Hanau – Märchenstadt am Main mit malerischen Stadtteilen

Als ich mich Anfang des Jahres entschied Städte im südlicheren Teil Hessens zu besuchen, ahnte ich natürlich nicht, dass Hanau von einer Tragödie heimgesucht werden würde. Ich überlegte, ob ich nicht eine Alternative finden könnte. Wäre es gut und angemessen zu dieser Zeit nach Hanau zu fahren? Ich habe die Alternativen abgewogen und war am Ende ganz froh dennoch in Hanau gewesen zu sein.

Nicht nur in meinem Interview hatte ich die Gelegenheit über die Ereignisse mit den Menschen zu sprechen. Auch in meiner Unterkunft und in einigen Geschäften und Lokalen konnte ich im Gespräch mit den Hanauern erkennen, dass sie zwar sehr betroffen sind, aber gleichzeitig einen echten Zusammenhalt beweisen und sich nicht unterkriegen lassen.

Hanau hatte eigentlich immer eine sehr große Bedeutung unter den großen Städten. In jüngerer Vergangenheit war sie der größte Standtort der US-Armee in Europa. Sie waren dort stationiert um im Kalten Krieg das sogenannte Fulda-Gap zu bewachen. Bei einem möglichen Krieg zwischen den beiden ehemals verfeindeten Blöcken wären die Staaten des Warschauer Pakts voraussichtlich über diesen Teil Deutschlands eingefallen. Im 19. Jahrhundert war Hanau ein wichtiges Zentrum der deutschen Demokratiebewegung und noch früher ein Zufluchtsort für niederländische Calvinisten und französische Hugenotten.

Heutzutage ist Hanau ein wichtiger Industriestandort, wo weltweit führende Unternehmen ihren Sitz haben. Erwähnen sollte ich auch, dass die Brüder Grimm hier geboren sind, einen Großteil ihres Lebens aber in anderen Städten verbrachten.

Historische Bauwerke

Im Krieg wurde Hanau sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass von der Altstadt und der Neustadt und vielen historischen Bauten nicht viel bis garnichts übrig geblieben ist. Wie schon erwähnt, war Hanau ein Zufluchtsort für Mitglieder reformierter Kirchen. Die Wallonisch-Niederländische Kirche in der Neustadt war eine Doppelkirche für Wallonen und Niederländer. Bis zum Ende des Krieges wurde in der niederländischen Sprache geprädigt; seitdem aber nicht mehr. Innerhalb der evangelischen Kirchen Europas ist die Wallonisch-Niederländische Kirche eine selbständige Kirchengemeinschaft.

Eine weitere zentral gelegene Kirche ist die Marienkirche. In ihr befindet sich die Gruft des Hanauer Grafenhauses.

Direkt daneben befindet sich der Altstädter Markt mit dem historischen Goldschmiedehaus, was lange Zeit das Rathaus der Stadt war. Mittlerweile befindet sich dort das Deutsche Goldschmiedemuseum. Hanau ist bekannt für die Goldschmiedekunst und das Ausbilden von Goldschmieden.

Im Westen der Stadt befindet sich das Frankfurter Tor. Es ist eines der wenigen erhaltenen barocken Stadttore und wird mittlerweile teilweise vom nebenan liegenden Krankenhaus mit genutzt.

Das Kanzleigebäude ist eines der wenigen erhaltenen Teile des ehemaligen Stadtschlosses, welches im Krieg zerstört wurde. Es beherbergt unter anderem die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Das rund 200 Jahre alte Schloß Philippsruhe befindet sich im Westen der Stadt direkt am Main. Es wurde von den Grafen von Hanau bewohnt und zuletzt auch von den Kurfürsten von Hessen-Kassel. Heute befindet sich dort Historische Museum der Stadt und das Papiertheatermuseum. Außerdem finden im Schloßgarten die Grimm-Festspiele statt.

Eine ganz besondere hübsche und beeindruckende Anlage und Sehenswürdigkeit befindet sich im Norwesten der Stadt. Das Wilhelmsbad ist eine ehemalige Kuranlage im Staatspark Hanau. Kurbetrieb findet hier schon länger nicht mehr statt, dafür ist es heute ein wunderschöner Erholungs- und Vergnügungsort für die Hanauer. In der Gartenanlage befindet sich das älteste feststehende Karussell der Welt – das Wilhelmsbader Karussell, das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum und das Comoedienhaus für kulturelle Veranstaltungen. Diese Sehenswürdigkeit hat mich sehr beeindruckt und ich würde gerne bei schönem Wetter wieder kommen!

In unmittelbarer Nähe befindet sich übrigens ein Bismarckturm! Er gehört zu den Kleineren, die ich bisher gesehen habe.

Steinheim – Stadtteil mit malerischer Altstadt

Ein richtig schöner und uriger Stadtteil von Hanau ist Steinheim. Die ehemals eigenständige Stadt wurde 1974 eingemeindet und hat – wie ich finde – Hanau sehr bereichert. Steinheim hat noch eine intakte Altstadt mit teils gut restaurierten Fachwerkhäusern und viele weitere Sehenswürdigkeiten.

Das Schloss Steinheim war, bevor es mit der Zeit öfter umgebaut wurde, die Burg Steinheim und wurde vor ca. 800 Jahren gebaut. Mittlerweile wird es auch Schloss Museum Steinheim genannt, denn dort ist ein Archeologie- und Stadtmuseum untergebracht. Am Schloss befindet sich ebenfalls ein Schlossgarten.

Sehr beeindruckend ist auch die alte Stadtbefestigung.

Die Zehntscheune ist rund 500 Jahre alt und war früher ein Lager- und Proviantgebäude. Heutzutage ist die Lokation bekannt und beliebt für große Familienfeiern.

Die Gerichtslinde ist ein Naturdenkmal in Steinheim. Der Baum ist ein über 300 Jahre alt richtiger Riese und befindet sich am Lokal Druckhaus. Dort befindet sich auch das Maintor – ein Torhaus, welches als Wohnhaus genutzt wird.

Lokale Spezialitäten hätte ich in den Restaurants Lug ins Land oder Wenk’scher Hof bekommen können. Allerdings war ich an einem Montag in Hanau und es war auch noch die Karnevalszeit. Mein schlechtes Timing hat mich etwas geärgert!

Ich habe mir in der Nähe einen kleinen Snack in einer Bäckerei gegönnt und dabei die freundliche Bäckereifachverkäuferin als meine Interviewpartnerin gewonnen.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Gebrüder Grimm sind hier geboren und aufgewachsen. In Hanau fängt die Märchenstraße an.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Geleriewe! Das heißt übersetzt Karotte/Rübe. Wir Hanauer mögen den Ort, wo wir aufgewachsen sind und leben. Dort fühlen wir uns am besten und können uns am besten entwickeln – wie die Geleriewe…
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Auf jeden Fall die üblichen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den Marktplatz mit dem Grimmdenkmal, unsere noch etwas vorhandene Altstadt mit dem Goldschmiedehaus und natürlich das Schloß Philippsruh mit seinem großen Schloßgarten!
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Typisch ist der Wochenmarkt am Montag und am Samstag. Handkäs, Appelwoi und Apfelweinstuben wie das Maa Äppelsche.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Frieden in der Stadt. Hanau hält zusammen!

Dies mit dem Geleriewe hatte ich schon damals nicht so richtig verstanden und hoffe es dennoch einigermaßen richtig wieder gegeben zu haben…

Hier noch ein paar Impressionen vom schönen Steinheim.

Wirtschaftsfaktoren

Große Unternehmen der Industrie haben ihren Haupt- bzw. Deutschlandsitz in Hanau oder wurden hier gegründet. Ebenfalls gibt es historische Wirtschaftsfaktoren in der Stadt und natürlich die Stationierung amerikanischer Soldaten – ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor für Stadt und Region.

Die Kasernen und sonstige Einrichtungen der US-Army sind mittlerweile aufgegeben worden und befindet sich in der Transformation. Zu sehen sind noch die Gebäude der Pioneer Housing Area, wo die Soldaten wohnten und lebten. Von den militärischen Anlagen der Pioneer Barracks ist kaum was übrig gewesen, so weit ich das überblicken konnte.

Der Fliegerhorst Langendiebach – auch US Army Airfield genannt – liegt nordöstlich von Hanau und wurde von der US Army nach dem Krieg von der Luftwaffe übernommen. Er hatte aufgrund des Fulda-Gap eine strategische Bedeutung. Seit Abzug der US-Truppen liegt der Fliegerhorst brach.

Im Stadtteil Lamboy in der Lamboystr. befanden sich lange Zeit ebenfalls Kasernen der US-Army. Die Hutier-Kaserne wurde bereits seit 1911 von verschiedenen Armeen genutzt und befindet sich noch in der Konversion. Teilweise werden die Gebäude als Wohngebäude genutzt. In Lamboy befindet sich aber auch die Partymeile der Stadt mit vielen Restaurants und Imbissen. Hier befindet sich auch der einzige Veteranen-Club für ehemalige US-Soldaten in Europa – der Club 905.

Eine interessante Begegnung hatte ich hier mit einem Hanauer Bewohner südländischer Abstammung, der mich fragte, warum ich hier in der Gegend fotografiere. Aufgrund der jüngtsten Ereignisse, war er etwas besorgt. Ich erklärte ihm aber meine Absichten und gab ihm eine Visitenkarte meines Blogs, wo er vieles nachlesen könne.

Große Unternehmen haben ihren Haupt- bzw. Deutschlandsitz in Deutschland. Der belgische Konzern Umicore – ein Spezialist für Materialverarbeitung und Recycling – hat seine Deutschlandzentrale mit über 1000 Beschäftigten in Hanau.

Dunlop ist eine der bekanntesten Reifenmarken überhaupt und hat seinen Sitz in Hanau bereits seit über 130 Jahren. Ursprünglich wurde das Unternehmen in Irland gegründet und gehört heute zu Goodyear.

Der Technologiekonzern Heraeus gehört zu den größten Familienunternehmen Deutschlands und wurde vor über 150 Jahren in Hanau gegründet.

Aus Heraeus heraus entwickelte sich das Unternehmen Vacuumschmelze GmbH. Es ist ein Spezialist für Spezialmagnete.

In der frühen Neuzeit war Hanau führend bei der Herstellung von Fayencen. Diese sind eine Art Keramik und ersetzten größtenteils die Porzellanimporte aus China, welche aus bestimmten Gründen im 17. Jhd. nicht mehr regelmäßig stattfanden. Der Niedergang begann mit der Herstellung von Meißner Porzellan und weiterer Wettbewerber bei der Fayencenherstellung. Am Neustädter Markt befand sich das Produktionsgebäude der Hanauer Fayencenmanufaktur. Das Gebäude wird mittlerweile anders genutzt.

Natur & Parks

Durch Hanau fließt der Main und es gibt viele schöne Stellen, an denen man bei schönem Wetter eine schöne Zeit verbringen kann. Eine schöne Stelle sind die Mainwiesen in der Nähe von Steinheim. Dort kann man auch bei mäßigem Wetter schön spazieren gehen.

In der Innenstadt stand bis kurz vor Ende des Krieges das Hanauer Stadtschloß. Den Krieg hat es leider nicht überlebt, aber ein schöner Schloßgarten ist dennoch geblieben.

Der Wildpark Alte Fasanerie ist ein beliebter Wildpark mit über 300 Nordeuropäaischen Tieren. Seinen Ursprung hat er durch eine Fasanerie, welche ein Erzbischof vor über 300 Jahren gegründet hat.

Die betuchteren Menschen bewegen sich gerne auf ihrem eigenen Grün. Der Golfclub Hanau Wilhelmsbad gehört zu den renomiertesten Anlagen des Landes.

Kulturleben der Stadt Hanau

Gleich vorab muss ich erwähnen, dass es einen Märchenpfad gibt in der Brüder-Grimm-Stadt und aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen habe ich das in meinen Recherchen über Hanau einfach völlig übersehen! Nur rein zufällig bin ich der Skulptur vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf begegnet. Über die ganze Stadt verteilt befinden sich Skulpturen zu den Märchen der Gebrüder Grimm und es hat mich im nachhinein geärgert, dass ich das verpeilt habe.

Der Neustädter Markt ist ein zentraler Platz in Hanau. Dort steht das Gebrüder-Grimm-Denkmal, welches zum Zeitpunkt meines Besuchs mit vielen Blumen aufgrund der damals aktuellen Situation bestückt war. Im Hintergrund des Fotos ist übrigens das historische Neustädter Rathaus zu sehen, welches gerade mit einem Gerüst verhüllt ist. Direkt daneben befindet sich übrigens das Märchen-Café! Dort wollte ich mir einen Snack gönnen, aber aufgrund des Karnevals gab es geänderte Öffnungszeiten. Schade!

Mit dem TFC 1869 Hanau existiert hier einer der ältesten Fechtvereine Deutschlands.

Eine weitere sportliche Besonderheit ist Rudi Völler! Er ist ein Kind der Stadt und ein Sportzentrum wurde nach ihm benannt.

In den kulturellen Bereich zählt für mich auch die Bildung. Mit der Staatlichen Zeichenakademie besitzt Hanau eine renomierte Fachschule im gestalterischen Bereich und eine der ältesten Goldschmiedeschulen Europas.

Originäre Hanauer kulinarischen Spezialitäten gibt es eigentlich nicht. In der Main-Gegend gibt es in vielen Städten Apfelwein – hier auch Äppelwoi genannt – und Handkäs. Ich wollte an dem Tag, als ich die Innenstadt von Hanau erkundete in das Restaurant Hanauer Bub. Aber Montags war geschlossen……. 😦 Dort hätte ich regionale Spezialtitäten probieren können. Immerhin habe ich mir eine Flasche Äppelwoi als Mitbringsel gekauft.

Na mein liebes Hanau!

Welch ungewöhnlicher Besuch in einer ungewöhnlichen Zeit bei dir! Aber du warst sehr gastfreundlich zu mir und hast mir einen schönen Tag bei dir beschert. Besonders gerne erinnere ich mich an deinen Stadtteil Steinheim mit seiner intakten und gut erhaltenen Altstadt und an das Wilhelmsbad und seinem außergewöhnlichen Park. Ich hoffe, dass wir uns bald wieder begegnen. Vielleicht mal in einer wärmeren Jahreszeit, damit ich noch mal einen anderen Eindruck von dir bekomme.

Ich wünsche dir alles Gute. Bis bald!

Gießen – Universitätsstadt und ehemaliger Militärstandort

Auf den Weg in den Süden nach Offenbach am Main und Hanau habe ich mich im gemütlichen Gießen aufgehalten. Ich habe zwei halbe Tage eingeplant. Die Außenziele habe ich auf dem Hinweg besucht und die zentralen Sehenswürdigkeit drei Tage später auf dem Rückweg in die Heimat.

Gießen ist eine Stadt mit hochrangingen Universitätseinrichtungen und hat – mit Marburg zusammen – einer der höchsten Studentendichte Europas. Außerdem gehört die Universität in Gießen zu den ältesten in Deutschland.

Auch das Militär war in den letzten fast 200 Jahren ein fester Bestandteil der Stadt neben Regimentern aus Fürstenzeiten war auch die Wehrmacht und die US Army hier stationiert.

Das Wetter im Februar ist während meines Aufenthalts etwas unbeständig gewesen, was meinen Besuch etwas getrübt hat. Ich musste wegen des Regens etwas flotter die Ziele abarbeiten. Für den Augenblick ist das natürlich ein wenig unglücklich gewesen, aber da ich in Zukunft noch öfter im Rahmen meines Projektes in den Süden düsen werden, komme ich im Prinzip fast immer an Gießen vorbei, so daß ich hier definitiv bei Sonnenschein ein Päuschen einlegen werde!

Sehenswerte Bauwerke

Besonders auffällig sind die im Stadtgebiet verteilten Hochbunker der Bauart Winkel aus dem zweiten Weltkrieg. In Gießen stehen bundesweit die meisten dieser Art. Sie sehen ein wenig aus wie dicke Zigarren und stehen in Gießen hauptsächlich auf ehemaligen Kasernengeländer, wie zum Beispiel den Pendleton Barracks. Ihre Form sollte wenig Angriffsfläche für Bomben bieten und somit besonders schützen.

Am Rande bzw. außerhalb der Stadt Gießen bin ich durch hübsche kleine Ortschaften gefahren. Dort konnte ich auch einige Burgen entdecken, teilweise besichtigen und natürlich fotografieren. Schade, dass mir das Wetter wenig Freiraum ließ, sonst hätte ich noch einige Fotos mehr machen können. Die Burg Gleiberg ist eine Gipfelburg auf einem Hügel im gleichnamigen Ort und ist heute eine Ruine. Sie wurde um 900 n.Chr. erbaut. Heute gibt es dort ein Restaurant und es ist auch ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Burg Vetzberg ist nicht weit entfernt; im Ort nebenan und befindet sich ebenfalls auf einem Hügel. Diese Burg ist wenige Jahrhunderte jünger und mittlerweile mit seinem Bergfried ein beliebter Aussichtspunkt.

Ich bin dann weiter stadteinwärts gefahren und habe noch kurz am Bismarckturm gehalten. Immernoch fasziniert mich, dass so viele Städte einen Bismarckturm haben, was irgendwie wohl auch selbstverständlich scheint! Jahrzehnte lang lebte ich in Hannover ohne zu wissen, dass es solche Türme gibt. Ich bin nicht unbelesen und insbesondere Geschichte ist ein Steckenpferd von mir, aber da Hannover seit dem Krieg keinen Bismarckturm besitzt und ich früher nicht so oft in anderen Städten gewesen bin, habe ich nie von der Existenz solcher Türme erfahren! Dieser Bismarckturm wurde 1906 erbaut und befindet sich auf der Hardt-Höhe.

Südöstlich von Gießen befindet sich das sehr gut erhaltene Kloster Schiffenberg. Im 7 Jahrhundert stand hier eine Burg bevor das Bauwerk im 12. Jahrhundert in ein Kloster umgewandelt wurde. Mittlerweile befindet sich dort unter anderem ein Restaurant, welches gut geeignet ist für größere Festivitäten.

Am südlichesten Rand des Landkreises befindet sich das Kleinkastell Holzheimer Unterwald. Zu Zeiten des Römischen Reiches verlief hier in der Nähe der Limes. Die Grundmauern des Kastells sind gut erhalten und sichtbar.

Auch auf dem Stadtgebiet gibt es natürlich historische Bauten und Zeugnisse vergangener Tage wie auch der Gegenwart. Von der Gießener Stadtmauer konnte ich nicht viele Reste sehen, aber immerhin gibt es noch erhaltene Reste der Walltorbastion nahes des Arbeitsamtes.

Die Georgenschanze ist ebenfalls ein alter Teil der Stadtmauer, auch wenn das auf dem ersten Blick nicht so aussieht.

Zentral am Kirchplatz befinden sich mehrere Sehenswürdigkeiten. Das Leib’sche Haus ist ein alter Fachwerkbau aus dem 13. Jahrhundert. Das Gebäude ist mittlerweile restauriert und beherbergt das Oberhessische Museum für Stadtgeschichte und Volkskunde.

Direkt daneben befindet sich das Wallenfels’sche Haus. Dort befindet sich eine bedeutende Antikensammlung der Justus-Liebig-Universität und eine außergewöhnliche Sammlung an tibetanischen Ausstellungsstücken wie zum Beispiel Buddhafiguren.

Ganz einsam ohne Kirchenschiff steht der Stadtkirchenturm am Kirchenplatz. Der Kirchturm ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein beliebter Aussichtsturm mit schönem Blick über die Stadt. Außerdem befindet sich dort eine kleine Kapelle. Das Kirchenschiff ist leider im Krieg zerstört worden.

Nur wenige Meter weiter steht das Geburtshaus Wilhelm Liebknechts! Er war zusammen mit August Bebel Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und Vorkämpfer der Arbeiterbewegung.

Ein weiterer Hotspot an Sehenswürdigkeiten befindet sich am Brandplatz. Das Alte Schloß war ein Wohnsitz vom Landgrafen von Hessen Heinrich II und ist mittlerweile ein Standort des Oberhessischen Museums.

Der Brandplatz ist immer schon auch ein Marktplatz gewesen. Das kann man ganz besonders an den Marktlauben erkennen, welche nach einen Großbrand (daher Brandplatz) gebaut wurden Die Zünfte konnten in den einzelnen Lauben ihre jeweiligen Erzeugnisse verkaufen. Auch wegen des Großbrandes beschloß man ein Spritzenhaus zu bauen (damalige Feuerwehr), welches heute ein an einer kleinen Turmspitze zu erkennen ist und nicht mehr die frühere Funktion inne hat.

Prägend im Stadtbild ist die Johanneskirche. Sie hat den höchsten Kirchturm der Stadt und ist hessisches Kulturdenkmal.

Nicht weit entfernt befindet sich ein außergewöhnlicher, moderner Fußgängerüberweg, welcher im Volksmund Elefantenklo genannt wird…

Der Gießener Hauptbahnhof wurde in rotem Sandstein gebaut und ist einer der seltenen Keilbahnhöfe. Links und rechts des Gebäudes verlaufen Schienen und kommen an der südwestlichen Spitze zusammen. Ein schönes Gebäude!

Das altehrwürdige Gasthaus zum Löwen befindet sich in der Innenstadt in einem der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Hier hat wohl schon Goethe gespeist und getrunken.

Kultur und Bildung

Justus von Liebig war schon mit 21 ein junger Professor in Gießen an der Ludwiguniversität und war mit seinen Lehrmethoden und seinen Entdeckungen ein sehr beliebter Professor in der Chemie und Pharmazie. Er war einer der Entdecker des Chloroforms. Nach dem Krieg wurde die Universität auf seinen Namen umbenannt. Hier wurde der Gießen-Test entwickelt, womit man sowohl das Selbst- und Idealbild der eigenen Person als auch das Fremdbild anderer Personen erfassen kann. Der Test wird unter Anderem in der Psychotherapieforschung eingesetzt.

Zur Justus-Liebig-Universität gehört auch das Neue Schloß am Brandplatz, welches vom Landgraf Philipp dem Großmütigen erbaut wurde. Es gehört zu den bedeutendsten Fachwerkbauten Hessens und wurde im Krieg nicht beschädigt. Direkt daneben befindet sich das Zeughaus und der Botanische Garten der Universität – einer der ältesten botanischen Gärten Deutschlands.

Dem Justus Liebig wurde das Liebig Museum gewidmet – eines der wichtigsten Chemiemuseen weltweit! Dort wird gezeigt, wie die Anfänge der Chemie waren und wie Chemiker seinerzeit arbeiteten.

Direkt daneben steht das Mathematikum. Es ist das erste Mathematikmuseum der Welt und ein Experementiermuseum.

Auch Wilhelm Conrad Röntgen war Professor in Gießen. Im zu Ehren wurde ein Denkmal gesetzt für seine größte Entdeckung, welche nach ihm benannt wurde.

Dreht man sich an dieser Stelle um 180 °, sieht man das Stadttheater Gießen, welches fast baugleich mit den Theatern in Klagenfurt und Gablonz aussieht – es wurde vom gleichen Architekten erbaut. Es ist ein Mehrspartentheater, in dem viele Veranstaltungen statt finden.

Nicht weit von hier entfernt befindet sich das Dachcafé Gießen. Es ist das höchstgelegene Restaurant der Stadt von dem man einen ausgezeichneten Ausblick genießen soll. Bei den Wetterverhältnissen während meines Besuches habe ich mir den Ausblick allerdings geschenkt und werde ihn nachholen.

Eines der kuriosesten Spezialmuseen überhaupt ist das Gießkannenmuseum in Gießen – der gleiche Wortstamm ist dabei doch sehr auffällig! Es ist erst wenige Jahre alt und wurde im Zuge der Landesgartenschau gegründet.

Ganz in der Nähe befindet sich die Touristinfo, wo ich vor einem Regenschauer Schutz gefunden habe und mit der überaus freundlichen Dame am Schalter ein tolles Gespräch über Gießen geführt habe. Die Ergebnisse habe ich in meine fünf ausgeklügelten Fragen einfließen lassen:

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Die Landesgartenschau 2014 war ein ganz tolles Ereignis und hat der Stadt sehr sehr gut getan. Mit Gießen verbinde ich auch meine Schul- und Unizeit. Sie war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Ich mag die Lahn – der Fluss fließt durch Gießen – und die schöne Natur drumherum. Außerdem gehe ich gerne in unsere Museen und ins Theater. Gießen hat viel zu bieten!
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Na die Touristinfo natürlich! Hier kann man sich über alles informieren! Sehr lohnenswert ist das Mathematikum und das Lahnfenster, wo man in dem, teils im Fluß unter der Wasseroberfläche gebauten, Gewässer-Informationszentrum zum Beispiel den Fischaufstieg beobachten kann.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? !..Gießen hat die höchste Studentendichte gemessen an der Einwohnerzahl in ganz Deutschland und zusammen mit Marburg sogar in ganz Europa.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Gießen hat seit der Landesgartenschau viel Aufmerksamkeit erhalten und ich hoffe, dass das so weiter geht.

Auf das Lahnfenster bin ich erst im Interview aufmerksam geworden. Zu dieser Jahreszeit (ich war im Februar in Gießen) war es natürlich geschlossen.

Direkt gegenüber auf der anderen Lahnseite befindet sich der Regattaverein Gießen e.V. Der Verein betreibt die größte deutsche Ruderregatta – die Gießer Pfingstregatta.

Sehr bekannt im Sport ist der MTV Gießen von 1846. Er gehört zu den ältesten noch existierenden Sportvereinen Deutschlands und brachte eine der erfolgreichsten Basketballmannschaft mit etlichen Meister- und Pokalsiegen hervor.

1787 wurde die älteste deutsche Tanzschule gegründet. Sie wird in 6. Generation geführt und heißt Tanzschule Axel Bäulke.

Typisch Gießen ist die manische Sprache, welche in manchen Stadtteilen – vornehmlich arbeitergeprägt – noch teilweise gesprochen wird. Es wird als eine Art geheimsprachlicher Soziolekt bezeichnet, in dem sich Teile aus dem Romani, dem Deutschen und dem Jiddischen (und einige Sprachen mehr) mit der Zeit irgendwie vermischten. Heute wird es in Gießen noch in den Stadtteilen/Quartieren Gummiinsel, Margarethenhütte und Eulenkopf gesprochen. Ein Foto konnte ich nicht machen.

Mitten in Gießen steht die Schlammbeiser Statue. Das Denkmal zeigt einen Menschen, welcher früher – bevor es Kanalisationen gab – die Fäkalien der Einwohner einsammelte und entsorgte. Alteingesessene Gießener „dürfen“ diesen Ortsnecknamen ebenfalls führen.

Ende der 1970er Jahre war Gießen gut 1 1/2 Jahre in einem größeren Städteverbund integriert und hieß damals zusammen mit Wetzlar und dem Dillkreis Stadt Lahn. Diese Gemeinde hatte rund 160.000 € Einwohner. Der Widerstand der Einwohner und keine klare zentrale Funktionseinrichtungen brachten diesen Zusammenschluss allerdings zum scheitern.

Nordwestlich von Gießen befindet sich der schöne Gail’sche Park. Die Gartenanlage im Stil eines englischen Landschaftsgartens wurde vom Gießer Unternehmer Gail in Auftrag gegeben.

Im Bereich Kulinarisches habe ich vergeblich nach dem Lohkuchen gesucht. Im Internet konnte ich leider nicht herausfinden, ob und wo es ihn zu kaufen gibt. Ich vermute mal, dass der Lohkuchen eine saisonale Spezialität ist.

Gießener Unternehmen

Die eben genannte Unternehmerfamilie Gail war groß im Geschäft mit Tabak, Zigaretten und Zigarren und gehörte in seiner Hochzeit zu den führenden Herstellern. Die Gail’sche Zigarettenfabrik ist immernoch vorhanden. In ihr befindet sich mittlerweile das Gießener Polizeipräsidium. In unmittelbarer Nähe befindet sich Gail’sche Dampfziegelei & Tonfabrik. Das Gebäude ist eine der letzten Industriebrachen der Stadt.

Pascoe Naturmedizin gehört zu den traditionsreichsten Unternehmen Deutschlands in der Branche Naturheilkunde und Homöopathie.

Das japanische Unternehmen Canon betreibt ein Drucker- und Kopierwerk in Gießen. Es ist zudem das erste Werk Canons innerhalb von Europa.

Lakewood Guitars ist ein renomierter Hersteller hochwertiger, akustischer Gitarren aus Gießen.

So mein liebes Gießen,

zwei schöne halbe Tage habe ich bei dir verbracht und du kannst dir sicher sein, dass ich noch mal vorbei schauen werde! Zum Glück liegst du auf dem Weg nach Süden sehr günstig, denn ich muss noch einige Städte im Süden besuchen und komme im Grunde genommen fast immer bei dir vorbei! Die Wetterkapriolen haben leider nicht zugelassen, dass ich entspannter durch die Straßen deiner Stadt flaniere, aber dennoch konnte ich erkennen, was für ein fröhlicher und freundlicher Ort du bist.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen!

Bis bald!

Gütersloh – Musikstadt mit zwei Weltunternehmen

Als letzte Stadt in 2019 besuchte ich Gütersloh. Diesmal wieder zusammen mit meiner Freundin! Ich hatte ihr zum Geburtstag Karten für eine Comedyveranstaltung in Gerry-Weber-Stadion in Halle (Westf.) geschenkt und wir nutzten die Gelegenheit ein Wochenende im nahen Gütersloh zu verbringen. So konnte ich die Stadt auf meiner Liste ebenfalls abhaken.

Die Stadt hat zwar keine spektakuläre Vergangenheit, aber sie brachte zwei Weltunternehmen hervor, welche in ihrem Bereich eine Kapazität sind. Bertelsmann und Miele.

Wir hatten richtig gutes, sonniges und trockenes Wetter. Und im Zusammenspiel mit einer sehr entspannten und ausgesprochen friedlichen gütersloher Atmosphere, haben wir zwei schöne Tage hier gehabt. Meiner Freundin ist das ganz besonders aufgefallen. Geht es auf meinen Städtetouren manchmal etwas hektisch zu, haben wir uns von Punkt zu Punkt recht entspannt bewegt. Außerdem fiel uns auf, wie fahrradfreundlich diese Stadt ist. Fahrradwege sind überall sehr deutlich gekennzeichnet und wir hatten das Gefühl, dass Fahrradfahrer und Fußgänger im Verkehr mehr Vorrang haben als Kraftfahrzeuge.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Im Krieg noch einigermaßen glimpflich davon gekommen, konnten wir in Gütersloh noch viel Altbau entdecken und bildlich einfangen. Insgesamt waren die Wege natürlich kurz, was uns einen schönen Spaziergang durch die Stadt bescherte.

Besonders schön und gut erhalten ist der historische Stadtkern Gütersloh am Alten Kirchplatz mit seinem Fachwerkring. Dort befinden sich viele sogenannte Spieker-Fachwerkhäuser. Das Veerhoffhaus zum Beispiel gehörte seinerzeit einem Musikalienhändler nach dessen Namen es benannt wurde. Heute ist es Sitz des Kunstvereins (letztes Bild).

In der Nähe stehen noch zwei weitere historische Bauwerke, deren Fotos ich entsprechend der Nennung anfüge. Die katholische Alte Vikarie steht nach meinen letzten Informationen aktuell leer. Viele Jahrzehnte wurde sich dort um die geistige Gesundheit psychisch kranker Menschen gekümmert.

Einen Katzensprung weiter steht die Villa Bartels, welche dem Textilunternehmer Bartels seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte. Seit einigen Jahrzenten gehört das Gebäude der Stadt Gütersloh. Die Fassade wirkt untypisch für Gütersloh, was daran liegt, dass die Familie Bartels aus dem Bergischen Land stammt.

Ein weiteres sehr hübsches Fachwerkhaus ist das Weberhaus. Es ist ein gut erhaltenes Beispiel damaliger Ackerbürgerhäuser, welche von Menschen bewohnt wurden, welche ihre Brötchen in der Landwirtschaft verdienten.

In der Königstr. steht noch eines der letzten Dielenhäuser Gütersloh. Dielenhäuser zeichnen sich durch hohe meist zweigeschossige Dielen aus, welche einen beträchtlichen Raum im Haus einnehmen. Heute befindet sich in dem Haus eine Bäckerei.

Der Berliner Platz wird im Volksmund HertieVorplatz genannt. Die Gütersloher waren sehr angetan, als dort das erste große Kaufhaus von Hertie eröffnete – ein Meilenstein in der wachsenden Stadt. Dort steht auch das ehemalige Gebäude des Alten Amtsgerichts – ein Neorenaissancebau.

Ganz in der Nähe steht die Martin-Luther-Kirche. Sie ist zwar kaum 120 Jahre alt aber bekannt für ihr Nachtsanggeläut. Sie ist die einzige Kirche Deutschlands, in welcher das Nachtsanggeläut noch statt findet. Dabei werden Rhythmik und Melodien durch anziehen, schlagen und loslassen mit Händen und Füßen geläutet.

Ebenfalls nicht ganz so alt, aber mit einer speziellen, eigenwilligen Schönheit, befindet sich im Zentrum das Gütersloher Rathaus. Seine Fassaden bestehen aus Tengener Muschelkalk.

Relativ stadtnah ist der Wasserturm der Stadt mittlerweile ein Industriedenkmal unter Denkmalschutz.

Am äußeren Rand der Innenstadt befindet sich mit der Meiers Mühle einer der ältesten Mühlenstandorte der Stadt. Es wird vermutet, dass der Mühlenstandort und die Gegend drumherum die Keimzelle der Stadt ist.

Im Stadtteil Spexard befindet sich das Spexarder Bauernhaus. Es gilt mit fast 500 Jahren als das älteste Gebäude der Stadt Gütersloh und konnte Dank einer Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt werden. Das Bauernhaus ist eines der letzten Zeugnisse eines bäuerlichen Ursprungs der Stadt und der Gegend.

Kulinarische Spezialitäten

In Gütersloh gibt es an sich keine originäre Gütersloher Spezialität. Allerdings befanden wir uns in Ostwestfalen und aus früheren Besuchen wie zum Beispiel in Bielefeld oder Paderborn, wußte ich um die Ostwestfälischen Spezialitäten, welche meist deftig und reichhaltig sind.

Gleich morgens nach der Ankunft frühstückten wir im Café Fritzenkötter. Dort habe ich zum einen den Lippischen Pickert gegessen. Dies ist ein Kartoffelgericht und sieht aus wie ein richtig dicker Kartoffelpuffer mit Marmelade oder Goldsaft obendrauf – bis heute und seit Bielefeld eine meiner liebsten Entdeckungen in meinem Projekt! Das Café ist auch eine Confisserie und stellt die Gütersloher Glocken her. Diese sind Schokoladenpralinen in Anlehnung an das Gütersloher Nachtsanggeläut. Natürlich gab es auch andere Süßigkeiten und viele leckere Broterzeugnisse.

Besonders Westfälisch ist der Pumpernickel, welcher in Gütersloh von dem Unternehmen Mestemacher hergestellt wird. Den Pumpernickel dieses Herstellers bekommt man überall in vielen Variationen. Eine Portion westfälischen Schinken habe ich mir in einer Fleischerei besorgt, wie man auf dem Bild mit meinem Mitbringseln erkennen kann.

Im Gütersloher Brauhaus haben wir zu Abend gegessen und ich gönnte mir das selbstgebraute und auch sehr leckere Bier und ein deftiges Pfännchen.

Kurz bevor wir am Sonntag nach Hause gefahren sind gönnte ich mir noch einen Cappuchino in einem Café am Dreiecksplatz und hatte auch noch die Gelegenheit mit den Damen am Tresen die Antworten zu meinen 5 ausgeklügelten Fragen auszuarbeiten!

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Man kennt sich. Gütersloh ist eigentlich wie ein Dorf.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Das Wapelbad ist mir/uns am Liebsten. Dort ist es schön ruhig und man trifft viele coole Leute!
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Der Stadtpark ist ein besonders schönes Idyll zum Spazieren und Entspannen. Und das Alte Dorf bzw. der Alte Stadtkern ist ebenfalls sehr schön und besonders gut erhalten.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Der Gütersloher hält sich gerne in seinem eigenen Reich auf. Aber sobald irgendwas in der Stadt los ist, trifft man sie alle!
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Die Stadt ist westfälisch konservativ und könnte durchaus mehr Offenheit zeigen. Da Gütersloh keine wirkliche Universität besitzt, wäre es toll, wenn wir mehr Zulauf von jungen Menschen hätten.

Das Rückgrat der Wirtschaft

Die Miele & Cie. KG gehört zu den traditionsreichsten und besten Haushalts- und Gewerbegerätehersteller überhaupt und betreibt über Europa verteilt mehrere Werke. Miele war in Europa das erste Unternehmen, welches einen elektrischen Geschirrspüler herstellte. In Gütersloh befindet sich natürlich auch das Miele-Museum, wo auch ein Exemplar eines Automobils steht, welches in der kurzen Phase von 1912-1914 hergestellt wurde, als Miele auch Automobile herstellte.

Das andere Weltunternehmen in Gütersloh ist die Bertelsmann SE & Co. KGaA. Das Unternehmen gehört zu den größten Medienkonzernen der Welt und ist beispielsweise an bekannte Unternehmen wie RTL Group, Arvato und BMG beteiligt. Das Unternehmen ist zwar kapitalmarktorientiert, wird aber weiterhin von der Gründerfamilie Mohn kontrolliert. Bertelsmann ist in vielen Bereichen der Medienlandschaft tätig.

Ein weiteres eher unbekanntes Unternehmen ist die Friedrich Amtenbrink GmbH & Co. KG. Das Unternehmen ist in der Stahlverarbeitung tätig und Marktführer in seinen Hauptbereichen Brennen, Lasern und Plasmaschweißen.

Kultur, Sport und Freizeit

Im Interview wurde bereits der Stadtpark empfohlen und diesen haben wir an dem herrlichen Sonntag Vormittag besucht und das tolle Wetter genutzt für eine entspannte Zeit. Der Stadtpark ist bundesweit unter Kennern bekannt, da er schon einige Preise und Anerkennungen gewonnen hat. Durchaus ist er auch weltweit bei Stadtparkinteressierten bekannt! 2019 wurde der Stadtpark bei der weltweiten Abstimmung „Green Flag Award People’s Choice“ unter die Top 5 der zur Wahl stehenden Parkanlagen gewählt.

Eine richtig schöne Sache fanden wir im Norden von Gütersloh mit der Dampf-Kleinbahn-Mühlenstroth. Durch eine private Initiative in den 1970er Jahren von Eisenbahnfreunden /-fans, wurde diese Anlage mit einigen Loks und Schmalspurschienen erstellt und erfreut mit vielen Tauschen Besuchern pro Jahr großer Beliebtheit.

Ein schönes Gebäudeensemble und Industriedenkmal steht auf dem Geländer einer alten mechanischen Baumwollweberei. Die Weberei ist mittlerweile ein Kulturzentrum mit Kinos, Restauration, Diskothek usw. Wie so oft bei solch alten Gemäuern sollte der Komplex abgerissen werden, aber die Gütersloher Bürger setzten sich für den Erhalt ein. Die Weberei steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die Aramäer sind eine Volksgruppe, welche ihre Wurzeln in der Antike in Vorderasien hat. Ihre Sprache und Kultur geht auf Zeit zurück als Jesus Christus noch lebte und wenn ich nicht irre, sprach er selbst ebenfalls aramäisch. In Gütersloh und Umgebung leben bis zu 13.000 Aramäer, so dass Gütersloh eine Hochburg des Aramäischen ist. Die Aramäer sind in Sportvereinen und in der Syrisch-Orthdoxen Kirche organisiert. Die St. Stephanus Kirche ist so eine Kirche. In dem Gebäudekomplex müßte wohl auch die Vereinszentrale des Fussballclubs Die Aramäer Gütersloh e.V. 1987 gelegen sein.

Die St. Lukas Kirche ist ebenfalls eine Syrisch-Orthodoxe Kirche. Im Stil des Brutalismus erbaut, war sie erstmalig eine evangelische Kirche.

Die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde St. Maria befindet sich im Süden der Stadt. An diesem Sonntag Vormittag fand dann auch ein Gottesdienst statt, welcher gerade zu Ende war. Ich hatte beim Fotografieren des Gotteshauses ein Erlebnis, welches mir zeigte, wie schwierig es Menschen aus umkämpften Gebieten haben; wie gesagt, Vorderasien ist in etwa die originäre Heimat dieser Volksgruppe und da zählen Staaten wie Syrien und der Irak dazu. Jedenfalls sprach mich eine Gruppe Männer an, warum ich denn ihre Kirche fotografiere und ich habe natürlich erklärt, worum es mir ging. Es schien dann ok zu sein. Letztlich konnte ich für mich persönlich in diesem Zusammenhang nur Hypothesen aufstellen. Möglicherweise herrscht eine gewisse Vorsicht.

Einen Standort oder ein Vereinsheim für den Aramäischer Sport Club Suryoye Gütersloh e. V. konnte ich nicht finden.

Das Stadtmuseum in Gütersloh befindet sich in einem Areal mit mehreren historischen Gebäuden. Die medizinhistorische Ausstellung ist eine bekannte und preisgekrönte Ausstellung des Museums. Außerdem steht im Stadtmuseum eine Replik des Pavenstädter Riesenbechers. Dieser große Tonbecher ist der älteste Beweis von Besiedlung auf Gütersloher Boden.

Seenotrettung wurde quasi in Gütersloh erfunden – salopp gesagt. Der Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Adopf Bermpohl wurde in Gütersloh geboren. Das Haus steht Am Alten Kirchplatz.

Ungewöhnlicherweise spielt die See in Gütersloh eine große Rolle. Die Stadt ist zudem sehr musikalisch! Der Shanty-Chor Nordwind (leider ohne Foto), der Shanty-Chor Gütersloh (ebenfalls ohne Foto) und der Shanty-Chor Luttermöwen, welcher seinen Standort nach meinen Informationen im Gebäude des CVJM Isselhorst hat, haben ihren Sitz in Gütersloh.

Traditionsreich ist auch der Städtische Musikverein Gütersloh, welcher zu den ältesten und bedeutendsten in ganz Deutschland gehört (leider ohne Foto).

Weit über die Grenzen Gütersloh hinaus bekannt ist der Bachchor Gütersloh. Er wurde nach dem Krieg gegründet und wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Auf dem Foto, was folgt ist ein Fachwerkhaus am Alten Kirchplatz zu sehen. Dort befindet sich das Kantorbüro.

Das Besondere an der Westfälischen Kammerphilharmonie Gütersloh ist, dass sie aus Mitgliedern namhafter deutscher Kulturorchester, freischaffender Musiker und Studierenden renommierter Musikhochschulen besteht. Ein Foto konnte ich leider nicht machen. Das Büro befindet sich meinen Informationen nach in einem privaten Gebäude.

Die Musikschule für den Kreis Gütersloh ist eine wichtige Institution für das kulturelle Leben der Stadt und beteiligt sich an etlichen Veranstaltung in Gütersloh.

Dann gibt es hier noch das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, welches bekannt ist für seinen Posaunenchor, der Big Band und der Stiftskantorei.

Viele kulturelle Veranstaltung finden in der Stadthalle Gütersloh statt. Ich gehe davon aus, dass die eben genannten Institutionen sicherlich auch dort auftreten. Ganz in der Nähe habe ich ein interessantes Graffiti entdeckt, welches die Musikstadt Gütersloh darstellt.

Ein interessanter und wie ich finde schöner Bau ist das Theater Gütersloh. Das alte Theater – Paul-Thöne-Halle – musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, so dass der Bau eines neuen, modernen Theaters beschlossen wurde. Ich finde, es kann sich sehen lassen!

Nicht auf meiner Liste war die ADTV Tanzschule. Ich fand das Gebäude ganz schön und habe es einfach fotografiert. Informationen zum Gebäude konnte ich nicht finden.

Mein liebes Gütersloh,

in 2019 bist du die letzte Stadt gewesen, welche ich auf meiner Tour besuchte und ich muss ehrlich sagen, ich hätte mir keinen besseren Abschluss vorsellen können! Das Wetter hat mitgespielt und ich konnte mit meiner Freundin zwei schöne und entspannte Tage bei dir verbringen. Deine Entspanntheit und Unaufgeregtheit hat uns sehr gut getan und wir fanden es schön alle Ziele in der Innenstadt per Pedes erreicht zu haben. Vielen Dank für das schöne Wochenende und alles Gute für dich!

Bis bald!

Braunschweig – Industriegeschichte und Wissenshochburg im ehemaligen Herzogtum

Die Zeit nach dem Sommerurlaub plätscherte so dahin und ich konnte bis in den November hinein aufgrund eines engen Terminkalenders, keine weitere Stadt besuchen. Spontan habe ich entschieden nicht ins Weite zu schweifen, wo das Gute doch so nahe ist. Über Braunschweig habe ich herausgefunden, dass die Stadt doch viele Jahrhunderte lang eine der drei Lebkuchenzentren neben Aachen und Nürnberg im deutschsprachigen Raum war. In der neueren Zeit wurde allerdings lange Zeit kein Lebkuchen hergestellt. Erst in den letzten Jahren fingen drei Traditionsbäcker wieder an die Lebkuchtradition zum Leben zu erwecken.

Die Weihnachtszeit stand kurz bevor und da ich der wahrscheinlich größte Lebkuchenfan der Welt bin, habe ich mich für einen Besuch in Braunschweig entschieden. Leider konnte ich keinen Lebkuchen finden. Traditionell wurde er bisher immer nach Totensonntag angeboten. Dieser Tag stand noch bevor. Aber auch nach Totensonntag konnte ich leider auch keinen Lebkuchen mehr bekommen! Ich habe die drei Traditionsbäcker per Mail kontaktiert und mir wurde gesagt, dass das Lebkuchenbacken vor wenigen Jahren bereits wieder eingestellt wurde. Schade! Die Stadt Braunschweig hätte das mal ruhig auf ihrer Internetseite aktualisieren können!

Nun ja. Dennoch lohnte sich der zweitägige Ausflug nach Braunschweig enorm. Sie ist eine Stadt mit langer Industriegeschichte und einer bedeutenden Forschergegenwart. Außerdem kann man durchaus erkennen, dass diese Stadt zu einer der lebenswertesten und zukunftsträchtigsten Städte Deutschlands zählt.

Unter Heinrich dem Löwen aus dem Geschlecht der Welfen wurde aus Braunschweig eine mächtige Handelsstadt, welche auch der Hanse beitrat. Seit dieser Zeit ist der Löwe das Wappentier und Wahrzeichen der Stadt.

Die Traditionsinseln

Als eine aus dem Mittelalter gewachsene Stadt bestand die braunschweiger Innenstadt aus etlichen historischen Bauten verschiedener Stilrichtungen. Die Bombardements des zweiten Weltkrieges haben leider viel von der historischen Bausubstanz unwiederbringlich vernichtet. Nach dem Krieg haben sich der Denkmalschützer Kurt Seeleke und der Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer zusammen getan und das Konzept der „Traditionsinseln“ entworfen. Noch einigermaßen erhaltene historische Bauten sollen wieder in Schuß gebracht und gesichert werden. Es gibt 5 „Traditionsinseln„, welche sich um die vorhandenen Kirchen der Innenstadt befinden. Im Aegidienviertel befindet sich die „Traditionsinsel“ um die Aegidienkirche. Sie ist eine turmlose gotische Hallenkirche und die katholische Hauptkirche der Stadt. Nahe dran befindet sich das Leisewitzhaus – Wohnhaus des Dramatikers Johann Anton Leisewitz (gerade eine Baustelle). Mittlerweile ist es Sitz des Kath. Probstei-Pfarramtes. Im Aegidienviertel befindet sich ebenfalls das Wohnhaus des Musikers Louis Spohr. Er gehörte zu den größten Geigern seiner Zeit. Ebenfalls befindet sich in diesem Viertel das Lessing-Denkmal am Lessingplatz. Der bedeutende Dichter Gotthold Ephraim Lessing war ein bedeutender Dichter der Aufklärung und starb in Braunschweig. Die Bilder dazu füge ich entsprechend der genannten Reihenfolge an.

Eine weitere „Traditionsinsel“ ist der Altstadtmarkt rund um die Martinikirche. Der Altstadtmarkt ist der zentrale Platz der Braunschweiger Altstadt auf dem regelmäßig ein Bauernmarkt statt findet und um welchen sich etliche historische Sehenswürdigkeiten gruppieren. Die Martinikirche am Platz ist rund 900 Jahre alt und wurde von Heinrich dem Löwen initiiert. Der Altstadtmarktbrunnen ist rund 300 Jahre jünger und ein Wahrzeichen der Stadt Braunschweig. Brunnen dieser Art sind europaweit eine Seltenheit. Das Ensemble wird noch von weiteren Sehenswürdigkeiten komplettiert. Das Stechinellihaus wurde vom italiener Francesco Maria Capellini – auch Stechinelli genannt – erbaut. Angeblich stammte er von einer veramten italienischen Adelsfamilie ab. Andere Legenden besagen, dass der Braunschweigische Herzog ihn aus Italien aufgrund seiner Ehrlichkeit nach Braunschweig geholt habe. Das Rüninger Zollhaus ist ein sehr altes Fachwerkhaus, welches eigentlich in Rüningen bei Braunschweig stand und nach dem Krieg an das angrenzende Gewandhaus angebaut wurde. Es wäre sonst abgerissen worden. Am Altstadtmarkt macht es eine gute Figur wie ich finde! Das Gewandhaus war Lager-, Verkaufs- und Gildehaus der Gilde der Gewandschneider. Heute befinden sich die Industrie- und Handelskammer und Restaurants im Gebäude. Das Haus zu den Sieben Türmen ist ein barockes Wohnhaus. Die sieben Türme sind auf dem Dachgiebel zu erkennen und sollen das Gefängnis der sieben Türme in Konstantinopel darstellen. Das Altstadtrathaus ist eines der ältesten gut erhaltenen Rathäuser Deutschlands und wurde im gotischen Stil erbaut. Die Fotos zu den Sehenswürdigkeiten stelle ich ebenfalls in der entsprechenden Reihenfolge dar.

Die dritte „Traditionsinsel“ befindet sich am Burgplatz rund um den Braunschweiger Dom. Der Burgplatz ist das historische Zentrum der Stadt. Im Braunschweiger Dom befindet sich das Grab Heinrich des Löwen und das Imervardkreuz, welches ein historisches Kunstwerk ist und älter als der Dom selbst. Mitten auf dem Platz steht eine Nachbildung vom Braunschweiger Löwen – dem Wahrzeichen der Stadt schlechthin. Das Wahrzeichen ist in etwa so alt wie die Stadt Braunschweig selbst. Die Burg Dankwarderode war jahrhunderterlang Sitz der Braunschweiger Herzöge. Mittlerweile ist es Sitz eines Museums. Hinter der Burg befindet sich die Säule 2000 Jahre Christentum, welche erst seit 2006 dort steht und die Geschichte des Christentums darstellt. Um den Burgplatz herum stehen natürlich einige historische Gebäude und Fachwerkhäuser. Das klassizistischen Vieweghaus war ein Wohn- und Verlagshaus und wird nun vom Braunschweigischen Landesmuseum genutzt. Daneben befinden sich das Huneborstelsche Haus (über die Grenzen der Stadt hinaus für seine reichen Holzverziehrungen bekannt) und das Veltheimsche Haus (ein Adelshaus und nach dem Dom das älteste Gebäude am Platz). Fotos füge ich entsprechend der Nennung der Sehenswürdigkeiten an.

Die „Traditionsinsel“ Nr. 4 befindet sich im Magniviertel. Im Magniviertel mag man noch am ehesten erkennen, dass Braunschweig einst zur größten Fachwerkstadt Deutschlands gehörte. Mit seinen vielen gut erhaltenen Fachwerkbauten und vielen Kneipen und Restaurants eignet sich das Viertel sehr zum flanieren und feiern. Die St. Magnikirche – gut 900 Jahre alt – überragt das Viertel mit seiner Kirchturmspitze. An der Straße Ackerhof 2 steht das älteste inschriftlich datierbare Fachwerkhaus Braunschweigs.

Im Magniviertel konnte ich zum Ende meiner Tour in einem Bistro noch lecker zu Abend essen und mein Interview mit den fünf ausgeklügelten Fragen durchführen! Eine junge Kellnerin war bereit sich dem Interview zu stellen.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Das „Makeaway“. Es ist das Lokal, wo ich arbeite, meine Freizeit verbringe und viele Freunde habe.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Eigentlich auch das „Makeaway“. Ich bin erst seit einem halben Jahr in Braunschweig zum Studieren und bin noch dabei all die schönen Ecken dieser Stadt zu erkunden.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Die Altstadt ist wirklich sehr schön mit seinen Traditionsinseln und der Inselwallpark; eine malerische Enklave in dieser Stadt.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Braunschweig ist eine Studentenstadt. Viele junge Menschen studieren hier an der TU.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Das friedliche Miteinander und Feeling dieser Stadt soll so bleiben wie es ist. Ich fühle mich hier sehr sicher.

Die fünfte und letzte „Traditionsinsel“ befindet sich im Michaelisviertel um die Michaeliskirche herum. Die Michaeliskirche ist die kleineste der innerstädtischen Pfarrkirchen. Das Viertel hat den Krieg nahezu unbeschadet überstanden, so dass viele alte Fachwerkhäuser noch im Originalzustand stehen wie zum Beispiel ein altes Prediger- und Witwenhaus, das Hotel zur Hanse (Stammhaus des Hofbrauhauses Wolters) und der Michaelishof. Da sich das Michalisviertel am Rande der Altstadt befindet, konnte ich auch ein Stück der alten Stadtmauer fotografieren. Ganz in der Nähe befindet sich noch die Alte Knochenhauerstr. mit historischen Gebäuden.

Weitere historische Sehenswürdigkeiten

Neben den „Traditionsinseln“ gibt es natürlich viele weitere Sehenswürdigkeiten in dieser geschichtsträchtigen Stadt. Allen Voran ist das Braunschweiger Schloss zu nennen, welches in der ursprünglichen Form nicht mehr existiert. 1717 wurde mit dem Schloßbau – eine Residenz für die Herzöge von Braunschweig – begonnen und nach starker Zerstörung im 2. Weltkrieg dem Bau ein entgültiges Ende gesetzt. In der jetztigen Form ist das Schloss eine Rekunstruktion, welches überwiegend von der Stadt Braunschweig kulturell genutzt wird. An die Konstruktion schließt sich ein weiterer Bau an – die Schloßarkaden. Die Schloßarkaden sind ein riesiges Einkaufszentrum wie es sie mittlerweile in jeder größeren und kleineren Stadt gibt. Ich war dennoch sehr beeindruckt von der Größe der Mall. Die Schloßarkaden sind wesentlich größer als alle anderen Malls, welche ich bisher betreten habe! Auch die Quadriga mit Bruonia auf dem Eingangsportal ist ein rekonstruiertes Modell, obwohl das Original den Bombenhagel des Krieges fast unversehrt überstanden hat.

Herzögliches gibt es auch auf dem Löwenwall zu besichtigen, welcher in der relativen Nähe ist. Ein Obelisk erinnert an die gefallen Herzöge Braunschweigs während der Napoleonischen Kriege.

Der Kohlmarkt in Braunschweig wird als eine der Keimzellen der Stadt betrachtet. Im Mittelalter wurde hier Kohle verkauft. Auch heute noch ist er ein schöner Platz mit einigen historischen Gebäuden und man fragt sich, warum der Kohlmarkt mit seinem Gebäudeensemble nicht ebenfalls eine „Traditionsinsel“ geworden ist.

Gleich um die Ecke befindet sich das Haus Anker. Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil erbaut, bestach es durch seine damalige Modernität und einer dreistöckigen Glasfassade.

Einige Meter weiter befindet sich die Jakob-Kemenate. Sie ist eine der ältesten Profangebäude der Stadt und diente unter anderem als Schutzgebäude, Wohn-, Speicher- und Ausstellungsort. Kemenaten sind typische Gebäude für genannte Zwecke in Braunschweig. Heute wird die Jakob-Kemenate kulturell genutzt.

In der westlichen Innenstadt fand ich das Renaissanceportal. Es stand vorher am Altstadtmarkt und gehörte zu einen Haus, welches abgerissen wurde.

In der nördlichen Innenstadt befinden sich noch drei Sehenswürdigkeiten, welche meiner Meinung nach ebenfalls das Zeug zu einer „Traditionsinsel“ zu gehören. Die St. Andreaskirche ist die höchste Kirche der Stadt und hat sozusagen eineinhalb Türme; der zweite Turm blieb unvollendet. Nebenan befindet sich die Liberei. Sie soll der älteste freistehende Bibliotheksbau nördlich der Alpen sein. In direkter Nachbarschaft steht die Alte Waage. Das ursprüngliche Gebäude wäre rund 500 Jahre alt geworden, wäre es nicht von einer Fliegerbombe getroffen worden. Seit 1994 steht an gleicher Stelle eine Rekonstuktion. Früher war die Alte Waage ein Speicher- und Waagehaus und heute wird sie von der VHS genutzt. Fotos folgen in der entsprechenden Reihenfolge.

Zwischen Schloß und Burgplatz befindet sich noch das Braunschweiger Rathaus. Im neugotischen Stil erbaut ist es ca. 130 Jahre alt. Ein weniger schöner Anbau steht direkt dahinter (im Bild auf der rechten Seite zu sehen) und macht es zu einem außergewöhnlichen Gebäude mit – ich sage mal – Stilmischmasch.

In der Straße Kleine Burg 2-4 stehen sogenannte Stiftsherrenhäuser. Sie dienten als Wohnhäuser der Stiftsherren, welche für Hof und Klerus arbeiteten.

Eine herzögliche Sehenswürdigkeit habe ich noch. Im Süden der Stadt befindet sich das Schloß Richmond, welches für die Prinzessin und spätere Herzogin Augusta erbaut wurde. Sie stammte aus England, so dass das Schloss diesen Namen zur Erinnerung an den Londonder Richmondpark erhielt. Der gleichnahmige Richmond-Park am Schloß ist bekannt für seine Rhododendronblüte.

Industriegeschichte

Getränkedosen, Kameras, LKWs und Busse wurden durch Braunschweiger Arbeitskraft erschaffen und bahnten sich ihren Weg in die ganze Welt. Viele der Traditionsunternehmen gibt es heutzutage nicht mehr bzw. bei weitem nicht mehr in der Form, wie sie gestartet sind. Aber die Welt sähe heute anders aus, wenn diese Unternehmen nicht ihren Teil zur Industriegeschichte beigetragen hätten.

Die Büssing AG war einer der größten und bekanntesten Omnibushersteller Deutschlands und auch ein nahmhafter Nutzfahrzeughersteller. Nach ca. 70 Jahren eigenständiger Firmengeschichte wurde das Unternehmen von MAN übernommen und ging darin auf. Das Werksgebäude steht noch und wird mittlerweile anderweitig genutzt. Das Emblem der Büssing AG ist der Braunschweiger Löwe. Die erste Omnibuslinie der Welt führ übrigens von Braunschweig nach Wendenburg!

Die in Braunschweig gegründete Firma J.A. Schmalbach war ein bedeutender Hersteller in der Verpackungsindustrie und hat im Laufe seiner langen Geschichte im Prinzip das Dosenbier in Deutschland eingeführt! Im Laufe der Jahrzente war die Firma führender Hersteller für Dosen und Konservendosen jeglicher Art und jeglichen Inhalts weltweit und fusionierte und verflechtete sich mit etlichen Wettbewerbern. In der ursprünglichen Form existiert Schmalbach nicht mehr. Das Firmengebäude steht noch und wird von der Ardagh Group genutzt, welche im gleichen Geschäftsfeld tätig ist.

Die Firma Voigtländer war ein Traditionsunternehmen in der Fotoindustrie und leistete bedeutende Erfolge bei der technischen Weiterentwicklung von Fotoapparaten und Objektiven. Heutzutage ist der Name der Firma lediglich eine Handelsmarke. Das alte Werksgebäude existiert noch.

Ein weiteres bedeutendes Unternehmen der Fotoindustrie ist die Firma Rollei. Sie wurde ebenfalls in Braunschweig gegründet und zwar von zwei Mitarbeitern von Voigtländer. Rollei war Erfinder des Rollfilms und hatte großen Erfolg mit der Kamera Rolleiflex. Das Unternehmen exisitert noch und ist weiterhin in der Fotoindustrie tätig.

Wissensstadt mit Weltruf

Im Bereich der Wissenschaft besitzt Braunschweig einen exzellenten Ruf in ganz Europa, wenn nicht sogar in der ganzen Welt. Bekannt ist die Stadt auch als „Oker-Valley“ (in Anlehnung an das Silicon Valley in Kalifornien, USA; die Oker fließt duch Braunschweig). Hier wurde lange Zeit der legendäre Commodore C 64 produziert und ich bin ganz stolz darauf zu sagen, dass auch ich einen C 64 besessen habe! Yeah!! Diesen und vieles mehr von Commodore können im Commodore-Computer-Museum besichtigt werden.

Die Technische Universität Braunschweig trägt maßgeblich dazu bei, dass in Braunschweig eine der höchsten Wissenschaftlerdichte weltweit herrscht und dass es eine der höchsten Forschungs- und Entwicklungsintensität gibt. Anbei eine Auswahl an Fakten zur TU: Die Universitätsbibliothek Braunschweig ist die älteste einer TU in Deutschland. Das Institut für Nachrichtentechnik ist mit führend in der Weiterentwicklung der digitalen Fernsehtechnik. Das Projekt Stadtpilot der TU befasst sich mit der Erforschung des autonomen Fahrens in urbanen Gebieten. Die TU Braunschweig verlieh 1932 zum ersten mal einer Frau einen Ehrendoktortitel. Dr. Ing. h. c. Agnes Pockels entdeckte Bedeutende Erkenntnisse in der Ober- und Grenzflächenspannung. Der Botanische Garten der TU gehört mit seinen 4000 Pflanzenarten zu einer der artenreichsten Gärten überhaupt.

Weltweit eine Institutions in der Metrologie – salopp gesagt: das richtige Messen – ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. In ihr steht eine Atomuhr, welche uns ganz genau sagt, wie spät es ist.

Die Aerodata AG ist weltweit größter Anbieter von Flugvermessungssystemen und befindet sich am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Der Flughafen BS-WOB ist ein Forschungsflughafen. Dort fand 1990 die erste satellitengestützte Landungs eines Verkehrsflughafens statt.

Dort befindet sich auch das Niedersächsische Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig. Hier werden Kräfte aus vielen wissenschaftlichen Disziplinen gebündelt um ganzheitlich auf die Entwicklung einer nachhaltigen Mobilität zu blicken.

Einzigartig ist die Zusammenarbeit des braunschweiger Standortes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Luftfahrt Bundesamts. Hier wurden unter anderem wichtige Beiträge geleistet, damit die erstmalige Landung des Landers Philae und der Sonde Rosetta auf einen Kometen glückt. Bei der Gelegenheit sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ebenfalls ihren Sitz am Flughafen hat. Sie untersucht Flugunfälle, welche auf bzw. in deutschen Hoheitsgebiet statt finden.

Die Hochschule für Bildende Künste gehört zu den 5 größten Hochschulen dieser Art in Europa und ist die einzige in Niedersachsen.

Die Deutsche Müllerschule in Braunschweig ist weltweit die einzige ihrer Art, welche sich mit Mühlenbau und Müllereiverfahrenstechniken befaßt und Abschlüsse verleiht.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH gehört zu den größten und renomiertesten außeruniversitären Forschungszentren Deutschlands. Gerade in der aktuellen Zeit mit dem Covid-19-Virus steht es der Politik mit Rat und Tat zur Seite.

Bei all den gegenwärtigen Spitzen der Forschung möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass einer der größten Mathematiker seiner Zeit und überhaupt in Braunschweig geboren wurde. Am Gaußberg wurde dem Mathegenie Carl Friedrich Gauß ein Denkmal gesetzt.

Für den Dialog zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen wurde in Braunschweig ein Forum im Haus der Wissenschaft erschaffen.

Kulinarisches aus Braunschweig

Deftig, bodenständig und geradlinig geht es in der Braunschweiger Küche vor. Ganz überrascht war ich darüber wie viele Spezialitäten es in Braunschweig gibt! Ganz besonders gespannt war ich auf den Braunschweiger Lebkuchen und ganz enttäuscht ihn nicht bekommen zu haben, wie ich am Anfang des Artikels berichtete.

Nichts desto trotz konnte ich dennoch was Süßes aus Braunschweig ergattern. Uhlen un Apen heißt übersetzt Eulen und Affen und ist ein süßes Gebäck, welches auf den Schabernack treibenden Till Eulenspiegel – eine historische Braunschweiger Berühmtheit – zurück geht. Schabernack trieb er mit einem Bäcker als er sich als Bäckergeselle ausgab und nach einen kleinen Disput mit dem Bäcker aus dem Teig Uhlen un Apen backte. Fand der Bäcker nicht so doll… Uhlen un Apen bekommt man bei der Bäckerei Sanders im Konrad-Koch-Quartier.

Die Tradition des Brauens ist wie in vielen deutschen Städten auch in Braunschweig sehr groß. Bereits seit dem Mittelalter ist Braunschweig für die Braunschweiger Mumme bekannt. Das Malzgetränk war früher ein Exportschlager der Stadt und wurde wegen ihrer guten Haltbarkeit in alle Welt exportiert. Die Mumme von damals ist sicher nicht die Mumme von heute, aber der Geschmack von Malz ist und war schon immer maßgeblich. Markenzeichen der Mumme ist ein Segelschiff. Es weißt auf die Bedeutung des Exportes dieses Bieres hin. Heute wird die Mumme von der H.Nettelbeck KG betrieben. Im Angebot ist nicht nur Bier, sondern auch alkoholfreie Produkte, wie zum Beispiel Malz-Bonbon oder -extrakt. Ein Foto der Produkte folgt am Ende, wenn ich meine Mitbringsel präsentiere.

Eine ehemals große Brauerei war die National Jürgens Brauerei. Sie hat sich im Laufe der Zeit mit Feldschlösschen Brauerei aus Braunschweig zusammen getan. Im Rahmen der allgemeinen Konsolidierung des Biermarktes in Deutschland gehörte Feldschlösschen irgendwann zur Oettinger Brauerei, welche in Braunschweig die größte Braustätte Niedersachsens betreibt. Die National Jürgens Brauerei ist mittlerweile ein Craft-Beer-Produzent; den Standort konnte ich leider nicht ermitteln.

Der Liquidation im Rahmen solcher Konsolidierungsphasen konnte die Hofbrauhaus Wolters GmbH gerade noch so entgehen. Stark verankert in der Region, konnte es durch verschiedene Aktionen in Gesellschaft und Bevölkerung gerettet werden und existiert weiter als Privatbrauerei mit starkem regionalem Bezug.

Berühmt, bekannt und sehr sehr lecker ist der Braunkohl in und um Braunschweig. Es ist ein – nennen wir es mal – enger Verwandter des Grünkohls und ich war zu genau der richtigen Zeit da um frischen Braunkohl zu essen. Man bekommt ihn in einigen gutbürgerlichen Restaurants mit Bregenwurst und Kassler. Kann ich nur empfehlen! Ich bin der Empfehlung der Touristinfo gefolgt und begab mich ins Gasthaus Mutter Habenicht. Es war gleichzeitig mein Abschluss für den ersten Tag meines Besuches in Braunschweig.

Bei meiner Suche nach den Braunschweiger Lebkuchen, bin ich auch an der Bäckerei Tutschek vorbei gekommen. Lebkuchen habe ich bekanntlich nicht gefunden (ich merke gerade, wie sehr ich auf diesem Lebkuchenthema rumreite… :D), aber dafür ein Brot, welches mit der Braunschweiger Mumme verfeinert wurde – der Mumme-Laib. Auf den folgenden Fotos findet der begeisterte Leser den Mumme-Laib und andere Braunschweiger Mitbringsel.

Auf den Fotos befinden sich noch allerlei andere Mitbringsel. Das rote Döschen mit dem Braunschweiger Löwen beinhaltet handgemachte superleckere Spekulatiuskekse des Braunschweiger Bäckermeisters Karsten Fucke.

Außerdem befinden sich auf den Fotos jede Menge Wursterzeugnisse! Die Braunschweiger Wurst ist weltweit bekannt, aber überall versteht jeder was anderes darunter. Es gibt kein einheitliches Rezept oder ein Patent, so dass sie für manch einen einen Brühwurst ist, für den anderen eine geräucherte, streichfähige Mettwurst oder auch als Knackwurst. So oder so habe ich mich bei der Fleischerei Neubauer mit allerlei Wursterzeugnissen eingedeckt.

Als passionierte Cappucchino-Trinker besorgte ich mir auch ein Päckchen Espressobohnen der Kaffee Manufaktur Heimbs. Sie hat eine lange Tradition und gehört zu den größten Röstern Deutschlands.

Versäumt habe ich mir ein Päckchen Zucker zu kaufen vom zweitgrößten Zuckerhersteller Deutschlands – Nordzucker.

Sportstadt Braunschweig

Es weiß vielleicht nicht jeder, aber Braunschweig ist die Geburtsstadt des Deutschen liebstes Kind – des Fußballs. Prof. Dr. Phil Konrad Koch war ein Lehrer am Martino-Katharineum und begründete die Schulspiele in Deutschland. Außerdem führe er 1874 das Fußballspielen ein! Am Rebenring fand das erste Fußballspiel auf deutschem Boden statt. Noch heute steht dort eine Gedenktafel.

Bei der Gelegenheit muss man wohl auch erwähnen, dass auch heute noch in Braunschweig Fussball gespielt wird. Bekanntlich bin ich Hannover 96-Anhänger. Da muss ich erwähnen, dass unser größter Rivale im Fußballsport die Eintracht aus Braunschweig ist. Der Verein ist im Fußball einmaliger Meister. Im letzten Aufeinandertreffen zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 ging es für meine Roten positiv aus, so dass wir in der ewigen Bilanz zwischen diesen beinen Vereinen hauchdünn vorne liegen. Ansonsten ist die Bilanz recht ausgeglichen. Ich schaute mir das Spiel zuerst live im Stadion an und anschließend in der Wiederholung im Fernsehen. Der Kommentator sagte: “ Das ist nicht die Mutter aller Derbys, sondern die Großmutter aller Derbys!“ Sicherlich wollte er damit nicht sagen, dass es das älteste Derby in der Fußballgeschichte ist.

Deutscher Rekordmeister im American Football sind die Braunschweiger New Yorker Lions. Ebenfalls gewannen sie mehrmals den Eurobowl.

Der Braunschweiger Tanz-Sport-Club ist National und international einer der erfolgreichsten Tanzsportvereine im Standard-Formationstanzen.

Landes- und Bundesweit erfolgreich ist auch der Karateverein Shotokan Braunschweig. Ein richtiges Vereinsgelände konnte ich nicht finden, aber eine mögliche Trainingsstätte.

Der Dachverband der deutschen Luftsportverbände Deutscher Aero Club e.V. hat seinen Sitz am Braunschweiger Flughafen.

Der Radsportverein Braunschweig 1923 richtet das älteste Deutsche Straßenradrennen aus. Die Geschäftsstelle befindet sich anscheinend in einer privaten Wohnung, so dass ich kein Foto gemacht habe.

Firmen- und Unternehmenswelt

Neben den vielen Traditionsunternehmen sorgen auch andere Unternehmen moderner Art für einen attraktiven Branchenmix. Braunschweig gehört in der ganzen Bundesrepublik zu den attraktivesten Wirtschaftsstandorten mit hervorragenden Job- und Zukunftsaussichten!

Die Siemens Mobility GmbH ist der weltweit größte Standort für die Entwicklung von Produkten zur Bahnautomatisierung. Übrigens wurde in Braunschweig die erste Staatliche Eisenbahngesellschaft auf deutschem Boden gegründet – das war 1832.

Die Braunschweigische Landesbank hat die Besonderheit, dass sie eine Anstalt in der Anstalt ist. Sie gehört zwar der NordLB, aber agiert in ihrem geografischen Bereich eigenständig. Außerdem befindet sich ein zentraler Teil der Bank in einem ehemaligen Bahngebäude.

Die Richard Borek Unternehmensgruppe ist eines der ältesten Versandhäuser Deutschlands und insbesondere weltbedeutend für den Versand von wertvollen Briefmarken, Münzen und historischen Wertpapieren.

Die Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG ist ein Spezialist für den Maschinenbau in der industriellen Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe und führend insbesondere in der Zuckerindustrie.

Fujitsu Braunschweig nehme ich als Beispiel dafür, dass Braunschweig eine IT-Hochburg in Deutschland ist und eine dreimal so hohe Dichte an IT-Fachleuten besitzt als der Bundesdurchschnitt.

Braunschweig ist Sitz von Volkswagen Financial Services AG. Die Bank gehört zu den größten und innovativsten Diektbanken Deutschlands.

Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszeige der Stadt. So betreibt Volkswagen ein Werk in der Stadt, welches sein erstes Werk überhaupt gewesen ist!

Über die historische Konservenindustrie habe ich bereits im Bereich Industriegeschichte berichtet. Die LUBECA-Verschließmaschinen GmbH führt die Tradition auf ihre Weise fort und stellt entsprechende Maschinen her.

Auch in der Musikindustrie gibt es bedeutende Unternehmen mit Sitz in Braunschweig. Sandberg Guitars ist ein bekannter Hersteller von E-Bässen und E-Gitarren.

Rautmann Geigenbau mit Sitz und Gründung in Braunschweig ist der älteste Geigenbauer Deutschlands.

Die Grotian-Steinweg GmbH ist ein nahmhafter Hersteller von Klavieren und Flügeln.

Ebenfalls seinen Sitz in Braunschweig hat die Wilhelm Schimmel Piaonforte GmbH. Sie ist deutschlands größter Hersteller von Klavieren und Flügeln.

Auch in der Bekleidungsindustrie gibt es bedeutende Unternehmen in Braunschweig. Die Marke Signum gehört der Dittmar GmbH und Co KG.

Zu guter Letzt sollte man naürlich erwähnen, dass die Firma New Yorker ihren Sitz in Braunschweig hat. Sie ist einer der größten Textilhändler Deutschlands.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Attraktionen Braunschweigs

Eine der bedeutendsten Klosterbauten der Stadt ist das Kloster Riddagshausen. Das ehemalige Zisterzinserkloster strahlt eine gewisse Ruhe und Entspanntheit aus am östlichen Rand von Braunschweig und Abseits des Großstadttroubles.

Architektonisch ganz aus dem Rahmen fällt das Happy Rizzi House. Das Gebäude ist voller Pop-Art und besticht durch viele fröhliche Gesichter und Herzen und Sterne und alles was dazu gehört :-)!

Till Eulenspiegel habe ich bereits im Bereich kulinarische Spezialitäten erwähnt. Seine Uhlen un Apen sind auch in Form eines Brunnens verewigt.

Ein ganz anderer Brunnen stellt Heinrich den Löwen dar – der Heinrichsbrunnen.

In Braunschweig am Burgplatz befindet sich das kleinste Antiquariat Deutschlands – 8 Quadratmeter.

Die Komödie am Altstadtmarkt ist das größte Boulevard- und Unterhaltungstheater Niedersachsens und kommt ohne Subventionen aus.

Braunschweig ist eine Karnevalshochburg im Norden. Ist der Norden normalerweise nicht so karnevalistisch eingestellt, lassen es die Braunschweiger richtig krachen. Karneval ist eine Tradition seit dem Mittelalter in der Stadt und ist mittlerweile das viertgrößte Karnevalsfest in Deutschland. Die Geschäftsstellen der meisten Karnevalsvereinigungen befinden sich in privaten Wohnungen. Ein Foto konnte ich immerhin von der Karneval-Vereinigung der Rheinländer e.V. Braunschweig machen. Zusätzlich gibt es den Landesverband karnevalistischer Tanzsport e. V., den Landesverband karnevalistischer Tanzsport e. V. und das Komitee Braunschweiger Karneval gGmbH.

Das Patrizierhaus Achtermannsches Haus besticht durch eines der schönsten Portale eines historischen Gebäudes in Braunschweig.

Über die Kemenaten in Braunschweig berichtete ich bereits in einem anderen Teil dieses Artikels. Eine von drei noch erhaltenen Kemenaten ist die Kemanate Hagebrücke. Auch sie wird mittlerweile für kulturelle Zwecke genutzt.

Die Villa Salves Hospes gehörte ursprünglich einem vermögenden Kaufmann und ist heute Sitz des Kunstvereins Braunschweig e.V. – einem der renommiertesten Kunstvereine Deutschlands.

Im Staatstheater Braunschweig fand die Uraufführung von Emilia Galotti stand. Hinter dem Theater steht die Theaterbrücke, welche eine imposante Beleuchtung des Nachts haben soll.

Das älteste noch existierende Luftfahrtzeug der Welt ist ein Heißluftballon, welcher vor gut 300 Jahren mehrmals in Braunschweig in die Luft gegangen ist. Er ist im Städtischen Museum der Stadt ausgestellt.

Das Staatliche Naturhistorische Museum in Braunschweig ist das älteste seiner Art in Deutschland.

Die Villa Löbbecke befindet sich am Inselwallpark und gehörte seinerzeit einem Bankier. Eine schöne Sehenswürdigkeit in einer schönen Umgebung.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Lokpark. Dort stehen viele historische Züge, wie zum Beispiel der Weltmeisterzug von 1954 (Das Wunder von Bern).

Der Wasserturm auf dem Giesberg – eine der höchsten natürlichen Erhebungen Braunschweigs – hatte eine sehr große Bedeutung für die Wasserversorgung der Stadt. Außerdem besagt eine Sage, dass der Teufel Heinrich den Löwen dort nach einem Abenteuer abgesetzt hat.

Eine der berühmt-berüchtigsten Diskotheken meiner jungen Jahre war das Jolly Joker. Etliche coole Partys und Konzerte fanden dort statt und einige davon habe ich miterlebt. Das Jolly Joker sah schon immer auch etwas abgerockt aus, aber es hatte definitiv einen gewissen Charme. Heute heißt es Jolly Time und ist immer noch ein Veranstaltungsort. Ich war nicht mehr drin nach der Umbennung.

Das Herzog-Anton-Ulrich-Museum gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands und zu einem der wichtigsten Museen für alte Kunst.

Weltweit sorgt das Wunder von Braunschweig für viel Aufmerksamkeit. Hierbei geht es um ein Spendenwunder, welches 2011 begann. Ein oder mehrere anonyme Spender überweisen Geld an soziale und karitative Einrichtung und auch an in Not geratene Personen.

Hey mein liebes Braunschweig,

schon bei meinem Besuch bei dir bemerkte ich die Vielfalt in vielerlei Hinsicht, welche du zu bieten hast. Ob das nun deine Industriegeschichte, deine Rolle als Wissensstandort, die vielen unterschiedlichen kulinarischen Spezialitäten oder deine lange Geschichte ist. Du hast viel zu bieten! Ganz besonders ist mir das aufgefallen, als ich diesen Artikel geschrieben habe. Du glänzt mit vielen Superlativen! Für eine Stadt deiner Größe finde ich das sehr bemerkenswert! Gut, dass du recht nah an meiner Heimat bist, so dass wir uns mit Sicherheit bald wieder sehen. Du könntest natürlich ein wenig nachhelfen, wenn du wieder Lebkuchen anbieten würdest… 😉

Liebe Grüße und alles Gute für Dich!

Rostock – Hanseromantik mit angeschlossenem entspannendem Badeort und einer großen Liebe zum Fußballverein

Der Sommerurlaub neigte sich dem Ende entgegen. Meine Freundin und ich besuchten Rostock als letzte Station und suchten uns eine schöne Unterkunft in Warnemünde – einen Stadtteil von Rostock – anstatt in Rostock selbst. Ganze vier Tage haben wir dort verbracht und es war eine gute Entscheidung den Strand und die Promenade Warnemündes fussläufig erreichen zu können, anstatt mit Öffis oder dem Auto viele Kilometer fahren zu müssen.

Günstig am Fluß Warnow gelegen war Rostock schon immer ein Zentrum des Handels und maritimen Flairs. Im frühen Mittelalter von slawischen Stämmen gegründet entwickelte sich Rostock im Hochmittelalter zu einer der größten Städte Norddeutschlands und einer wichtigen Handelsstadt der Hanse. Außerdem wurde in Rostock die älteste Universität des Ostseeraums gegründet.

Extrem auffällig fanden wir den großen Rückhalt den die Einwohner der Stadt ihrem Fussballverein Hansa Rostock geben. Nahezu an jedem Pfeiler und an jeder Straßenlaterne klebte ein Aufkleber mit den Hansa-Emblem und an jeder Brücke oder jeder freien Wand sahen wir blau-weiße Farbe. Auch grölende Fans saßen vor einem Supermarkt und besangen ihre Mannschaft, welche sich zu diesem Zeitpunkt am Anfang ihrer Saison befand. Sogar meine Interviewpartner bezogen sich oft bei meinen fünf ausgeklügelten Fragen auf ihre Mannschaft, ihren Verein!

Einen großen Teil unseres Aufenthalts verbrachten wir in Warnemünde. Ein Stadtteil von Rostock, welcher mir ein wenig wie ein selbständiger Ort vorkam. Daher möchte ich diesen Artikel mit dem schönen Warnemünde beginnen.

Warnemünde – die Wiege des Strandkorbs

Ja richtig! In Rostock-Warnemünde wurde der Strandkorb in der Form, wie wir ihn kennen erfunden! Der Hofkorbmacher Wilhelm Bartelmann schuf eher zufällig einen Strandstuhl aus Weiden- und Rohrgeflecht, den er mit einem Markisenstoff überzog. Mit der Zeit baute er Markisen, Fußstützen und Seitentische ein. Die Strandkörbe erfreuten sich Ende des 19. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit und standen bald an vielen Deutschen Stränden an Nord- und Ostsee. Eine Gedenktafel hängt an dem Haus, wo die Frau Wilhelm Bartelmanns den ersten Strandkorbverleih aufmachte. Das Haus steht ganz in der Nähe des Leuchtturms. Und natürlich sahen wir viele Strandkörbe am Ostseestrand Warnemünde!

Eine weitere Besonderheit in Warnemünde und generell an der ganzen Ostsee ist die Suche nach Bernstein und natürlich auch der Verkauf. Ebenfalls in der Nähe des Leuchtturms haben wir uns ein Bernsteinverkaufsgeschäft angeschaut.

Ganz bekannt ist Warnemünde für sein Kreuzfahrtanlegekai. Der Kreuzfahrttourismus ist eine wichtige Branche für die Stadt, welche für diesen Tourismuszweig aufgrund seiner Nähe zu Hamburg und Berlin und dem nahen Flughafen prädesteniert ist. Fast 1 Mio Touristen jährlich steigen hier auf Kreuzfahrtschiffe und machen Touren durch die Ostsee und angrenzende Gewässer. Wir haben viele AIDA-Kreuzfahrschiffe gesehen und es war immer sehr spannend zu sehen, wie die Schiffe ablegten und ankamen.

Den Leuchtturm erwähnte ich bereits. Er ist ein Wahrzeichen des Ortes und leuchtet auch heute noch bis zu 20 Seemeilen weit. Er wird aber hauptsächlich touristisch genutzt. Wir wollten ihn eigenlich besteigen, aber dann spielte das Wetter nicht mehr mit. Direkt neben dem Leutturm steht der sogenannte Teepott. Das dreigeschossige Gebäude hat eine besondere Architektur aus hyperbolischen Paraboloidschalen und wurde Ende der 1960er Jahre gebaut. Im Gebäude kann man in Restaurants oder Imbissbuden Snacks zu sich nehmen oder in Geschäften einkaufen.

An der Seepromenade läßt man es sich gut gehen. Die breite Promenade lädt zum Spazieren und Entspannen ein und in den Geschäften und Restaurant kann man sein Urlaubstaschengeld durchaus gut investieren.

Im letzten Bild sieht man schon das Hotel Neptun. 1971 erbaut und im Volksmund Stasihotel genannt, waren insbesondere ausländsiche (Devisen)Gäste willkommen. Aber auch Fidel Castro oder Willy Brandt haben hier mal genächtigt.

Am Strom ist eine sehr geschäftige Straße bzw. Promenade, welche am Alten Strom langführt. In der Hauptsaison tummeln sich viele Touristen beidseitig des Alten Stroms in Geschäften zum Einkaufen und lassen es sich in Restaurants, Cafés und Bistros gut gehen.

Wir sind nicht nur am Alten Strom und der Seepromenade flanieren gewesen, sondern auch zentral im Ort. Auch dort ist vieles – nahezu alles – touristisch aufgezogen. Viele Geschäfte und viele schnuckelige Ferienhäuser- und Wohnungen reihen sich einander und bilden ein schönes Ensemble. Es hat uns viel Spaß gemacht dies alles zu besichtigen.

Und natürlich hielten wir uns auch auf den Molen auf, welche weit in die Ostsee ragen und haben uns Warnemünde von einem anderen Standpunkt aus angesehen. Ebenfalls konnten wir auch das Molenfeuer des Hafeneingangs sehen, die einfahrenden Fähren und Segelschiffe und auch mal einen Sonnenuntergang.

In Warnemünde haben wir auch den Yachthafen Hohe Düne und die entsprechenden Unterkünfte für die Besserverdienenden besucht. Durchaus chic!

Besonders ist in Warnemünde das Dock INN Hotel. Es ist das erste Hotel Deutschlands aus Überseecontainern.

Das weltgrößte Robbenforschungszentrum befindet sich ebenfalls in Warnemünde; nahe des Yachthafens. Hier kann man den Forschern über die Schulter schauen und viel über die Arbeit mit Robben erfahren.

Zeugnisse der Hanse und andere historische Bauten

Trotz großer Zerstörungen im 2. Weltkrieg und einem verheerenden Stadtbrand im 17. Jahrhundert konnte Rostock viele seiner historischen Bauten erhalten. Die meisten davon wurden zur Zeit der Hanse erbaut. Wie jede Hansestadt baute auch Rostock mächtige Kirchen im Stile der Backsteingotik.

Besonders hervorzuheben ist dabei die St. Marienkirche nahe des Neuen Markts und des schönen alten Rathauses der Stadt. Fast 800 Jahre alt befindet sich in ihr eine große, beeindruckende Astronomische Uhr. Außerdem hat hier der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck gepredigt.

Die Kirche St. Petri ist die älteste und mittlerweile wieder die höchste Kirche Rostocks. Bei einem schweren Luftangriff wurder der markante Turmhelm zerstört und bis kurz nach der Wende nicht wieder aufgestellt. Nun hat die Kirche wieder einen neuen kupfernen Turmhelm.

Ein weiteres kirchliches Gebäude ist das Kloster zum Heiligen Kreuz. Dort befindet sich derzeit das Kulturhistorische Museum der Stadt.

Weltliche Zeugnisse der Hanse und des Mittelalters sind vor allem das Kröpeliner Tor. Es ist eines der noch 4 vorhandenen von 22 ehemals vorhandenen Stadttoren und war schon immer eines der größten. Ich finde es sehr imposant und musste mich etwas weiter weg stellen, um es in voller Größe abzulichten.