kleineren Stadt gibt. Ich war dennoch sehr beeindruckt von der Größe der Mall. Die Schloßarkaden sind wesentlich größer als alle anderen Malls, welche ich bisher betreten habe! Auch die Quadriga mit Bruonia auf dem Eingangsportal ist ein rekonstruiertes Modell, obwohl das Original den Bombenhagel des Krieges fast unversehrt überstanden hat.

Herzögliches gibt es auch auf dem Löwenwall zu besichtigen, welcher in der relativen Nähe ist. Ein Obelisk erinnert an die gefallen Herzöge Braunschweigs während der Napoleonischen Kriege.

Der Kohlmarkt in Braunschweig wird als eine der Keimzellen der Stadt betrachtet. Im Mittelalter wurde hier Kohle verkauft. Auch heute noch ist er ein schöner Platz mit einigen historischen Gebäuden und man fragt sich, warum der Kohlmarkt mit seinem Gebäudeensemble nicht ebenfalls eine „Traditionsinsel“ geworden ist.

Gleich um die Ecke befindet sich das Haus Anker. Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil erbaut, bestach es durch seine damalige Modernität und einer dreistöckigen Glasfassade.

Einige Meter weiter befindet sich die Jakob-Kemenate. Sie ist eine der ältesten Profangebäude der Stadt und diente unter anderem als Schutzgebäude, Wohn-, Speicher- und Ausstellungsort. Kemenaten sind typische Gebäude für genannte Zwecke in Braunschweig. Heute wird die Jakob-Kemenate kulturell genutzt.

In der westlichen Innenstadt fand ich das Renaissanceportal. Es stand vorher am Altstadtmarkt und gehörte zu einen Haus, welches abgerissen wurde.

In der nördlichen Innenstadt befinden sich noch drei Sehenswürdigkeiten, welche meiner Meinung nach ebenfalls das Zeug zu einer „Traditionsinsel“ zu gehören. Die St. Andreaskirche ist die höchste Kirche der Stadt und hat sozusagen eineinhalb Türme; der zweite Turm blieb unvollendet. Nebenan befindet sich die Liberei. Sie soll der älteste freistehende Bibliotheksbau nördlich der Alpen sein. In direkter Nachbarschaft steht die Alte Waage. Das ursprüngliche Gebäude wäre rund 500 Jahre alt geworden, wäre es nicht von einer Fliegerbombe getroffen worden. Seit 1994 steht an gleicher Stelle eine Rekonstuktion. Früher war die Alte Waage ein Speicher- und Waagehaus und heute wird sie von der VHS genutzt. Fotos folgen in der entsprechenden Reihenfolge.

Zwischen Schloß und Burgplatz befindet sich noch das Braunschweiger Rathaus. Im neugotischen Stil erbaut ist es ca. 130 Jahre alt. Ein weniger schöner Anbau steht direkt dahinter (im Bild auf der rechten Seite zu sehen) und macht es zu einem außergewöhnlichen Gebäude mit – ich sage mal – Stilmischmasch.

In der Straße Kleine Burg 2-4 stehen sogenannte Stiftsherrenhäuser. Sie dienten als Wohnhäuser der Stiftsherren, welche für Hof und Klerus arbeiteten.

Eine herzögliche Sehenswürdigkeit habe ich noch. Im Süden der Stadt befindet sich das Schloß Richmond, welches für die Prinzessin und spätere Herzogin Augusta erbaut wurde. Sie stammte aus England, so dass das Schloss diesen Namen zur Erinnerung an den Londonder Richmondpark erhielt. Der gleichnahmige Richmond-Park am Schloß ist bekannt für seine Rhododendronblüte.

Industriegeschichte

Getränkedosen, Kameras, LKWs und Busse wurden durch Braunschweiger Arbeitskraft erschaffen und bahnten sich ihren Weg in die ganze Welt. Viele der Traditionsunternehmen gibt es heutzutage nicht mehr bzw. bei weitem nicht mehr in der Form, wie sie gestartet sind. Aber die Welt sähe heute anders aus, wenn diese Unternehmen nicht ihren Teil zur Industriegeschichte beigetragen hätten.

Die Büssing AG war einer der größten und bekanntesten Omnibushersteller Deutschlands und auch ein nahmhafter Nutzfahrzeughersteller. Nach ca. 70 Jahren eigenständiger Firmengeschichte wurde das Unternehmen von MAN übernommen und ging darin auf. Das Werksgebäude steht noch und wird mittlerweile anderweitig genutzt. Das Emblem der Büssing AG ist der Braunschweiger Löwe. Die erste Omnibuslinie der Welt führ übrigens von Braunschweig nach Wendenburg!

Die in Braunschweig gegründete Firma J.A. Schmalbach war ein bedeutender Hersteller in der Verpackungsindustrie und hat im Laufe seiner langen Geschichte im Prinzip das Dosenbier in Deutschland eingeführt! Im Laufe der Jahrzente war die Firma führender Hersteller für Dosen und Konservendosen jeglicher Art und jeglichen Inhalts weltweit und fusionierte und verflechtete sich mit etlichen Wettbewerbern. In der ursprünglichen Form existiert Schmalbach nicht mehr. Das Firmengebäude steht noch und wird von der Ardagh Group genutzt, welche im gleichen Geschäftsfeld tätig ist.

Die Firma Voigtländer war ein Traditionsunternehmen in der Fotoindustrie und leistete bedeutende Erfolge bei der technischen Weiterentwicklung von Fotoapparaten und Objektiven. Heutzutage ist der Name der Firma lediglich eine Handelsmarke. Das alte Werksgebäude existiert noch.

Ein weiteres bedeutendes Unternehmen der Fotoindustrie ist die Firma Rollei. Sie wurde ebenfalls in Braunschweig gegründet und zwar von zwei Mitarbeitern von Voigtländer. Rollei war Erfinder des Rollfilms und hatte großen Erfolg mit der Kamera Rolleiflex. Das Unternehmen exisitert noch und ist weiterhin in der Fotoindustrie tätig.

Wissensstadt mit Weltruf

Im Bereich der Wissenschaft besitzt Braunschweig einen exzellenten Ruf in ganz Europa, wenn nicht sogar in der ganzen Welt. Bekannt ist die Stadt auch als „Oker-Valley“ (in Anlehnung an das Silicon Valley in Kalifornien, USA; die Oker fließt duch Braunschweig). Hier wurde lange Zeit der legendäre Commodore C 64 produziert und ich bin ganz stolz darauf zu sagen, dass auch ich einen C 64 besessen habe! Yeah!! Diesen und vieles mehr von Commodore können im Commodore-Computer-Museum besichtigt werden.

Die Technische Universität Braunschweig trägt maßgeblich dazu bei, dass in Braunschweig eine der höchsten Wissenschaftlerdichte weltweit herrscht und dass es eine der höchsten Forschungs- und Entwicklungsintensität gibt. Anbei eine Auswahl an Fakten zur TU: Die Universitätsbibliothek Braunschweig ist die älteste einer TU in Deutschland. Das Institut für Nachrichtentechnik ist mit führend in der Weiterentwicklung der digitalen Fernsehtechnik. Das Projekt Stadtpilot der TU befasst sich mit der Erforschung des autonomen Fahrens in urbanen Gebieten. Die TU Braunschweig verlieh 1932 zum ersten mal einer Frau einen Ehrendoktortitel. Dr. Ing. h. c. Agnes Pockels entdeckte Bedeutende Erkenntnisse in der Ober- und Grenzflächenspannung. Der Botanische Garten der TU gehört mit seinen 4000 Pflanzenarten zu einer der artenreichsten Gärten überhaupt.

Weltweit eine Institutions in der Metrologie – salopp gesagt: das richtige Messen – ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. In ihr steht eine Atomuhr, welche uns ganz genau sagt, wie spät es ist.

Die Aerodata AG ist weltweit größter Anbieter von Flugvermessungssystemen und befindet sich am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Der Flughafen BS-WOB ist ein Forschungsflughafen. Dort fand 1990 die erste satellitengestützte Landungs eines Verkehrsflughafens statt.

Dort befindet sich auch das Niedersächsische Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig. Hier werden Kräfte aus vielen wissenschaftlichen Disziplinen gebündelt um ganzheitlich auf die Entwicklung einer nachhaltigen Mobilität zu blicken.

Einzigartig ist die Zusammenarbeit des braunschweiger Standortes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Luftfahrt Bundesamts. Hier wurden unter anderem wichtige Beiträge geleistet, damit die erstmalige Landung des Landers Philae und der Sonde Rosetta auf einen Kometen glückt. Bei der Gelegenheit sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ebenfalls ihren Sitz am Flughafen hat. Sie untersucht Flugunfälle, welche auf bzw. in deutschen Hoheitsgebiet statt finden.

Die Hochschule für Bildende Künste gehört zu den 5 größten Hochschulen dieser Art in Europa und ist die einzige in Niedersachsen.

Die Deutsche Müllerschule in Braunschweig ist weltweit die einzige ihrer Art, welche sich mit Mühlenbau und Müllereiverfahrenstechniken befaßt und Abschlüsse verleiht.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH gehört zu den größten und renomiertesten außeruniversitären Forschungszentren Deutschlands. Gerade in der aktuellen Zeit mit dem Covid-19-Virus steht es der Politik mit Rat und Tat zur Seite.

Bei all den gegenwärtigen Spitzen der Forschung möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass einer der größten Mathematiker seiner Zeit und überhaupt in Braunschweig geboren wurde. Am Gaußberg wurde dem Mathegenie Carl Friedrich Gauß ein Denkmal gesetzt.

Für den Dialog zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen wurde in Braunschweig ein Forum im Haus der Wissenschaft erschaffen.

Kulinarisches aus Braunschweig

Deftig, bodenständig und geradlinig geht es in der Braunschweiger Küche vor. Ganz überrascht war ich darüber wie viele Spezialitäten es in Braunschweig gibt! Ganz besonders gespannt war ich auf den Braunschweiger Lebkuchen und ganz enttäuscht ihn nicht bekommen zu haben, wie ich am Anfang des Artikels berichtete.

Nichts desto trotz konnte ich dennoch was Süßes aus Braunschweig ergattern. Uhlen un Apen heißt übersetzt Eulen und Affen und ist ein süßes Gebäck, welches auf den Schabernack treibenden Till Eulenspiegel – eine historische Braunschweiger Berühmtheit – zurück geht. Schabernack trieb er mit einem Bäcker als er sich als Bäckergeselle ausgab und nach einen kleinen Disput mit dem Bäcker aus dem Teig Uhlen un Apen backte. Fand der Bäcker nicht so doll… Uhlen un Apen bekommt man bei der Bäckerei Sanders im Konrad-Koch-Quartier.

Die Tradition des Brauens ist wie in vielen deutschen Städten auch in Braunschweig sehr groß. Bereits seit dem Mittelalter ist Braunschweig für die Braunschweiger Mumme bekannt. Das Malzgetränk war früher ein Exportschlager der Stadt und wurde wegen ihrer guten Haltbarkeit in alle Welt exportiert. Die Mumme von damals ist sicher nicht die Mumme von heute, aber der Geschmack von Malz ist und war schon immer maßgeblich. Markenzeichen der Mumme ist ein Segelschiff. Es weißt auf die Bedeutung des Exportes dieses Bieres hin. Heute wird die Mumme von der H.Nettelbeck KG betrieben. Im Angebot ist nicht nur Bier, sondern auch alkoholfreie Produkte, wie zum Beispiel Malz-Bonbon oder -extrakt. Ein Foto der Produkte folgt am Ende, wenn ich meine Mitbringsel präsentiere.

Eine ehemals große Brauerei war die National Jürgens Brauerei. Sie hat sich im Laufe der Zeit mit Feldschlösschen Brauerei aus Braunschweig zusammen getan. Im Rahmen der allgemeinen Konsolidierung des Biermarktes in Deutschland gehörte Feldschlösschen irgendwann zur Oettinger Brauerei, welche in Braunschweig die größte Braustätte Niedersachsens betreibt. Die National Jürgens Brauerei ist mittlerweile ein Craft-Beer-Produzent; den Standort konnte ich leider nicht ermitteln.

Der Liquidation im Rahmen solcher Konsolidierungsphasen konnte die Hofbrauhaus Wolters GmbH gerade noch so entgehen. Stark verankert in der Region, konnte es durch verschiedene Aktionen in Gesellschaft und Bevölkerung gerettet werden und existiert weiter als Privatbrauerei mit starkem regionalem Bezug.

Berühmt, bekannt und sehr sehr lecker ist der Braunkohl in und um Braunschweig. Es ist ein – nennen wir es mal – enger Verwandter des Grünkohls und ich war zu genau der richtigen Zeit da um frischen Braunkohl zu essen. Man bekommt ihn in einigen gutbürgerlichen Restaurants mit Bregenwurst und Kassler. Kann ich nur empfehlen! Ich bin der Empfehlung der Touristinfo gefolgt und begab mich ins Gasthaus Mutter Habenicht. Es war gleichzeitig mein Abschluss für den ersten Tag meines Besuches in Braunschweig.

Bei meiner Suche nach den Braunschweiger Lebkuchen, bin ich auch an der Bäckerei Tutschek vorbei gekommen. Lebkuchen habe ich bekanntlich nicht gefunden (ich merke gerade, wie sehr ich auf diesem Lebkuchenthema rumreite… :D), aber dafür ein Brot, welches mit der Braunschweiger Mumme verfeinert wurde – der Mumme-Laib. Auf den folgenden Fotos findet der begeisterte Leser den Mumme-Laib und andere Braunschweiger Mitbringsel.

Auf den Fotos befinden sich noch allerlei andere Mitbringsel. Das rote Döschen mit dem Braunschweiger Löwen beinhaltet handgemachte superleckere Spekulatiuskekse des Braunschweiger Bäckermeisters Karsten Fucke.

Außerdem befinden sich auf den Fotos jede Menge Wursterzeugnisse! Die Braunschweiger Wurst ist weltweit bekannt, aber überall versteht jeder was anderes darunter. Es gibt kein einheitliches Rezept oder ein Patent, so dass sie für manch einen einen Brühwurst ist, für den anderen eine geräucherte, streichfähige Mettwurst oder auch als Knackwurst. So oder so habe ich mich bei der Fleischerei Neubauer mit allerlei Wursterzeugnissen eingedeckt.

Als passionierte Cappucchino-Trinker besorgte ich mir auch ein Päckchen Espressobohnen der Kaffee Manufaktur Heimbs. Sie hat eine lange Tradition und gehört zu den größten Röstern Deutschlands.

Versäumt habe ich mir ein Päckchen Zucker zu kaufen vom zweitgrößten Zuckerhersteller Deutschlands – Nordzucker.

Sportstadt Braunschweig

Es weiß vielleicht nicht jeder, aber Braunschweig ist die Geburtsstadt des Deutschen liebstes Kind – des Fußballs. Prof. Dr. Phil Konrad Koch war ein Lehrer am Martino-Katharineum und begründete die Schulspiele in Deutschland. Außerdem führe er 1874 das Fußballspielen ein! Am Rebenring fand das erste Fußballspiel auf deutschem Boden statt. Noch heute steht dort eine Gedenktafel.

Bei der Gelegenheit muss man wohl auch erwähnen, dass auch heute noch in Braunschweig Fussball gespielt wird. Bekanntlich bin ich Hannover 96-Anhänger. Da muss ich erwähnen, dass unser größter Rivale im Fußballsport die Eintracht aus Braunschweig ist. Der Verein ist im Fußball einmaliger Meister. Im letzten Aufeinandertreffen zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 ging es für meine Roten positiv aus, so dass wir in der ewigen Bilanz zwischen diesen beinen Vereinen hauchdünn vorne liegen. Ansonsten ist die Bilanz recht ausgeglichen. Ich schaute mir das Spiel zuerst live im Stadion an und anschließend in der Wiederholung im Fernsehen. Der Kommentator sagte: “ Das ist nicht die Mutter aller Derbys, sondern die Großmutter aller Derbys!“ Sicherlich wollte er damit nicht sagen, dass es das älteste Derby in der Fußballgeschichte ist.

Deutscher Rekordmeister im American Football sind die Braunschweiger New Yorker Lions. Ebenfalls gewannen sie mehrmals den Eurobowl.

Der Braunschweiger Tanz-Sport-Club ist National und international einer der erfolgreichsten Tanzsportvereine im Standard-Formationstanzen.

Landes- und Bundesweit erfolgreich ist auch der Karateverein Shotokan Braunschweig. Ein richtiges Vereinsgelände konnte ich nicht finden, aber eine mögliche Trainingsstätte.

Der Dachverband der deutschen Luftsportverbände Deutscher Aero Club e.V. hat seinen Sitz am Braunschweiger Flughafen.

Der Radsportverein Braunschweig 1923 richtet das älteste Deutsche Straßenradrennen aus. Die Geschäftsstelle befindet sich anscheinend in einer privaten Wohnung, so dass ich kein Foto gemacht habe.

Firmen- und Unternehmenswelt

Neben den vielen Traditionsunternehmen sorgen auch andere Unternehmen moderner Art für einen attraktiven Branchenmix. Braunschweig gehört in der ganzen Bundesrepublik zu den attraktivesten Wirtschaftsstandorten mit hervorragenden Job- und Zukunftsaussichten!

Die Siemens Mobility GmbH ist der weltweit größte Standort für die Entwicklung von Produkten zur Bahnautomatisierung. Übrigens wurde in Braunschweig die erste Staatliche Eisenbahngesellschaft auf deutschem Boden gegründet – das war 1832.

Die Braunschweigische Landesbank hat die Besonderheit, dass sie eine Anstalt in der Anstalt ist. Sie gehört zwar der NordLB, aber agiert in ihrem geografischen Bereich eigenständig. Außerdem befindet sich ein zentraler Teil der Bank in einem ehemaligen Bahngebäude.

Die Richard Borek Unternehmensgruppe ist eines der ältesten Versandhäuser Deutschlands und insbesondere weltbedeutend für den Versand von wertvollen Briefmarken, Münzen und historischen Wertpapieren.

Die Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG ist ein Spezialist für den Maschinenbau in der industriellen Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe und führend insbesondere in der Zuckerindustrie.

Fujitsu Braunschweig nehme ich als Beispiel dafür, dass Braunschweig eine IT-Hochburg in Deutschland ist und eine dreimal so hohe Dichte an IT-Fachleuten besitzt als der Bundesdurchschnitt.

Braunschweig ist Sitz von Volkswagen Financial Services AG. Die Bank gehört zu den größten und innovativsten Diektbanken Deutschlands.

Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszeige der Stadt. So betreibt Volkswagen ein Werk in der Stadt, welches sein erstes Werk überhaupt gewesen ist!

Über die historische Konservenindustrie habe ich bereits im Bereich Industriegeschichte berichtet. Die LUBECA-Verschließmaschinen GmbH führt die Tradition auf ihre Weise fort und stellt entsprechende Maschinen her.

Auch in der Musikindustrie gibt es bedeutende Unternehmen mit Sitz in Braunschweig. Sandberg Guitars ist ein bekannter Hersteller von E-Bässen und E-Gitarren.

Rautmann Geigenbau mit Sitz und Gründung in Braunschweig ist der älteste Geigenbauer Deutschlands.

Die Grotian-Steinweg GmbH ist ein nahmhafter Hersteller von Klavieren und Flügeln.

Ebenfalls seinen Sitz in Braunschweig hat die Wilhelm Schimmel Piaonforte GmbH. Sie ist deutschlands größter Hersteller von Klavieren und Flügeln.

Auch in der Bekleidungsindustrie gibt es bedeutende Unternehmen in Braunschweig. Die Marke Signum gehört der Dittmar GmbH und Co KG.

Zu guter Letzt sollte man naürlich erwähnen, dass die Firma New Yorker ihren Sitz in Braunschweig hat. Sie ist einer der größten Textilhändler Deutschlands.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Attraktionen Braunschweigs

Eine der bedeutendsten Klosterbauten der Stadt ist das Kloster Riddagshausen. Das ehemalige Zisterzinserkloster strahlt eine gewisse Ruhe und Entspanntheit aus am östlichen Rand von Braunschweig und Abseits des Großstadttroubles.

Architektonisch ganz aus dem Rahmen fällt das Happy Rizzi House. Das Gebäude ist voller Pop-Art und besticht durch viele fröhliche Gesichter und Herzen und Sterne und alles was dazu gehört :-)!

Till Eulenspiegel habe ich bereits im Bereich kulinarische Spezialitäten erwähnt. Seine Uhlen un Apen sind auch in Form eines Brunnens verewigt.

Ein ganz anderer Brunnen stellt Heinrich den Löwen dar – der Heinrichsbrunnen.

In Braunschweig am Burgplatz befindet sich das kleinste Antiquariat Deutschlands – 8 Quadratmeter.

Die Komödie am Altstadtmarkt ist das größte Boulevard- und Unterhaltungstheater Niedersachsens und kommt ohne Subventionen aus.

Braunschweig ist eine Karnevalshochburg im Norden. Ist der Norden normalerweise nicht so karnevalistisch eingestellt, lassen es die Braunschweiger richtig krachen. Karneval ist eine Tradition seit dem Mittelalter in der Stadt und ist mittlerweile das viertgrößte Karnevalsfest in Deutschland. Die Geschäftsstellen der meisten Karnevalsvereinigungen befinden sich in privaten Wohnungen. Ein Foto konnte ich immerhin von der Karneval-Vereinigung der Rheinländer e.V. Braunschweig machen. Zusätzlich gibt es den Landesverband karnevalistischer Tanzsport e. V., den Landesverband karnevalistischer Tanzsport e. V. und das Komitee Braunschweiger Karneval gGmbH.

Das Patrizierhaus Achtermannsches Haus besticht durch eines der schönsten Portale eines historischen Gebäudes in Braunschweig.

Über die Kemenaten in Braunschweig berichtete ich bereits in einem anderen Teil dieses Artikels. Eine von drei noch erhaltenen Kemenaten ist die Kemanate Hagebrücke. Auch sie wird mittlerweile für kulturelle Zwecke genutzt.

Die Villa Salves Hospes gehörte ursprünglich einem vermögenden Kaufmann und ist heute Sitz des Kunstvereins Braunschweig e.V. – einem der renommiertesten Kunstvereine Deutschlands.

Im Staatstheater Braunschweig fand die Uraufführung von Emilia Galotti stand. Hinter dem Theater steht die Theaterbrücke, welche eine imposante Beleuchtung des Nachts haben soll.

Das älteste noch existierende Luftfahrtzeug der Welt ist ein Heißluftballon, welcher vor gut 300 Jahren mehrmals in Braunschweig in die Luft gegangen ist. Er ist im Städtischen Museum der Stadt ausgestellt.

Das Staatliche Naturhistorische Museum in Braunschweig ist das älteste seiner Art in Deutschland.

Die Villa Löbbecke befindet sich am Inselwallpark und gehörte seinerzeit einem Bankier. Eine schöne Sehenswürdigkeit in einer schönen Umgebung.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Lokpark. Dort stehen viele historische Züge, wie zum Beispiel der Weltmeisterzug von 1954 (Das Wunder von Bern).

Der Wasserturm auf dem Giesberg – eine der höchsten natürlichen Erhebungen Braunschweigs – hatte eine sehr große Bedeutung für die Wasserversorgung der Stadt. Außerdem besagt eine Sage, dass der Teufel Heinrich den Löwen dort nach einem Abenteuer abgesetzt hat.

Eine der berühmt-berüchtigsten Diskotheken meiner jungen Jahre war das Jolly Joker. Etliche coole Partys und Konzerte fanden dort statt und einige davon habe ich miterlebt. Das Jolly Joker sah schon immer auch etwas abgerockt aus, aber es hatte definitiv einen gewissen Charme. Heute heißt es Jolly Time und ist immer noch ein Veranstaltungsort. Ich war nicht mehr drin nach der Umbennung.

Das Herzog-Anton-Ulrich-Museum gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands und zu einem der wichtigsten Museen für alte Kunst.

Weltweit sorgt das Wunder von Braunschweig für viel Aufmerksamkeit. Hierbei geht es um ein Spendenwunder, welches 2011 begann. Ein oder mehrere anonyme Spender überweisen Geld an soziale und karitative Einrichtung und auch an in Not geratene Personen.

Hey mein liebes Braunschweig,

schon bei meinem Besuch bei dir bemerkte ich die Vielfalt in vielerlei Hinsicht, welche du zu bieten hast. Ob das nun deine Industriegeschichte, deine Rolle als Wissensstandort, die vielen unterschiedlichen kulinarischen Spezialitäten oder deine lange Geschichte ist. Du hast viel zu bieten! Ganz besonders ist mir das aufgefallen, als ich diesen Artikel geschrieben habe. Du glänzt mit vielen Superlativen! Für eine Stadt deiner Größe finde ich das sehr bemerkenswert! Gut, dass du recht nah an meiner Heimat bist, so dass wir uns mit Sicherheit bald wieder sehen. Du könntest natürlich ein wenig nachhelfen, wenn du wieder Lebkuchen anbieten würdest… 😉

Liebe Grüße und alles Gute für Dich!

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