Gütersloh – Musikstadt mit zwei Weltunternehmen

Als letzte Stadt in 2019 besuchte ich Gütersloh. Diesmal wieder zusammen mit meiner Freundin! Ich hatte ihr zum Geburtstag Karten für eine Comedyveranstaltung in Gerry-Weber-Stadion in Halle (Westf.) geschenkt und wir nutzten die Gelegenheit ein Wochenende im nahen Gütersloh zu verbringen. So konnte ich die Stadt auf meiner Liste ebenfalls abhaken.

Die Stadt hat zwar keine spektakuläre Vergangenheit, aber sie brachte zwei Weltunternehmen hervor, welche in ihrem Bereich eine Kapazität sind. Bertelsmann und Miele.

Wir hatten richtig gutes, sonniges und trockenes Wetter. Und im Zusammenspiel mit einer sehr entspannten und ausgesprochen friedlichen gütersloher Atmosphere, haben wir zwei schöne Tage hier gehabt. Meiner Freundin ist das ganz besonders aufgefallen. Geht es auf meinen Städtetouren manchmal etwas hektisch zu, haben wir uns von Punkt zu Punkt recht entspannt bewegt. Außerdem fiel uns auf, wie fahrradfreundlich diese Stadt ist. Fahrradwege sind überall sehr deutlich gekennzeichnet und wir hatten das Gefühl, dass Fahrradfahrer und Fußgänger im Verkehr mehr Vorrang haben als Kraftfahrzeuge.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Im Krieg noch einigermaßen glimpflich davon gekommen, konnten wir in Gütersloh noch viel Altbau entdecken und bildlich einfangen. Insgesamt waren die Wege natürlich kurz, was uns einen schönen Spaziergang durch die Stadt bescherte.

Besonders schön und gut erhalten ist der historische Stadtkern Gütersloh am Alten Kirchplatz mit seinem Fachwerkring. Dort befinden sich viele sogenannte Spieker-Fachwerkhäuser. Das Veerhoffhaus zum Beispiel gehörte seinerzeit einem Musikalienhändler nach dessen Namen es benannt wurde. Heute ist es Sitz des Kunstvereins (letztes Bild).

In der Nähe stehen noch zwei weitere historische Bauwerke, deren Fotos ich entsprechend der Nennung anfüge. Die katholische Alte Vikarie steht nach meinen letzten Informationen aktuell leer. Viele Jahrzehnte wurde sich dort um die geistige Gesundheit psychisch kranker Menschen gekümmert.

Einen Katzensprung weiter steht die Villa Bartels, welche dem Textilunternehmer Bartels seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte. Seit einigen Jahrzenten gehört das Gebäude der Stadt Gütersloh. Die Fassade wirkt untypisch für Gütersloh, was daran liegt, dass die Familie Bartels aus dem Bergischen Land stammt.

Ein weiteres sehr hübsches Fachwerkhaus ist das Weberhaus. Es ist ein gut erhaltenes Beispiel damaliger Ackerbürgerhäuser, welche von Menschen bewohnt wurden, welche ihre Brötchen in der Landwirtschaft verdienten.

In der Königstr. steht noch eines der letzten Dielenhäuser Gütersloh. Dielenhäuser zeichnen sich durch hohe meist zweigeschossige Dielen aus, welche einen beträchtlichen Raum im Haus einnehmen. Heute befindet sich in dem Haus eine Bäckerei.

Der Berliner Platz wird im Volksmund HertieVorplatz genannt. Die Gütersloher waren sehr angetan, als dort das erste große Kaufhaus von Hertie eröffnete – ein Meilenstein in der wachsenden Stadt. Dort steht auch das ehemalige Gebäude des Alten Amtsgerichts – ein Neorenaissancebau.

Ganz in der Nähe steht die Martin-Luther-Kirche. Sie ist zwar kaum 120 Jahre alt aber bekannt für ihr Nachtsanggeläut. Sie ist die einzige Kirche Deutschlands, in welcher das Nachtsanggeläut noch statt findet. Dabei werden Rhythmik und Melodien durch anziehen, schlagen und loslassen mit Händen und Füßen geläutet.

Ebenfalls nicht ganz so alt, aber mit einer speziellen, eigenwilligen Schönheit, befindet sich im Zentrum das Gütersloher Rathaus. Seine Fassaden bestehen aus Tengener Muschelkalk.

Relativ stadtnah ist der Wasserturm der Stadt mittlerweile ein Industriedenkmal unter Denkmalschutz.

Am äußeren Rand der Innenstadt befindet sich mit der Meiers Mühle einer der ältesten Mühlenstandorte der Stadt. Es wird vermutet, dass der Mühlenstandort und die Gegend drumherum die Keimzelle der Stadt ist.

Im Stadtteil Spexard befindet sich das Spexarder Bauernhaus. Es gilt mit fast 500 Jahren als das älteste Gebäude der Stadt Gütersloh und konnte Dank einer Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt werden. Das Bauernhaus ist eines der letzten Zeugnisse eines bäuerlichen Ursprungs der Stadt und der Gegend.

Kulinarische Spezialitäten

In Gütersloh gibt es an sich keine originäre Gütersloher Spezialität. Allerdings befanden wir uns in Ostwestfalen und aus früheren Besuchen wie zum Beispiel in Bielefeld oder Paderborn, wußte ich um die Ostwestfälischen Spezialitäten, welche meist deftig und reichhaltig sind.

Gleich morgens nach der Ankunft frühstückten wir im Café Fritzenkötter. Dort habe ich zum einen den Lippischen Pickert gegessen. Dies ist ein Kartoffelgericht und sieht aus wie ein richtig dicker Kartoffelpuffer mit Marmelade oder Goldsaft obendrauf – bis heute und seit Bielefeld eine meiner liebsten Entdeckungen in meinem Projekt! Das Café ist auch eine Confisserie und stellt die Gütersloher Glocken her. Diese sind Schokoladenpralinen in Anlehnung an das Gütersloher Nachtsanggeläut. Natürlich gab es auch andere Süßigkeiten und viele leckere Broterzeugnisse.

Besonders Westfälisch ist der Pumpernickel, welcher in Gütersloh von dem Unternehmen Mestemacher hergestellt wird. Den Pumpernickel dieses Herstellers bekommt man überall in vielen Variationen. Eine Portion westfälischen Schinken habe ich mir in einer Fleischerei besorgt, wie man auf dem Bild mit meinem Mitbringseln erkennen kann.

Im Gütersloher Brauhaus haben wir zu Abend gegessen und ich gönnte mir das selbstgebraute und auch sehr leckere Bier und ein deftiges Pfännchen.

Kurz bevor wir am Sonntag nach Hause gefahren sind gönnte ich mir noch einen Cappuchino in einem Café am Dreiecksplatz und hatte auch noch die Gelegenheit mit den Damen am Tresen die Antworten zu meinen 5 ausgeklügelten Fragen auszuarbeiten!

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Man kennt sich. Gütersloh ist eigentlich wie ein Dorf.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Das Wapelbad ist mir/uns am Liebsten. Dort ist es schön ruhig und man trifft viele coole Leute!
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Der Stadtpark ist ein besonders schönes Idyll zum Spazieren und Entspannen. Und das Alte Dorf bzw. der Alte Stadtkern ist ebenfalls sehr schön und besonders gut erhalten.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Der Gütersloher hält sich gerne in seinem eigenen Reich auf. Aber sobald irgendwas in der Stadt los ist, trifft man sie alle!
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Die Stadt ist westfälisch konservativ und könnte durchaus mehr Offenheit zeigen. Da Gütersloh keine wirkliche Universität besitzt, wäre es toll, wenn wir mehr Zulauf von jungen Menschen hätten.

Das Rückgrat der Wirtschaft

Die Miele & Cie. KG gehört zu den traditionsreichsten und besten Haushalts- und Gewerbegerätehersteller überhaupt und betreibt über Europa verteilt mehrere Werke. Miele war in Europa das erste Unternehmen, welches einen elektrischen Geschirrspüler herstellte. In Gütersloh befindet sich natürlich auch das Miele-Museum, wo auch ein Exemplar eines Automobils steht, welches in der kurzen Phase von 1912-1914 hergestellt wurde, als Miele auch Automobile herstellte.

Das andere Weltunternehmen in Gütersloh ist die Bertelsmann SE & Co. KGaA. Das Unternehmen gehört zu den größten Medienkonzernen der Welt und ist beispielsweise an bekannte Unternehmen wie RTL Group, Arvato und BMG beteiligt. Das Unternehmen ist zwar kapitalmarktorientiert, wird aber weiterhin von der Gründerfamilie Mohn kontrolliert. Bertelsmann ist in vielen Bereichen der Medienlandschaft tätig.

Ein weiteres eher unbekanntes Unternehmen ist die Friedrich Amtenbrink GmbH & Co. KG. Das Unternehmen ist in der Stahlverarbeitung tätig und Marktführer in seinen Hauptbereichen Brennen, Lasern und Plasmaschweißen.

Kultur, Sport und Freizeit

Im Interview wurde bereits der Stadtpark empfohlen und diesen haben wir an dem herrlichen Sonntag Vormittag besucht und das tolle Wetter genutzt für eine entspannte Zeit. Der Stadtpark ist bundesweit unter Kennern bekannt, da er schon einige Preise und Anerkennungen gewonnen hat. Durchaus ist er auch weltweit bei Stadtparkinteressierten bekannt! 2019 wurde der Stadtpark bei der weltweiten Abstimmung „Green Flag Award People’s Choice“ unter die Top 5 der zur Wahl stehenden Parkanlagen gewählt.

Eine richtig schöne Sache fanden wir im Norden von Gütersloh mit der Dampf-Kleinbahn-Mühlenstroth. Durch eine private Initiative in den 1970er Jahren von Eisenbahnfreunden /-fans, wurde diese Anlage mit einigen Loks und Schmalspurschienen erstellt und erfreut mit vielen Tauschen Besuchern pro Jahr großer Beliebtheit.

Ein schönes Gebäudeensemble und Industriedenkmal steht auf dem Geländer einer alten mechanischen Baumwollweberei. Die Weberei ist mittlerweile ein Kulturzentrum mit Kinos, Restauration, Diskothek usw. Wie so oft bei solch alten Gemäuern sollte der Komplex abgerissen werden, aber die Gütersloher Bürger setzten sich für den Erhalt ein. Die Weberei steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die Aramäer sind eine Volksgruppe, welche ihre Wurzeln in der Antike in Vorderasien hat. Ihre Sprache und Kultur geht auf Zeit zurück als Jesus Christus noch lebte und wenn ich nicht irre, sprach er selbst ebenfalls aramäisch. In Gütersloh und Umgebung leben bis zu 13.000 Aramäer, so dass Gütersloh eine Hochburg des Aramäischen ist. Die Aramäer sind in Sportvereinen und in der Syrisch-Orthdoxen Kirche organisiert. Die St. Stephanus Kirche ist so eine Kirche. In dem Gebäudekomplex müßte wohl auch die Vereinszentrale des Fussballclubs Die Aramäer Gütersloh e.V. 1987 gelegen sein.

Die St. Lukas Kirche ist ebenfalls eine Syrisch-Orthodoxe Kirche. Im Stil des Brutalismus erbaut, war sie erstmalig eine evangelische Kirche.

Die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde St. Maria befindet sich im Süden der Stadt. An diesem Sonntag Vormittag fand dann auch ein Gottesdienst statt, welcher gerade zu Ende war. Ich hatte beim Fotografieren des Gotteshauses ein Erlebnis, welches mir zeigte, wie schwierig es Menschen aus umkämpften Gebieten haben; wie gesagt, Vorderasien ist in etwa die originäre Heimat dieser Volksgruppe und da zählen Staaten wie Syrien und der Irak dazu. Jedenfalls sprach mich eine Gruppe Männer an, warum ich denn ihre Kirche fotografiere und ich habe natürlich erklärt, worum es mir ging. Es schien dann ok zu sein. Letztlich konnte ich für mich persönlich in diesem Zusammenhang nur Hypothesen aufstellen. Möglicherweise herrscht eine gewisse Vorsicht.

Einen Standort oder ein Vereinsheim für den Aramäischer Sport Club Suryoye Gütersloh e. V. konnte ich nicht finden.

Das Stadtmuseum in Gütersloh befindet sich in einem Areal mit mehreren historischen Gebäuden. Die medizinhistorische Ausstellung ist eine bekannte und preisgekrönte Ausstellung des Museums. Außerdem steht im Stadtmuseum eine Replik des Pavenstädter Riesenbechers. Dieser große Tonbecher ist der älteste Beweis von Besiedlung auf Gütersloher Boden.

Seenotrettung wurde quasi in Gütersloh erfunden – salopp gesagt. Der Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Adopf Bermpohl wurde in Gütersloh geboren. Das Haus steht Am Alten Kirchplatz.

Ungewöhnlicherweise spielt die See in Gütersloh eine große Rolle. Die Stadt ist zudem sehr musikalisch! Der Shanty-Chor Nordwind (leider ohne Foto), der Shanty-Chor Gütersloh (ebenfalls ohne Foto) und der Shanty-Chor Luttermöwen, welcher seinen Standort nach meinen Informationen im Gebäude des CVJM Isselhorst hat, haben ihren Sitz in Gütersloh.

Traditionsreich ist auch der Städtische Musikverein Gütersloh, welcher zu den ältesten und bedeutendsten in ganz Deutschland gehört (leider ohne Foto).

Weit über die Grenzen Gütersloh hinaus bekannt ist der Bachchor Gütersloh. Er wurde nach dem Krieg gegründet und wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Auf dem Foto, was folgt ist ein Fachwerkhaus am Alten Kirchplatz zu sehen. Dort befindet sich das Kantorbüro.

Das Besondere an der Westfälischen Kammerphilharmonie Gütersloh ist, dass sie aus Mitgliedern namhafter deutscher Kulturorchester, freischaffender Musiker und Studierenden renommierter Musikhochschulen besteht. Ein Foto konnte ich leider nicht machen. Das Büro befindet sich meinen Informationen nach in einem privaten Gebäude.

Die Musikschule für den Kreis Gütersloh ist eine wichtige Institution für das kulturelle Leben der Stadt und beteiligt sich an etlichen Veranstaltung in Gütersloh.

Dann gibt es hier noch das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, welches bekannt ist für seinen Posaunenchor, der Big Band und der Stiftskantorei.

Viele kulturelle Veranstaltung finden in der Stadthalle Gütersloh statt. Ich gehe davon aus, dass die eben genannten Institutionen sicherlich auch dort auftreten. Ganz in der Nähe habe ich ein interessantes Graffiti entdeckt, welches die Musikstadt Gütersloh darstellt.

Ein interessanter und wie ich finde schöner Bau ist das Theater Gütersloh. Das alte Theater – Paul-Thöne-Halle – musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, so dass der Bau eines neuen, modernen Theaters beschlossen wurde. Ich finde, es kann sich sehen lassen!

Nicht auf meiner Liste war die ADTV Tanzschule. Ich fand das Gebäude ganz schön und habe es einfach fotografiert. Informationen zum Gebäude konnte ich nicht finden.

Mein liebes Gütersloh,

in 2019 bist du die letzte Stadt gewesen, welche ich auf meiner Tour besuchte und ich muss ehrlich sagen, ich hätte mir keinen besseren Abschluss vorsellen können! Das Wetter hat mitgespielt und ich konnte mit meiner Freundin zwei schöne und entspannte Tage bei dir verbringen. Deine Entspanntheit und Unaufgeregtheit hat uns sehr gut getan und wir fanden es schön alle Ziele in der Innenstadt per Pedes erreicht zu haben. Vielen Dank für das schöne Wochenende und alles Gute für dich!

Bis bald!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s