Mein liebes Marl,
mit dir schließe ich das Jahr 2017 ab und erreiche mein Ziel, zwanzig Städte bis Ende 2017 zu besuchen. Tatsächlich fand ich dich ziemlich besonders! Ich glaube, wir sind uns einig, dass du nicht unbedingt ein touristisches Zentrum bist, aber dennoch bietest du einige Highlights. Ich glaube, dass meine Überschrift meinen Besuch bei dir ziemlich auf den Punkt bringt. Du bist eine Stadt im Wandel, wie es bei vielen Städten im Ruhrpott der Fall ist. Noch habe ich nicht alle Städte im Pott besucht, aber ich denke, dass du mir einen Hauch von Ruhrpottfeeling vermittelt hast.
Einführende Worte
Der interessierte Leser wird merken, dass ich meine persönlichen Abschlusszeilen an eine Stadt an den Anfang stelle und nicht ans Ende. Bei dir, mein liebes Marl, muss ich meine Struktur ein wenig ändern, da ich einfach nicht so viele Punkte und Orte recherchieren konnte, welche ich bei dir besuchen sollte. Somit werde ich deine Highlights in der zeitlichen Abfolge präsentieren- so wie ich sie besucht habe.
Ich wünsche dem interessierten Leser viel Spaß und hoffe, dich angemessen zu präsentieren.
Vormittags in Marl
Ob es eine Marler Spezialität gibt? Hm… das habe ich mich tatsächlich gefragt, aber meine Recherche hat nichts Spezielles ergeben. Im Internet bin ich auf den ANI Markt gestoßen. Er bietet Waren aus aller Welt an und ich habe mich darin einfach mal umgeschaut. Es kam türkische Musik aus den Lautsprechern und die Produkte waren größtenteils türkischer Herkunft. So war es nicht schwer zu erraten, dass vermutlich ein türkischer Unternehmer das Geschäft führt.

Als nächstes ging es zur Zeche Auguste Victoria. 1899 begann man hier Steinkohle zu fördern. Sie wurde erst 2015 stillgelegt und ist noch in einem guten Zustand. Sie gehörte zum drittletzten Steinkohlebergwerk Deutschlands und zum zweitletzten im Ruhrgebiet.



Nur ein Stück weit entfernt befindet sich einer der größten Industrieparks Deutschlands – der Chemiepark Marl. Viele größere und kleinere Unternehmen und Weltkonzerne haben dort einen Standort. Ich finde den Park ziemlich imposant! Er geht auf ein Chemiewerk aus den 1930er Jahren zunick und wird heute von einer Tochtergesellschaft der Evonik Industries betrieben.




Gleich nebenan steht seit 2017 eines der größten Logistikzentren Europas für den Einzelhandel. Es gehört zu METRO Logistics – auch ziemlich groß und imposant!

Ein weiteres Zeugnis der langen Bergbaugeschichte ist die Zeche Brassert. Hier wurde von 1910 bis 1972 Steinkohle gefördert. Von den Gebäuden und Anlagen ist kaum noch was übrig. Auf dem Gelände befindet sich nun ein Gewerbepark und das Freizeitgelände Brassert, auf dem man viele Sportarten betreiben kann und sich bei gutem Wetter auf dem Rasen erholen kann.
Du bist bekannt für dein Grimme-Institut, mein liebes Marl! Es ist eine Gesellschaft für Medien, Bildung und Kultur und vergibt jährlich einen Preis für hochwertige Fernsehsendungen, einen Online-Award für Neue Medien und einen Radiopreis. Das Institut gibt es seit 1974, aber der Adolf-Grimme-Preis für Fernsehsendungen wurde bereits in den 10 Jahren zuvor vergeben.

Einen kleinen Spaziergang weiter, bin ich auf die Jugendbibliothek Türmchen gestoßen. Sie ist eine separate Bibliothek für Familien und Kinder bis 13 Jahren.

Um die Mittagszeit
Und prompt war ich in deinem Zentrum gelandet – dem Crailer Platz. Dein Zentrum ist gar nicht so alt, denn du bestandest jahrzehnte- oder gar jahrhundertelang aus vielen Dörfern, deren Bewohner im Bergbau tätig waren. Im Zentrum befindet sich das Skulpturenmuseum Glaskasten, in dem moderne und zeitgenössische Kunst ausgestellt wird. Im Umfeld deines Museums befinden sich übrigens viele öffentlich ausgestellte moderne Kunstobjekte. 1982 war Gründung des Museums.


Direkt daneben steht das denkmalgeschützte Rathaus mit seinen zwei Türmen. Es entstand zusammen mit seinem Umfeld in den 1960er Jahren.

Der künstliche City-See passt übrigens sehr gut ins Ensemble! Schade, dass ich dich im Dezember besucht habe. Ich glaube, dass es im Sommer sehr schön und entspannt ist am Crailer Platz.


Ich finde es übrigens ziemlich gut, dass du dich um deine Jugendlichen so gut kümmerst! Mit dem J!M – Jugend in Marl besitzt du ein Forum in dem deine Jugend ein anerkanntes Gremium führen kann, um ihre Vorstellungen im Rahmen einer Mitbestimmung zur Jugendarbeit zu platzieren.

In den 1960er-Jahren hast du dir eine interessante Art des Häuserbaus ausgedacht. Die Hügelhäuser sehen ein bißchen wie Pyramiden aus und sind ein toller Blickfang! Es waren die ersten Hügelhäuser dieser Art in Deutschland und mit der Zeit gönntest du dir 4 davon.



Auf dem Weg zurück ins Zentrum bin ich am Theater vorbei gefahren. Es wurde in den letzten Jahren im Rahmen der Ruhrfestspiele genutzt und ist immer der Ort, an dem der Grimme-Preis verliehen wird. Direkt davor steht das moderne Kunstwerk „La Torturga“. Es ist eine umgedrehte Lokomotive aus dem 2. Weltkrieg und dient als Mahnmal.

Wieder im Zentrum angelangt, ging ich zum Marler Stern. Eigentlich ist es lediglich eine gewöhnliche Shopping-Mall. Aber das besondere an dieser Mall ist, dass sie im Guinness-Buch steht! Die Mall besitzt das größte Luftkissendach Europas! Der Marler Stern entstand in den 1960ern und 1970ern als die die Orte durch den Bevölkerungszuwachs zusammenwuchsen und ein neues Zentrum notwendig wurde.


Das Interview
Im Marler Stern habe ich gehofft, einen Interview-Partner für meine 5 ausgeklügelten Fragen zu finden. Das war gar nicht so einfach, musst du wissen! Viele der dort arbeitenden Menschen wohnen nicht bei dir und konnten mir nicht helfen! Eine Dame hatte leider etwas viel zu tun und stand auch nicht zur Verfügung. Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich wieder keinen Interviewpartner finde, aber zum Glück konnte ich in der Tourist-Info einen freundlichen Einheimischen über seine Stadt befragen.
- Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Oft werde ich von Menschen gefragt, wo den Marl liege und was es mit dieser Stadt auf sich hat. Wenn ich dann berichte, dass in Marl der Grimme-Preis verliehen wird, dann können die Menschen etwas damit anfangen.
- Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Die Gegend um den Wesel-Datteln-Kanal ist sehr schön zum Radeln und Spazierengehen.
- Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Schwer zu sagen. Wir sind keine typische Touristenstadt. Außerdem zieht es die meisten Menschen in die größeren Städte des Ruhrgebiets.
- Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Marl ist ruhig. Hier gibt es keine große Hektik.
- Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Ein größeres Freizeitangebot wäre richtig toll! Wir haben weder ein Kino, noch eine passable Kneipe. Früher war einfach mehr los. Der Wandel ist hier voll im Gange!
Am Nachmittag in Marl
Nun war Endspurt angesagt. Es wurde langsam dunkler und ich wollte noch die letzten Ziele schaffen. Weiter ging es zur historischen Wassermühle Alt-Marl, wo das Stadt- und Heimatmuseum untergebracht ist. Sie ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und besteht seit mindestens 1415.


Von dort bin ich weiter zur Scharoun-Schule gefahren. Sie ist denkmalgeschützt, da sie ein wichtiges Beispiel der modernen Nachkriegsarchitektur in NRW ist. Der Architekt Hans Scharoun konzipierte sie im Stile der organischen Architektur. Bei einsetzender Dunkelheit ist sie natürlich nicht so richtig zu erkennen.

Weiter ging es zum Museum am Erzschacht/ Am Wetterschacht. Hier wurden insbesondere Erze wie Roherz, Zink und Silber gefördert abgebaut. Das Museum ist ein bedeutendes Bergbaumuseum im Ruhrgebiet.

Zum Ende habe ich deine Wassermühle Loemühle-Kornkammer besucht. Sie ist eine der Keimzellen der Stadt und beherbergt ein Hotel-Restaurant und ein Trauzimmer. Viel mehr Informationen konnte ich im Internet allerdings nicht finden.



Sonstiges
Ein paar Dinge habe ich nicht mehr ablichten können, aber sie sollten nicht unerwähnt bleiben. Deine kreativen Köpfe haben in den 1990ern den Ampelgriff erfunden: damit muss ein Fahrradfahrer nicht mehr vom Fahrrad steigen, wenn er an der Ampel auf Grün wartet. Sprechende Ampeln soll es wohl seit etwa 2014 an zwei Stellen geben, welche insbesondere für blinde Menschen eine große Unterstützung sind.
Photos folgen…
Du vergibst den Marler Medienpreis für Menschenrechte; ich konnte nur nicht so recht herausfinden, wo das geschieht. Sicher finde ich das aber noch heraus.
Photos folgen…
Nach dem Krieg hast du die Philharmonica Hungarica aufgenommen. Hervorragende Musiker, welche nach dem Ungarnaufstand aus ihrem Land geflohen sind, gründeten die Philharmonica Hungarica und wählten dich als Hauptsitz. Hier konnte ich ebenfalls nichts zum photographieren finden.
Außerdem ist bei dir eine der größten Musikvereine Deutschlands beheimatet – die Musikgemeinschaft Marl e.V. von 1950, wo viele Hobbymusiker ihrer Passion nachgehen.
Mein liebes Marl, eine letzte Einzigartigkeit möchte ich nicht unerwähnt lassen. Du bist im Kreis Recklinghausen ansässig und hast als einzige Stadt in den TOP100 kein eigenes Kfz-Kennzeichen. Muss aber auch nicht. Ich bin da fein mit.
So mein liebes Marl. Das war mein Besuch bei dir und ich bin froh, dass ich 2017 mit dir abschließen konnte. Es hat mir tatsächlich gefallen und ich habe einen Hauch von Ruhrpott-Feeling gespürt! Zum Abschluß gönnte ich mir noch eine typische Ruhrpottmahlzeit – Frikadelle mit Kroketten in einer typischen Grillstube.


Dank an Marl
Vielen Dank liebes Marl für diesen außergewöhnlich Tag bei dir! Über deine Historie konnte ich viel erfahren und freute mich sehr über deine zwar wenigen, aber dafür sehr beeindruckenden Sehenswürdigkeiten. Ich werde in Zukunft öfter in der Gegend sein und du kannst dir sicher sein, dass ich dich wieder besuche und den einen oder anderen Punkt auf meiner Liste noch nachhole.
Ich wünsche dir alles Gute!





