Samt- und Seidenstadt

Der Aufstieg zu Reichtum und Weltruhm begann im 18. und 19. Jahrhundert. Damals war die Familie von der Leyen wohnhaft in Krefeld und startete die Samt- und Seidenproduktion. Krefeld gehörte damals zum Preußischen Königreich, welches ein Seidenmonopol vergab und das machte sich die Familie von der Leyen zu Nutze. Das war der Beginn der Samt- und Seidenstadt.

Beginn der Samt- und Seidenstadt

Es gibt noch einige historische Gebäude, die den von der Leyens gehörten. Das Haus Floh gehörte dem Seidenbaron Johann von der Leyen. Im Laufe der Zeit wurden dort sehr hochgestellte Persönlichkeiten, wie der russische Zar empfangen. Zur Zeit wird das Haus geschäftlich genutzt.

Zu einer anderern Zeit baute ein anderes Mitglied der Dynastie von der Leyen – Conrad – das Stadtpalais von der Leyen. Es war bereits zu seiner Zeit ein Symbol für den schnellen Aufstieg der Stadt mit seinen Seideubaronen zu einer der wohlhabensten Städte des Reichs. Heute dient es als Rathaus der Stadt Krefeld. Der Platz davor ist der von der Leyen Platz.

Nachnutzung von Fabriken

Ein weiteres Zeugnis dieser ruhmreichen Zeit ist die ehemalige Samt- und Seidenwebereifabrik. 1890 wurde sie erbaut und gehörte nacheinander mehreren Unternehmen dieser Branche. Nach dem Niedergang dieser Industrie nutzte die Stadt Krefeld den Gebäudekomplex. Mittlerweile befinden sich im denkmalgeschützen Gebäude mehrere Wohnungen, Büros und Nachbarschaftstreffs. Die gemeinnützige Gesellschaft Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH hat sich zur Aufgabe gemacht die Alte Samtweberei instandzuhalten und sie mit Veranstaltung mit Leben zu füllen. Mitten im Innenhof befindet sich die Shedhalle. Sie ist ein zentraler Ort für alle Bewohner und Besucher der Alten Samtweberei, wo viele Aktionen zum Mitmachen statt finden.

Gegenwart der Samt- und Seidenstadt

Mittlerweile hat sich Krefeld zu einem Standort für Krawatten entwickeln. Hier gibt es Unternehmen mit einem sehr hohen Qualitätsbewußtsein und einem Sinn für außergewöhnliches und schönes Design. Zum Zeitpunkt meines Besuchs hatte ich zwar keinen Bedarf an Krawatten, aber es hat mir sehr gefallen die Internetseiten der nun folgenden Unternehmen zu besuchen, welche auch Fliegen, Schleifen und Einstecktücher herstellen!

Das Familienunternehmen Hans Ploenes GmbH wird bereits in 3. Generation und seit 1936 geführt. Es beliefert den stationären Handel im In- und Ausland. Im Online-Shop gibt es mehr als nur Krawatten! Es fasziniert mich durch die einzelnen Bereiche zu klicken und sogar stylische Mund-Nasen-Masken zu entdecken!

Weitere Accessoires gibt es bei der Seidenfalter Krawattenfabrik GmbH & Co. KG. Das Familienunternehmen gibt es seit 1917.

Im hier abgebildeten Gebäude befindet sich die Firma Hemley. Wenn ich das richtig verstanden haben vereinen sich in ihr die Firmen Schwartz & Co. Gmbh und Ascot Karl Moese GmbH. Hemley wurde erst in den 1960er Jahren gegründet und hat somit teilweise eine etwas jüngere Tradition. Wolfgang Moese und Hermann-Kurt Schwartz gründeten die Firma Hemley, welche verschiedene Herrenaccessoires herstellt. Die Firma Ascot Karl Moese GmbH wurde von Karl Moese – dem Großvater von Wolfgang Moese 1908 gegründet. Er trat an um die weltbesten Krawatten herzustellen.

Ganz in der Nähe befindet sich die über 100 Jahre alte alpi Krawattenmoden GmbH. Das Unternehmen stellt Krawatten und Maßhemden und -blusen her.

Von hier ist es nicht weit zur ehemaligen VerSeidAG (Vereinigte Seidenweberei Actiengesellschaft). Das Unternehmen wurde nach dem ersten Weltkrieg gegründet und war lange Zeit führend in der Krawattenstoffherstellung. Der ehemalige Firmensitz befindet sich im Mies van der Rohe Businesspark. Ludwig Mies van der Rohe war Architekt und baute damals das Hauptgebäude im Bauhaus-Stil. Die Verseidag ist mittlerweile nicht mehr selbständig und existiert auch nicht mehr in der damaligen Form. Das Unternehmen mit diesem Namen stellt derzeit technische Textilien her. Wenige 100 Meter außerhalb des Businessparks befindet sich das Krefelder Stadthaus, was der Verseidag als Verwaltungs- und Lagergebäude diente und inzwischen denkmalgeschütz ist.

Museen und Denkmäler

Ein besonderes Museum zur Vergangenheit der Samt- und Seidenstadt ist das Haus der Seidenkultur. Früher war es eine Produktionsstätte für seidene Priestergewänder. Außerdem steht dort der einzige in Europa an Originalproduktionsstätte erhaltene Jacquarthandwebsaal. Außerdem gibt es viel über die Geschichte der Seide und der Krefelder Textilindustrie zu erfahren. Vorher befand sich dort die Paramentenweberei H. Gotzes aus der das Museum entstand.

Das Deutsche Textilmuseum ist in Krefeld-Linn beheimatet und stellt ebenfalls die textile Historie dar, allerdings in einem etwas globaleren Maßstab! Das Museum zeigt Austellungstücke aus aller Welt und allen Kulturen.

Die Arbeit der Weber von Krefeld und die lange ruhmreiche Geschichte der Samt- und Seidenstadt wird im Zentrum der Stadt am Ostwall mit dem Ponzelar-Denkmal gewürdigt. Meister Ponzelar heißt im Volksmund der Hausweber.

Ein Gedanke zu „Samt- und Seidenstadt“

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