Es ist eigentlich winterlich und trotzdem habe ich Lust mich meinem kleinen Kulturprojekt zu widmen und eine weitere Stadt zu erkunden! Warum also in die Ferne schweifen, wenn viel Gutes in der Nähe ist? Ich schnappte mir meine Freundin und begab mich in das nahe Salzgitter.
Einführende Worte
Selbstverständlich recherchierte ich, was diese Stadt so besonders macht. Ich wußte irgendwie, dass sie ein Flickenteppich vieler veschiedener Orte ist, hatte aber nie wirklich eine Karte gesehen! Und so sieht Salzgitter nun aus – eine Stadt mit 2 großen Zentren, 3-4 mittelgroßen Stadtteilen und vielen kleineren Stadtteilen über das Stadtgebiet verteilt.

Ich war tatsächlich überrascht, dass sich Salzgitter so sehr über die Landschaft verteilt und die beiden größten Stadtteile nicht wirklich wesentlich größer sind als die restlichen 29. Salzgitter gehört zu den flächengrößten Städten Deutschlands, aber auch zu den am dünnsten besiedelten! Die Stadt ist übrigens eine der jüngsten Stadtgründungen Deutschlands. Viele Orte gibt es schon seit Jahrhunderten; diese wurden 1942 zusammengefasst und als Stadt neugegründet. Mitten drin lagen die Hermann-Göring-Werke-Stahlwerke – die heutige Salzgitter AG.
Die Stadt selber hat leider keine kulinarischen Leckereien zu bieten, die Tradition hätten. Man wird hier aber sicher alles finden, was man sonst im südlichen Niedersachsen finden würde, wie zum Beispiel Gersterbrot und Braun- bzw. Grünkohl.
Die Sehenswürdigkeiten halten sich tatsächlich auch in gewissen Grenzen, so dass mein Bericht über Salzgitter ohne Unter- und Nebenartikel auskommen wird und ich damit einfach zwei Tagesabläufe am Wochenende beschreibe. Ich bin im Übrigen sehr froh, dass das Wetter mitgespielt hat!
Tag 1 in Salzgitter
Einen interessanten kulinarischen Trend bietet Salzgitter dennoch – Türkisches Frühstück! Meine Freundin und ich haben als allererstes das DOY Frühstückshaus in SZ-Lebenstedt besucht und uns ein kräftiges Frühstück gegönnt. Ich hatte noch nie ein türkisches Frühstück und war überrascht, dass es so etwas überhaupt gibt! Möglicherweise könnte es ein Trend werden. Ich habe es jedenfalls sehr gemocht. Insbesondere der berühmte, türkische Schwarztee hat mir sehr geschmeckt! Zum Abschluss gönnte ich mir einen leckeren, türkischen Mocca.


Das Interview
Im Übrigen haben wir die Bekanntschaft mit dem Inhaber des Frühstückshauses gemacht und fanden ihn so sympathisch, dass ich mir vornahm ihn zu interviewen. Er lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Salzgitter und konnte mir so einiges über seine Heimatstadt erzählen.
- Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Multikulti ist ein schneller, erster Gedanke gewesen. Hier leben Menschen aller Herren Länder friedlich und ruhig miteinander unter einem Dach. Der Salzgitteraner ist alles in allem ein entspannter Mensch und sieht die Welt recht easy. Die Stadt ist ruhig und man bekommt hier eigentlich alles, was man begehrt.
- Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Das DOY natürlich und den Stadtteil SZ-Fredenberg. Er ist einfach perfekt gemacht für Familien.
- Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Der Salzgittersee ist die große Attraktion, da man dort sehr gut Wasserski fahren kann und im Sommer baden kann. Empfehlenswert ist auch das Museumsschloß Salder im Stadtteil Salder und Burg Lichtenberg in SZ-Lichtenberg mit seinem hervorragenden Ausblick über die Stadt.
- Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Als Vater von Kindern findet er die Befreiung von der Kindergartengebühr toll. Der Salzgittersee ist über die Stadtgrenzen bekannt. Außerdem sind die vielen Fabriken typisch für Salzgitter.
- Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Er und viele Salzgitteraner wünschen sich größere und bessere Einkaufsmöglichkeiten, welche zum Beispiel eine Mall bieten. Zur Zeit fahren die meisten eher nach Hannover oder Braunschweig zum shoppen.
Gesättigt und gut informiert machten wir uns nun in SZ-Lebenstedt per Pedes zu den Sehenswürdigkeiten und Attraktionen dieses Stadtteils. Ein Wahrzeichen der Stadt ist der Turm der Arbeit (Bildhauer: Jürgen Weiber, 1995) in der FuZo. Er bezeugt die spannungsreiche Vergangenheit der Stadt (Bergbau, Zwangsarbeit, Flucht, Vertreibung, Demontage,…).

Unweit davon entfernt liegt die Infostelle Konrad, welche über das mögliche Endlager für radioaktiven Müll im Schacht Konrad informiert. Zum ganzen Thema gibt es Veranstaltungen und Ausstellung und man kann an Führungen im Bergwerk Schacht Konrad teilnehmen. Sie wird von der Bundesstelle für Endlagerung unterhalten.

In diesem Zusammenhang gibt es in Salzgitter eine Außenstelle des Bundesamts für Strahlenschutz. Ihre Aufgabe ist der Schutz und die Sicherheit von Mensch und Umwelt vor Strahlung.

Schacht Konrad I + II liegen in relativer Nachbarschaft zu den Werken der Salzgitter AG und sind recht imposante Bauwerke! Um 1867 wurde hier in der Gegend das erste Eisenerz gefördert. Die Schächte selbst sind relativ jung und wurden letztmalig 1976 genutzt. Die Schächte stehen mittlerweile unter Denkmalschutz.


Bevor wir den Salzgittersee besuchten fuhren wir noch an der St. Andreas Kirche vorbei – der ältesten Kirche in SZ-Lebenstedt. Sie wurde 1867 gebaut, da die mittelalterliche Vorkirche nicht mehr zu retten war.

Am Salzgittersee haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht und sind an einem herrlichen Abenteuerspielplatz vorbeigangen. Ein wirklich starker Spielplatz! Hätte mir als Kind auch gefallen! Für Fun und Action ist hier auf jeden Fall gesorgt! Der Salzgittersee ist künstlich und existiert seit den 1950ern. Mit der Zeit hat er sich stetig weiterentwickelt als Naherholungsgebiet mit vielen Sport- und Erholungsmöglichkeiten.


Raus in die beschauliche Landschaft! Als nächstes stand das Museumsschloss Salder auf dem Plan. Es ist ein Weserrenaissance-Schloss im Stadtteil Salder, welches ein Café und ein Museum beherbergt. Im 17. Jahrhundert hat man es errichtet und es wurde durch verschiedene Adlige bewohnt.

Neben dem Schloss befindet sich eine alte Bergwerksbahn, die wir näher betrachtet haben. Sie ist echt winzig und in den Waggons ist es recht eng gewesen. Ich fand die kleine Bahn sehr beeindruckend und habe sie einfach photographiert.



Salzgitter ist übrigens bekannt für seinen vielen prähistorischen Fundstätten. Es wurden beispielsweise schon viele Mammuts hier gefunden. Beispielhaft fotografierte ich eine kleine Aussendarstellung hinter dem Anlagen des Museumsschlosses.

Wenige Kilometer weiter befindet sich in SZ-Lichtenberg auf dem Burgberg die Ruine der Burg Lichtenberg. Sie wurde schon kurz nach dem Mittelalter zerstört, hielt aber vorher einige Jahrhunderte jedem Gegner stand. Zu dieser Jahreszeit konnte man den Bergfried nicht betreten, aber mit Sicherheit hat man von dort oben einen grandiosen Blick auf die Stadt Salzgitter! Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert.


Etwas unterhalb der Burg an der Straße konnte ich kurz halten, um dennoch mein großes Panorama von Salzgitter zu machen. Rechts erkennt man die Werke der Salzgitter AG.

Am Nachmittag
Nun machten wir uns auf den Weg nach SZ-Thiede und nutzten dafür die BAB 39. Mittendrin hielten wir kurz an, um zwei der größten Arbeitgeber der Stadt – Volkswagen & Salzgitter AG – abzulichten. Die Salzgitter AG gehört zu den ältesten deutschen Aktiengesellschaften und soll ihren Ursprung in einer Hütte im benachbarten Peine haben. Das heutige Werk begann 1937 als Reichswerke Hermann Göring. Stahl war immer ein zentrales Produkt auch wenn sich mit der Zeit Besitzverhältnisse, Beteiligungen usw. veränderten. Bei Stahlröhren nimmt das Unternehmen weltweit eine Spitzenposition ein. Das VW-Werk Salzgitter wurde 1970 gegründet und stellt hauptschlich Motoren her.



In SZ-Thiede Steterburg betrachteten wir ein gut 1000-jähriges Gebäude – die Stiftskirche Steterburg. Damit fing die Tour in den kleinen Stadtteilen mit seinen schnuggeligen, historischen Gebäuden an. Die Stiftskirche steht seit 1748 dort, hatte aber 2 Vorgängekirchen, von welcher die älteste um 1000 gebaut wurde.




Das Herrenhaus Wasserburg Gebhardtshagen befindet sich in SZ-Gebhardtshagen. Sie ist fast 900 Jahre alt und gehört die meiste Zeit lokalen und regionalen Adligen. Um die Jahrtausendwende wurde ein Verein zum Erhalt der Wasserburg gegründet und nun wird das Bauwerk für kulturelle Veranstaltungen genutzt.


Weiter ging es zur St. Marienkirche in SZ-Engerode, der ältesten Kirche Salzgitters und der ältesten Wallfahrtskirche Niedersachsens. Sie existiert seit dem 13. Jahrhundert und ist für gotischen Gewölbe- und Wandmalereien bekannt.

Gleich nebenan in SZ-Calbrecht befindet sich die Ostfalia Universität, welche auch eine Kinderuni unterhält. Hier können Grundschüler der 3. und 4. Klasse regelmäßig an für sie maßgeschneiderte Vorlesungen teilnehmen.

Tag 2 in Salzgitter
Mittlerweile ist es dunkel geworden und so haben wir entschieden am nächsten Morgen in SZ-Flachstöckheim weiter zu machen. Dort befindet sich das Gut und der Park Flachstückheim. Gegründet wurde das Gut um 1350 und wurde seit dem ständig ausgebaut. Mittlerweile wird das Gut für Wohnräume genutzt. Es gehörte viele Jahrhunderte einem wohlhabenden Adelsgeschlecht.




Weiter ging es zur Franzosenbrücke in SZ-Hohenrode! Die Brücke heißt so, weil in den Napoleonischen Kriegen ein paar Franzosen zuviel über die damals existierende Brücke marschierten und diese dann einstürzte. Französiche Pioniere bauten sofort eine Ersatzbrücke aus Holz. Mittlerweile ist die Brücke wieder aus Stein, aber sie wird immer noch Franzosenbrücke genannt.

Wenige Kilometer weiter in SZ-Ringelheim besuchten wir noch einige der vielen historischen Gebäude der Stadt.
Das Schloß Ringelheim ist ein ehemaliges Kloster aus dem 10. Jahrhundert. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat es ein Adliger zu seinem Herrensitz gemacht.

Nebenan steht der Taubenturm in dem mittlerweile Trauungen angeboten werden und Veranstaltungen stattfinden. Ursprünglich wurden hier Tauben gehalten und man nutzte das Bauwerk auch als Schule und Kurzzeitgefängnis.

Die Klosterkirche St. Abdon & Sennen aus dem 10. Jahrhundert vollendet das Ensemble. Sie beinhalten eine wertvolle Orgel. Wir konnten leider nicht hinein, da gerade Gottesdienst war und es etwas komisch ausgesehen hätte, wenn ich dort geknipst hätte…

Die letzte Station befand sich im schönen Salzgitter-Bad. Dieser Stadtteil hat einen schönen Altstadtkern und einige einzigartige Attraktionen.
Hier sehen wir die im 15. Jahrhundert errichtete Kniestedter Kirche, welcher mittlerweile seit 1985 als Kulturstätte genutzt wird und einfach nur „Kniki“ genannt wird. Hier gibt es Musik, Kabarett und Theater und nicht nur Besucher aus Salzgitter kommen gerne hierher.

Die Vöppstedter Ruine ist rund 800 Jahre alt. Verfall und Zerstörung begleiteten diese alte Kirche über die Jahrhunderte. Mittlerweile ist sie eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Leiden und Zerstörungen vieler Kriege.

Im Zentrum von SZ-Bad steht der Garßenhof (zweitältestes Gebäude von Salzgitter -1557), welcher von SZ-Gitter nach SZ-Bad verlegt wurde. Außerdem das Kniestedter Gutshaus (ältestes Gebäude von Salzgitter 1533), welches ebenfalls versetzt werden mußte, und das Tillyhaus (benannt nach dem Feldherrn Tilly aus dem dreißigjährigen Krieg). Alle Gebäude stehen im Park am Gradierpavillon und bilden eine Art Kulturinsel.
Unweit des Parks liegt der Klesmerplatz mit einer weiteren salzgitterischen Attraktion: Ein Denkmal für die Wandermusikanten Salzgitters – Die Klesmer. Sie entstanden im 19. Jahrhundert in Salzgitter und reisten als Instrumentalmusiker um die ganze Welt. Die Klesmer sind von der osteuropäisch-jüdischen Klesmer-Musik zu unterscheiden. Klezmer-Musiker zu sein war ein anerkannter Beruf mit richtiger Ausbildung und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Die letzte Klesmer-Kapelle spielte bis 1943.

Wieder einmal findet sich mit Salzgitter eine Stadt mit einem Bismarck-Turm am Hamberg – den höchsten Punkt der Stadt. Leider war er und das Restaurant nebenan geschlossen. Aber ich glaube, im Sommer ist das ein schönes Plätzchen zum entspannen. Er ist einer der wenigen Bismarck-Türme aus teilweise Metall.

Eine sehr einzigartige Attraktion in Salzgitter ist das Polizeigebäude. Das liegt unter anderem daran, dass ein Stück der Berliner Mauer dort steht. Das Gebäude diente früher als Zentrale Erfassungstelle der Landesjustizverwaltungen kurz nachdem die Mauer errichtet wurde. Dort wurden Beweise gesammelt über Strafverfolgungen in der ehem. DDR.

Im Süden von SZ-Bad befindet sich ein Teil des Skulpturenwegs „Europäische Straße des Friedens“. Er wurde zusammen mit den Künstlern und der Salzgitter AG erstellt und symbolisiert die Geschichte der Stahlstadt in ihrem Spannungsverhältnis mit Umwelt und Technik.
Die letzte Station galt der Entspannung und so besuchten wir das Thermalsolbad in SZ-Bad. Dort hatten wir Spaß im Wellenbad und nutzten das freie Thermalangebot. Gäste können hier auch ärztliche Verordnungen einlösen. Ich brachte mir auch ein kleines Souvenir mit.


Dank an Salzgitter
Das war es nun mein liebes Salzgitter!
Sehr positiv überrascht war ich über deine Mischung aus Landschaft- und Naturverbundenheit und Industrie. Dein Charme ist entspannt und läßt einen sich sofort wohl fühlen in deiner Stadt. Deine Menschen sind sehr freundlich, unverkrampft und locker drauf.
Es würde mich freuen, wenn du deine lange Historie viel mehr in den Vordergrund stellen würdest und vielleicht auch deine ureigenste kulinarische Spezialität entwickelst.
Mach es gut und auf Bald! 🙂
P.S.: Man benötigt definitiv ein Auto bei dir! 🙂












