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Mittelalterliches und historisches Nürnberg Teil 2

Innerhalb der Stadtbefestigung hatte Nürnberg bis zu den Zerstörungen des Krieges eine große intakte Altstadt. Es gibt einen Spruch, den ich als zugezogener Hildesheimer vor einiger Zeit gehört habe. „Nürnberg sei das Hildesheim des Südens“ aufgrund der vielen Fachwerkhäuser. Andersherum galt der Spruch allerdings auch. „Hildesheim sei das Nürnberg des Nordens“. Fest steht, dass beide Städte einen großen Schatz an Fachwerk besaßen, welcher heute zumindest zu einem Teil noch besteht.

Wie jede Stadt besitzt Nürnberg einen Marktplatz, der sich Hauptmarkt nennt. Dort findet einer der größten und weltbekanntesten Weihnachtsmärkte statt – der Christkindlmarkt. Das Symbol des Christkindlmarkts ist der Rauschgoldengel – ein traditioneller Weihnachtsschmuck, den ich zu dieser Zeit weder erstehen noch photografieren konnte. Gleiches gilt für das Zwetschkenmännla. Das sind beliebte Figuren aus Dörrzwetschgen, welche auf dem Christkindlmarkt verkauft werden. Im Mittelalter war der Platz insbesondere deswegen bedeutend, da bei jeder neuen Kaiserkrönung hier Ritterfestspiele, Gottesdienste usw. durchgeführt wurden. Der zu krönende Kaiser zog mit seinem Troß damals von Wien über Nürnberg nach Frankfurt am Main.

Am Markt befindet sich die bedeutendste Kirche Nürnbergs – die Frauenkirche. Kaiser Karl IV ließ sie im 14. Jahrhundert erbauen.

Einige Meter entfernt nach Norden gehend konnte ich das imposante Alte Rathaus der Stadt betrachten mit seinem historischen Rathaussaal. Interessanterweise besaß Nürnberg im Mittelalter kein Rathaus. Das Alte Rathaus entstand in der Renaissance. Das Panoramabild ist zugegeben etwas kurios; nach hinten war leider nicht so viel Platz! Im Alten Rathaus befinden sich die mittelalterlichen Lochgefängnisse. Die Zellen sollen maximal 2×2 Meter groß gewesen sein, sehr karg und die Insassen hausten dort in völliger Dunkelheit.

Ebenfalls aus der Renaissance und ganz in der Nähe befindet sich die Fleischbrücke über die Pegnitz. Die Steinbrücke ist ein denkmalgeschütztes Meisterwerk der Spätrenaissance und steht dort nahezu im Originalzustand.

Von der Fleischbrücke hatte ich einen guten Blick auf die Pegnitzinsel, oder auch Trödelinsel genannt, gehabt. Sie gehört zum festen Bestandsteil eines Besuches in Nürnberg mit seinen wenigen kleinen Gassen und einigen wenigen noch wiederaufgebauten Fachwerkhäusern. Die Insel liegt idyllisch und sehr ruhig mitten im Fluss und Abseits von Trubel. Ich empfand es als sehr entspannend dort eine Zeit lang zu verweilen und ein Päuschen einzulegen. Über die Insel führen die mittelalterliche Untere Karlsbrücke und die Obere Karlsbrücke aus dem 18. Jahrhundert.

Zum Ensemble gehören noch der Wasserturm, die Henkerbrücke, der Henkersteg und der Weinstadel. Der Wasserturm ist ein Überbleibsel der vorletzten Stadtbefestigung der Stadt. Der Weinstadel gehört zu den größten Fachwerkhäusern der Republik. Im Mittelalter wurde das Gebäude während der Karwoche für die Speisung der Leprakranken genutzt. Später kam Handwerkerfamilien hier unter und eine Zeitlang deponierte die Stadt hier seine Weine. Heute ist der Weinstadel ein Studentenwohnheim. Der Henkersteg ist eine Holzbrücke, die immer mal wieder erneuert werden musste.

Auf der Pregnitz innerhalb der Stadtbefestigung gibt es noch eine dritte – die größte – Insel. Die Insel Schütt wird mittlerweile hauptsächlich für Vergnügungsveranstaltungen genutzt. Lange Zeit war sie unbebaut. Von der alten, vorletzten Stadtbefestigung besichtigte ich den westlich gelegenen Schuldturm. Nachdem die neue Stadtmauer gebaut wurde, nutze man den Schuldturm als Gefängnis und Heimstätte für Geisteskranke. Am östlichen Teil der Insel befindet sich das bereits beschriebene Kasemattentor. Direkt daneben steht der Tratzenzwinger, welcher zum Kasemattentor gehört. Der Turm heißt auch Krakauer Haus und ist die einzige Repräsentanz der Stadt Krakau im Ausland. Bereits seit dem Mittelalter verband beide Städte eine enge Beziehung. Im Krakauer Haus finden allerlei entsprechende Kulturveranstaltungen statt und es gibt ein Restaurant und ein Reisebüro.

Ganz in der Nähe konnte ich noch weitere historische Sehenswürdigkeiten der Stadt entdecken. Zur Wahrung der Traditionen des Schießsports und natürlich auch zum Eigenschutz, wurden bereits zum Ende des Mittelalters Schieß- bzw. Schützenvereine gegründet. Noch heute wird das Herrenschießhaus von der Schützengesellschaft Nürnberg dafür genutzt.

Nicht weit entfernt besuchte ich das große Heilig-Geist-Spital, welches im Mittelalter das größte seiner Art war in Nürnberg und wo einige Jahrhunderte lang die Reichskleinodien der Kaiser verwahrt wurden. Heute wird es als Seniorenheim und für kirchliche Zwecke genutzt und es befindet sich ein Restaurant im Gebäudekomplex. Ebenso befindet sich dort das Nürnberger Menschenrechtszentrum, welches ausschließlich ehrenamtlich betrieben wird. Es setzt sich für die Menschenrechte auf nationaler und internationaler Ebene ein.

Im westlichen Teil der Innenstadt konnte ich die schöne Weißgerbergasse besichtigen. Sie gehört zu wenigen vollständig erhaltenen mittelalterlich geprägten Straßenzügen der Stadt. Bei bestem Wetter schlenderte ich entspannt durch die Gasse und betrachtete die schönen Fassaden.

Am Beginn der Weißgerbergasse habe ich mich in ein Café mit Rösterei gesetzt für ein kleines Päuschen und da ergab sich die Gelegenheit mit den dortigen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und über die Stadt zu sprechen. Natürlich nutze ich die Gelegenheit für meine fünf ausgeklügelten Fragen:

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Burg. Sie überthront im wahrsten Sinne des Wortes die Stadt und ist ihr Wahrzeichen!
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Die Innenstadt ist mein liebster Ort. Ich bin gerne unter Leuten und mir gefällt es, dass alles sehr nah beieinander ist. Außerdem sitze ich gerne in Cafés.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Das Dokumentationszentrum Reichsparteitaggelände ist sehr interessant und sehr imposant.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Der Nürnberger ist schon eher ein grummeliger Mensch, aber wenn man ihn näher kennenlernt, möchte man ihn nicht missen! Unsere leckeren Rostbratwürste sind natürlich sehr typisch!
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Draußen sitzen gehört sehr zur Kultur in dieser Stadt und ich wünsche mir, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt mit Cafés und Bars, wo sich das Treiben außerhalb der Räumlichkeiten auf der Straße abspielt.

In der Nähe der Kaiserburg befindet sich das Pilatushaus. Es ist ein sehr gut erhaltenes Fachwerkhaus der Spätgotik und es gab die Jahrhunderte wechselnde Nutzer und Bewohner. Derzeit wird es für Ausstellungen genutzt.

In Sichtweite steht das Albrecht-Dürer-Haus. Der Künstler wohnte und arbeitete hier bis zu seinem Lebensende. Sein Wohnhaus ist nun ein Museum zu seinen Ehren.

Im Mittelalter wurden unterhalb der nördlichen Nürnberger Altstadt die nun historischen Felsengänge in den Fels geschlagen. Es ist ein weit verzweigtes Netz von unterirdischen Gängen, die zur Lagerung von Bier genutzt wurden, aber auch für die Wassergewinnung und in der Funktion als Kasematten zu Verteidigungszwecken. Eine Zeit lang wurden dort sogar Kunstschätze verwahrt! Während meines Aufenthalts waren die Felsengänge nicht geöffnet. Beim nächsten Besuch in Nürnberg möchte ich die Felsengänge unbedingt besuchen!

In der Nähe der letztgenannten Ziele bin ich dann einfach durch die Straßen geschlendert und habe mir weitere schöne Straßenzüge mit Fachwerkhäusern angeschaut.

Ganz in der Nähe befindet sich das Fembohaus, was das einzig erhaltene Kaufmannshaus der Spätrenaissance ist. Lange Zeit wurde es auch als Kaufmannshaus genutzt. Mittlerweile befindet sich hier das Stadtmuseum Nürnberg. Hier wird die lange Stadtgeschichte Nürnbergs präsentiert.

Ein weiteres wichtiges Baudenkmal ist das Schürstabhaus. Es wurde im Mittelalter von einer Patrizierfamilie errichtet.

Ein für Nürnberg typisches, historisches Bürgerhaus ist das Pellerhaus aus dem 16./17. Jahrhundert. Das Vorderhaus hatte eine prächtige Fassade und typisch war ein Innenhof – Pellerhof – und ein Hinterhaus. Der Kaufmann Martin Peller ließ das Gebäude errichtet. Er gehörte aufgrund seiner Geld- und Kreditgeschäfte zu einem der reichsten Bürger der Stadt seiner Zeit. Die prächtige Fassade existiert heute nicht mehr und auch der Innenhof wurde gerade saniert. Erst dachte ich, ich könnte diesen nicht mehr ablichten, aber glücklicherweise traf ich auf einen extrem freundlichen Bauarbeiter, der gerade seinen Feierabend antreten wollte. Der ließ mich freundlicherweise in den Pellerhof und so konnte ich diese fotografieren. Warum ich nicht auf die Idee kam ihn zusätzlich zu interviewen, weiß ich bis heute nicht mehr. Er ist ein waschechter Franke und super sympathisch gewesen!

Ein weiterer noch erhaltener Hof ist der Welserhof. Leider war er nicht zugänglich aufgrund von Sanierungsarbeiten oder er war einfach nicht für Publikum geöffnet. Ich erinnere mich nicht mehr. Der Welserhof mit seinen prächtigen Arkaden war ein Anwesen von Jakob Welser, der Angehöriger einer reichen Kaufmannsfamilie war.

Ganz in der Nähe befindet sich der historische Straßenzug bzw. die historische Arbeitersiedlung Sieben Zeilen, in denen Wanderarbeiter untergebracht wurden. Es sind oder waren sieben hintereinander liegende Handwerkshäuser gewesen, von denen heute nur noch zwei exisiteren. Sie gelten im übrigen als Vorläufer des sozialen Wohnungsbaus.

Von hier sind es nur wenige Meter bis zum Museum Tucherschloß und dem Hirsvogelsaal. Der Hirsvogelsaal ist ein sehr kunstvoll verziertes Bauwerk der frühen Renaissance, welches der Erbauer Lienhard Hirschvogel anläßlich seiner Hochzeit mit der Augsburgerin Sabine Welser errichten ließ. Zum Zeitpunkt meines Besuches war es geschlossen und ich konnte immerhin durch die vergitterte Tür ein Photo knipsen. Die Patrizierfamilie Tucher ließ das Tucherschloß erbauen und nutzte es als seinen Sommersitz. Die Familie Tucher machte daraus ein Museum der Familiengeschichte und der Nürnberger Kaufmannsfamilien und übertrug es dann der Stadt Nürnberg und dem Freistaat Bayern.

Von hier aus ist es wiederum nicht weit bis zur nächsten Sehenswürdigkeit. Der Laufer Schlagturm befindet sich mitten in der Altstadt und gehört zur vorletzten Stadtbefestigung Nürnbergs. Der Name Schlagturm kommt von der Schlaguhr am Gebäude.

Südlich der Prignitz befindet sich das Unschlitthaus, welches im späten Mittelalter als Kornspeicher diente und später als Unschlittamt. Unschlitt ist grob erklärt eine Art Talg bzw. Fette von Wiederkäuern, welches bei der Zubereitung bestimmter Nahrungsmittel verwendet wird. Heute wird das Gebäude von Behörden genutzt.

Das Nassauer Haus ist ein mittelalterlicher Wohnturm nach Vorbild der Geschlechtertürme Italiens. Es sieht sehr wehrhaft aus und wurde durchaus genutzt zum Schutz von Waren vor Überfällen. Es wird seit dem 19. Jahrhundert irrtümlich so genannt (nach dem deutschen König Adolf von Nassau) und hieß bis dahin Schlüsselfelderisches Stiftungshaus.

Direkt gegenüber befindet sich die Lorenzkirche. Sie ist ein Wahrzeichen der Stadt und eine ihrer bedeutendsten Kirchen. In ihr befinden sich wertvolle Kunstwerke und eine der weltweit größten Orgeln.

Von diesem Punkt aus ist die historische Mauthalle nicht weit. Im späten Mittelalter erbaut, diente sie als Kornspeicher und wurde im Laufe der Zeit auch von verschiedenen Behörden genutzt. Seinen Namen erhielt sie, als sie im 19. Jahrhundert zum Hauptzollamt wurde. Nach den schweren Zerstörungen im Krieg wird die Mauthalle heutzutage geschäftlich und gastronomisch genutzt.

In Sichtweite befindet sich das Hotel Deutscher Kaiser. Es verkörpert in besonderer Weise die Archtektur des sogenannten Nürnberger Stils, der in vielen anderen Photos bereits zu sehen war. Der Nürnberger Stil ist ein regional ausgeprägter Stil des Historismus und ist unter anderem auch am Hansa-Haus zu erkennen. Dieses steht nahe des westlichen Teils der Stadtbefestigung.

Auch außerhalb der Stadtbefestigung gibt es Historisches zu sehen. Das Zeltnerschloß befindet sich südöstlich des Zentrums und hatte eine recht wechselvolle Geschichte. Im Mittelalter erbaut, diente es meist erfolgreich militärischen Zwecken, bis es zerstört wurde. In der Zeit der reichen Patrizierfamilien erwarb eine ebenjene das Gelände und errichtete dort ein neues Schloß. Nach einer weiteren Zerstörung durch Hochwasser übernahm der Fabrikant Johannes Zeltner das Gelände samt beschädigtem Schloß und führe Modernisierungen durch. Im 2. Weltkrieg kam abermals schwere Beschädigungen. Nach dem Wiederaufbau wurde das Schloß für kulturelle Zwecke genutzt und teils privat vermietet.