Hanau – Märchenstadt am Main mit malerischen Stadtteilen

Als ich mich Anfang des Jahres entschied Städte im südlicheren Teil Hessens zu besuchen, ahnte ich natürlich nicht, dass Hanau von einer Tragödie heimgesucht werden würde. Ich überlegte, ob ich nicht eine Alternative finden könnte. Wäre es gut und angemessen zu dieser Zeit nach Hanau zu fahren? Ich habe die Alternativen abgewogen und war am Ende ganz froh dennoch in Hanau gewesen zu sein.

Nicht nur in meinem Interview hatte ich die Gelegenheit über die Ereignisse mit den Menschen zu sprechen. Auch in meiner Unterkunft und in einigen Geschäften und Lokalen konnte ich im Gespräch mit den Hanauern erkennen, dass sie zwar sehr betroffen sind, aber gleichzeitig einen echten Zusammenhalt beweisen und sich nicht unterkriegen lassen.

Hanau hatte eigentlich immer eine sehr große Bedeutung unter den großen Städten. In jüngerer Vergangenheit war sie der größte Standtort der US-Armee in Europa. Sie waren dort stationiert um im Kalten Krieg das sogenannte Fulda-Gap zu bewachen. Bei einem möglichen Krieg zwischen den beiden ehemals verfeindeten Blöcken wären die Staaten des Warschauer Pakts voraussichtlich über diesen Teil Deutschlands eingefallen. Im 19. Jahrhundert war Hanau ein wichtiges Zentrum der deutschen Demokratiebewegung und noch früher ein Zufluchtsort für niederländische Calvinisten und französische Hugenotten.

Heutzutage ist Hanau ein wichtiger Industriestandort, wo weltweit führende Unternehmen ihren Sitz haben. Erwähnen sollte ich auch, dass die Brüder Grimm hier geboren sind, einen Großteil ihres Lebens aber in anderen Städten verbrachten.

Historische Bauwerke

Im Krieg wurde Hanau sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass von der Altstadt und der Neustadt und vielen historischen Bauten nicht viel bis garnichts übrig geblieben ist. Wie schon erwähnt, war Hanau ein Zufluchtsort für Mitglieder reformierter Kirchen. Die Wallonisch-Niederländische Kirche in der Neustadt war eine Doppelkirche für Wallonen und Niederländer. Bis zum Ende des Krieges wurde in der niederländischen Sprache geprädigt; seitdem aber nicht mehr. Innerhalb der evangelischen Kirchen Europas ist die Wallonisch-Niederländische Kirche eine selbständige Kirchengemeinschaft.

Eine weitere zentral gelegene Kirche ist die Marienkirche. In ihr befindet sich die Gruft des Hanauer Grafenhauses.

Direkt daneben befindet sich der Altstädter Markt mit dem historischen Goldschmiedehaus, was lange Zeit das Rathaus der Stadt war. Mittlerweile befindet sich dort das Deutsche Goldschmiedemuseum. Hanau ist bekannt für die Goldschmiedekunst und das Ausbilden von Goldschmieden.

Im Westen der Stadt befindet sich das Frankfurter Tor. Es ist eines der wenigen erhaltenen barocken Stadttore und wird mittlerweile teilweise vom nebenan liegenden Krankenhaus mit genutzt.

Das Kanzleigebäude ist eines der wenigen erhaltenen Teile des ehemaligen Stadtschlosses, welches im Krieg zerstört wurde. Es beherbergt unter anderem die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Das rund 200 Jahre alte Schloß Philippsruhe befindet sich im Westen der Stadt direkt am Main. Es wurde von den Grafen von Hanau bewohnt und zuletzt auch von den Kurfürsten von Hessen-Kassel. Heute befindet sich dort Historische Museum der Stadt und das Papiertheatermuseum. Außerdem finden im Schloßgarten die Grimm-Festspiele statt.

Eine ganz besondere hübsche und beeindruckende Anlage und Sehenswürdigkeit befindet sich im Norwesten der Stadt. Das Wilhelmsbad ist eine ehemalige Kuranlage im Staatspark Hanau. Kurbetrieb findet hier schon länger nicht mehr statt, dafür ist es heute ein wunderschöner Erholungs- und Vergnügungsort für die Hanauer. In der Gartenanlage befindet sich das älteste feststehende Karussell der Welt – das Wilhelmsbader Karussell, das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum und das Comoedienhaus für kulturelle Veranstaltungen. Diese Sehenswürdigkeit hat mich sehr beeindruckt und ich würde gerne bei schönem Wetter wieder kommen!

In unmittelbarer Nähe befindet sich übrigens ein Bismarckturm! Er gehört zu den Kleineren, die ich bisher gesehen habe.

Steinheim – Stadtteil mit malerischer Altstadt

Ein richtig schöner und uriger Stadtteil von Hanau ist Steinheim. Die ehemals eigenständige Stadt wurde 1974 eingemeindet und hat – wie ich finde – Hanau sehr bereichert. Steinheim hat noch eine intakte Altstadt mit teils gut restaurierten Fachwerkhäusern und viele weitere Sehenswürdigkeiten.

Das Schloss Steinheim war, bevor es mit der Zeit öfter umgebaut wurde, die Burg Steinheim und wurde vor ca. 800 Jahren gebaut. Mittlerweile wird es auch Schloss Museum Steinheim genannt, denn dort ist ein Archeologie- und Stadtmuseum untergebracht. Am Schloss befindet sich ebenfalls ein Schlossgarten.

Sehr beeindruckend ist auch die alte Stadtbefestigung.

Die Zehntscheune ist rund 500 Jahre alt und war früher ein Lager- und Proviantgebäude. Heutzutage ist die Lokation bekannt und beliebt für große Familienfeiern.

Die Gerichtslinde ist ein Naturdenkmal in Steinheim. Der Baum ist ein über 300 Jahre alt richtiger Riese und befindet sich am Lokal Druckhaus. Dort befindet sich auch das Maintor – ein Torhaus, welches als Wohnhaus genutzt wird.

Lokale Spezialitäten hätte ich in den Restaurants Lug ins Land oder Wenk’scher Hof bekommen können. Allerdings war ich an einem Montag in Hanau und es war auch noch die Karnevalszeit. Mein schlechtes Timing hat mich etwas geärgert!

Ich habe mir in der Nähe einen kleinen Snack in einer Bäckerei gegönnt und dabei die freundliche Bäckereifachverkäuferin als meine Interviewpartnerin gewonnen.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Gebrüder Grimm sind hier geboren und aufgewachsen. In Hanau fängt die Märchenstraße an.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Geleriewe! Das heißt übersetzt Karotte/Rübe. Wir Hanauer mögen den Ort, wo wir aufgewachsen sind und leben. Dort fühlen wir uns am besten und können uns am besten entwickeln – wie die Geleriewe…
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Auf jeden Fall die üblichen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den Marktplatz mit dem Grimmdenkmal, unsere noch etwas vorhandene Altstadt mit dem Goldschmiedehaus und natürlich das Schloß Philippsruh mit seinem großen Schloßgarten!
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Typisch ist der Wochenmarkt am Montag und am Samstag. Handkäs, Appelwoi und Apfelweinstuben wie das Maa Äppelsche.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Frieden in der Stadt. Hanau hält zusammen!

Dies mit dem Geleriewe hatte ich schon damals nicht so richtig verstanden und hoffe es dennoch einigermaßen richtig wieder gegeben zu haben…

Hier noch ein paar Impressionen vom schönen Steinheim.

Wirtschaftsfaktoren

Große Unternehmen der Industrie haben ihren Haupt- bzw. Deutschlandsitz in Hanau oder wurden hier gegründet. Ebenfalls gibt es historische Wirtschaftsfaktoren in der Stadt und natürlich die Stationierung amerikanischer Soldaten – ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor für Stadt und Region.

Die Kasernen und sonstige Einrichtungen der US-Army sind mittlerweile aufgegeben worden und befindet sich in der Transformation. Zu sehen sind noch die Gebäude der Pioneer Housing Area, wo die Soldaten wohnten und lebten. Von den militärischen Anlagen der Pioneer Barracks ist kaum was übrig gewesen, so weit ich das überblicken konnte.

Der Fliegerhorst Langendiebach – auch US Army Airfield genannt – liegt nordöstlich von Hanau und wurde von der US Army nach dem Krieg von der Luftwaffe übernommen. Er hatte aufgrund des Fulda-Gap eine strategische Bedeutung. Seit Abzug der US-Truppen liegt der Fliegerhorst brach.

Im Stadtteil Lamboy in der Lamboystr. befanden sich lange Zeit ebenfalls Kasernen der US-Army. Die Hutier-Kaserne wurde bereits seit 1911 von verschiedenen Armeen genutzt und befindet sich noch in der Konversion. Teilweise werden die Gebäude als Wohngebäude genutzt. In Lamboy befindet sich aber auch die Partymeile der Stadt mit vielen Restaurants und Imbissen. Hier befindet sich auch der einzige Veteranen-Club für ehemalige US-Soldaten in Europa – der Club 905.

Eine interessante Begegnung hatte ich hier mit einem Hanauer Bewohner südländischer Abstammung, der mich fragte, warum ich hier in der Gegend fotografiere. Aufgrund der jüngtsten Ereignisse, war er etwas besorgt. Ich erklärte ihm aber meine Absichten und gab ihm eine Visitenkarte meines Blogs, wo er vieles nachlesen könne.

Große Unternehmen haben ihren Haupt- bzw. Deutschlandsitz in Deutschland. Der belgische Konzern Umicore – ein Spezialist für Materialverarbeitung und Recycling – hat seine Deutschlandzentrale mit über 1000 Beschäftigten in Hanau.

Dunlop ist eine der bekanntesten Reifenmarken überhaupt und hat seinen Sitz in Hanau bereits seit über 130 Jahren. Ursprünglich wurde das Unternehmen in Irland gegründet und gehört heute zu Goodyear.

Der Technologiekonzern Heraeus gehört zu den größten Familienunternehmen Deutschlands und wurde vor über 150 Jahren in Hanau gegründet.

Aus Heraeus heraus entwickelte sich das Unternehmen Vacuumschmelze GmbH. Es ist ein Spezialist für Spezialmagnete.

In der frühen Neuzeit war Hanau führend bei der Herstellung von Fayencen. Diese sind eine Art Keramik und ersetzten größtenteils die Porzellanimporte aus China, welche aus bestimmten Gründen im 17. Jhd. nicht mehr regelmäßig stattfanden. Der Niedergang begann mit der Herstellung von Meißner Porzellan und weiterer Wettbewerber bei der Fayencenherstellung. Am Neustädter Markt befand sich das Produktionsgebäude der Hanauer Fayencenmanufaktur. Das Gebäude wird mittlerweile anders genutzt.

Natur & Parks

Durch Hanau fließt der Main und es gibt viele schöne Stellen, an denen man bei schönem Wetter eine schöne Zeit verbringen kann. Eine schöne Stelle sind die Mainwiesen in der Nähe von Steinheim. Dort kann man auch bei mäßigem Wetter schön spazieren gehen.

In der Innenstadt stand bis kurz vor Ende des Krieges das Hanauer Stadtschloß. Den Krieg hat es leider nicht überlebt, aber ein schöner Schloßgarten ist dennoch geblieben.

Der Wildpark Alte Fasanerie ist ein beliebter Wildpark mit über 300 Nordeuropäaischen Tieren. Seinen Ursprung hat er durch eine Fasanerie, welche ein Erzbischof vor über 300 Jahren gegründet hat.

Die betuchteren Menschen bewegen sich gerne auf ihrem eigenen Grün. Der Golfclub Hanau Wilhelmsbad gehört zu den renomiertesten Anlagen des Landes.

Kulturleben der Stadt Hanau

Gleich vorab muss ich erwähnen, dass es einen Märchenpfad gibt in der Brüder-Grimm-Stadt und aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen habe ich das in meinen Recherchen über Hanau einfach völlig übersehen! Nur rein zufällig bin ich der Skulptur vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf begegnet. Über die ganze Stadt verteilt befinden sich Skulpturen zu den Märchen der Gebrüder Grimm und es hat mich im nachhinein geärgert, dass ich das verpeilt habe.

Der Neustädter Markt ist ein zentraler Platz in Hanau. Dort steht das Gebrüder-Grimm-Denkmal, welches zum Zeitpunkt meines Besuchs mit vielen Blumen aufgrund der damals aktuellen Situation bestückt war. Im Hintergrund des Fotos ist übrigens das historische Neustädter Rathaus zu sehen, welches gerade mit einem Gerüst verhüllt ist. Direkt daneben befindet sich übrigens das Märchen-Café! Dort wollte ich mir einen Snack gönnen, aber aufgrund des Karnevals gab es geänderte Öffnungszeiten. Schade!

Mit dem TFC 1869 Hanau existiert hier einer der ältesten Fechtvereine Deutschlands.

Eine weitere sportliche Besonderheit ist Rudi Völler! Er ist ein Kind der Stadt und ein Sportzentrum wurde nach ihm benannt.

In den kulturellen Bereich zählt für mich auch die Bildung. Mit der Staatlichen Zeichenakademie besitzt Hanau eine renomierte Fachschule im gestalterischen Bereich und eine der ältesten Goldschmiedeschulen Europas.

Originäre Hanauer kulinarischen Spezialitäten gibt es eigentlich nicht. In der Main-Gegend gibt es in vielen Städten Apfelwein – hier auch Äppelwoi genannt – und Handkäs. Ich wollte an dem Tag, als ich die Innenstadt von Hanau erkundete in das Restaurant Hanauer Bub. Aber Montags war geschlossen……. 😦 Dort hätte ich regionale Spezialtitäten probieren können. Immerhin habe ich mir eine Flasche Äppelwoi als Mitbringsel gekauft.

Na mein liebes Hanau!

Welch ungewöhnlicher Besuch in einer ungewöhnlichen Zeit bei dir! Aber du warst sehr gastfreundlich zu mir und hast mir einen schönen Tag bei dir beschert. Besonders gerne erinnere ich mich an deinen Stadtteil Steinheim mit seiner intakten und gut erhaltenen Altstadt und an das Wilhelmsbad und seinem außergewöhnlichen Park. Ich hoffe, dass wir uns bald wieder begegnen. Vielleicht mal in einer wärmeren Jahreszeit, damit ich noch mal einen anderen Eindruck von dir bekomme.

Ich wünsche dir alles Gute. Bis bald!

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