Schön war und ist es in der Lübecker Altstadt! Es gibt etliche historische Bauwerke und zahllose Höfe und Gänge! Größtenteils zählt die Fläche der Lübecker Altstadt zum UNESCO-Welterbe. Wir waren sehr begeistert von den vielen schönen typischen norddeutschen Backstein- und Giebelhäusern, aber vor allem auch von den Höfen und Gängen.
Im Zentrum der Lübecker Altstadt
Die Marienkirche – oder auch St. Marien – besitzt das höchste Backsteingewölbe der Welt und gilt als „Mutter der Backsteingotik“ für den Ostseeraum. Der Bau dauerte fast 90 Jahre und endete 1351. Höhe und Größe waren zu dieser Zeit ein Zeichen von Macht und mit dem Bau dieser Kirche wollten die Kaufleute der Hanse sowohl den konkurrierenden Städten als auch der Institution Kirche ihren Machtanspruch deutlich darstellen. Der Teufel an der Seitenmauer der Marienkirche sitzt dort erst seit 1999. Rolf Görlers Plastik erinnert an die Sage, dass der Teufel am Bau der Kirche mitgeholfen habe, da er meinte es würde ein Wirtshaus gebaut werden. AIs er seinen Irrtum bemerkte, wollte er die Kirche mit einem Felsen zertrümmern, aber er wurde besänftigt, als man ihm zusicherte nebenan einen Weinkeller zu errichten. Den Felsbrocken legte er neben die Kirche, wo er auch heute noch liegt und auf dem er sitzt.



Ganz besonders fand ich das historische Rathaus von Lübeck. Es ist eines der ältesten und größten Rathäuser aus dem Mittelalter im Stil der Backsteingotik. Es hat aber im Laufe der Zeit viele weitere Architekturstile integriert. Die historische Rathaustreppe zum Beispiel ist im Stil der Renaissance gebaut worden. Das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert wird auch heute noch von der Verwaltung genutzt. Den Ratskeller im Rathaus haben wir zwar nicht für eine Rast genutzt, aber man soll dort sehr gut essen können.
Das Kanzleigebäude von 1485 ist ein gotischer Anbau des Rathauses, in dem Notare und Ratsschreiber ihrer Arbeit nach gingen. Funfact: Zum Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich dort eine Polizeistation, welche die Bürger als größten Automaten der Stadt betitelten. Jugendliche machten sich den Spaß Steine in die Fenster zu werfen mit der Folge, dass jedes Mal ein Polizist rauskam…



Hinter dem Rathaus befindet sich der Lübecker Markt und der Kaak. Kaak ist das niederdeutsche Wort für einen Pranger, wo straffällige Personen vorgeführt wurden. In Lübeck gab es seit dem 13. Jahrhundert mehrere Kaak, mit verschiedenen Standorten. Vorgeführt wird heute niemand mehr. Der Kaak ist eine Sehenswürdigkeit und wird an Markttagen und zu Weihnachtsmärkten genutzt. Der Lübecker Markt existiert mindestens genauso lange wie die Stadt selbst und es gibt Belege, dass der Platz auch in der Vorzeit von heidnischen Stämmen genutzt wurde.


Weitere Sehenswürdigkeiten im Zentrum
Die Löwen Apotheke ist in Lübeck einer der ältesten Profanbauten. 1230 wurde es als Patrizierhaus errichtet und seit 1812 befindet sich hier eine Apotheke.

Das Schabbelhaus wurde nach dem Erfinder des Hanseaten benannt – dem zu Reichtum gekommen Bäckermeister Schabbel. Einen Teil seines Vermögens vermachte er der Stadt Lübeck, damit sie ein Museum errichtet zum Zweck der Darstellung gehobener Hanseatischer Lebensart. Beim Schabbelhaus geht es nicht um die Darstellung eines einzelnen Gebäudes, wo der Schabbel sein Leben verbracht hat. Das ursprüngliche Schabbelhaus wurde im Krieg zerstört und das Museum ist einfach ein paar Häuser weiter gezogen.



In der Fleischhauerstr. konnte ich das schöne Lübecker Dielenhaus photographieren in einer Straße, wo lange Zeit die Knochenhauer lebten und ihrem Beruf nachgingen. Das denkmalgeschütze Haus aus dem 13. Jahrhundert wurde nach längerer Nichtnutzung aufwendig von einer privaten Gemeinschaft mit Hilfe vieler Lübecker Bürger saniert und renoviert. Soweit ich weiß, ist es mittlereile ein Wohnhaus.

Seit 1170 ist eine St. Petri Kirche an diesem Ort bekannt und im 15. Jahrhundert erhielt sie ihre jetzige Gestalt. Nach den Kriegszerstörungen hat es bis 1987 gedauert, bis sie als evangelische Kirche ohne Gemeinde wiedereröffnet wurde. Sie wird als Kultur- und Hochschulkirche geführt, wo überwiegend religionsnahe Veranstaltungen stattfinden.



Impressionen der zentralen Lübcker Altstadt
Südliche Lübecker Altstadt
1173 begründete Heinrich der Löwe den Dom zu Lübeck, welcher rund 70 Jahre später eingeweiht wurde. Er ist der erste Backsteinkirchenbau im Ostseeraum und mit 132 m Länge eine der längsten Kirchen Deutschlands.




Heinrich der Löwe war so etwas wie der Gründervater der Stadt Lübeck. Er sorgte dafür, daß die Stadt an seiner jetzigen Stelle neu gegründet wurde und das der Dom zu Lübeck gebaut wurde. Außerdem gab er entscheidende Impulse zur Entwicklung des Hafens und somit die Grundlage für die Hanse. Das Heinrich-der-Löwe-Denkmal steht direkt vor dem Lübecker Dom.

Neben dem Dom zu Lübeck entstand 1594 im Stil der Niederländischen Renaissance das Zeughaus. Seit jeher wurde das Gebäude zur Lagerung von Waffen genutzt und erst in den letzten Jahrzehnten nutzte die Stadt Lübeck das Bauwerk für zivile Zwecke.



Nur wenige Meter weiter gelangten wir zum Palais Rantzau – ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. In seiner jetzigen Darstellung besteht es seit 1858 als Graf Kuno zu Rantzau-Breitenburg es umbauen ließ. Vom 13. Jahrhundert bis zu Beginn von 1800 gehörte es zum Domkapitel als Wohnturm für Mitarbeiter des Doms. Bekannt ist das Bauwerk auch für seinen schön verzierten Rokoko-Saal.

An der südlichen Spitze der Altstadt kann man einen historischen Wassermühlenplatz besichtigen. Seit 1289 nutzen bis zu 7 Mühlen diesen Standort, aber heute befinden sich in den Bauwerken Wohn- und Geschäftsräume.
In einer Straße mit vielen historischen Gebäuden und Gängen photographiere ich das Alte Stecknitzfahrer Amtshaus. Es war seit dem Mittelalter Sitz der Stecknitzfahrer-Vereinigung. Die Stecknitzfahrer fuhren mit ihren flachen Kähnen den Stecknitzkanal zwischen Lüneburg und Lübeck entlang und transportierten Salz.

Das mittelalterliche Kaisertor war Teil der Stadtbefestigung und schützte die innerstädtischen Mühlen der Stadt. Lange Zeit war der Durchgang zugemauert und auch sonst gab es im Laufe der Zeit viele bauliche Veränderungen.



Im Aegidienviertel
August Hermann Francke war gebürtiger Lübecker und Theologe und Pädagoge. Er gründete 1698 die Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale. In seinem Geburtshaus ist mittlerweile eine Loge der Freimaurer untergebracht.

Im schönen Aegidienviertel photographierte ich St. Aegidien. Im 13. Jahrhundert errichtet, ist sie die kleinste der Altstadtkirchen, hat aber die größte Gemeinde. Vermutlich gab es einen hölzernen Vorgängerbau. St. Aegidien ist immer noch das soziale Zentrum des Viertels und bietet viele Veranstaltung für seine große Gemeinde.



Gegenüber der Kirche entstand im 13. Jahrhundert der Aegidienhof. Bis ins 16. Jahrhundert nutzte die Kirche den Komplex für ihre Zwecke und nach Einzug der Reformation stand der Aegidienhof für soziale Zwecke zur Verfügung wie z.B. der Altenpflege, als Waisenhaus oder auch als Sozialamt. Der soziale Zweck ist bis heute geblieben und so wandelte man den Komplex in einen Wohnort für verschiedene Teile der Bevölkerung um. Menschen verschiedenster Art und in unterschiedlichster Lebenskonstellation kommen hier zusammen und Ieben, wohnen und arbeiten im historischen Aegidienhof und halten ihn bunt und lebendig.
Durch das Aegidienviertel führt die Aegidienstraße mit seinen historischen Wohnhäusern.
Impressionen der südlichen Lübecker Altstadt
Nördliche Lübecker Altstadt
Zu den ältesten Bauwerken der Lübecker Backsteingotik gehört der Kranenkonvent. Seit 1283 diente er sozialen Zwecken und hat heute noch den ältesten erhaltenen Gewölbekeller Lübecks.

Eines der nördlichsten Ziele in der Lübecker Altstadt ist das Burgkloster bzw. Maria-Magdalenen-Kloster. Ab 1229 war es ein Dominikanerkloster. Nach der Reformation löste man das Kloster auf und richtete ein Armenhaus ein. Nach der Zeit Napoleons wurde auch noch die Kirche abgerissen und ein Schulgebäude gebaut. Mittlerweile dient das Burgkloster als Museum und für verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Auf dem Platz am Burgkloster steht eine Skulptur der Maria Magdalena. Das Kloster hatte ebenfalls die Bezeichnung Maria-Magdalena-Kloster, da am Magdalenentag, dem 22 Juli 1227, eine siegreiche Schlacht gegen die Dänen stattfand und daraufhin zum Dank das Kloster entsprechend benannt wurde. Die Anlage ist recht groß und ich fand sie auch sehr schön! An manchen Stellen genoß ich auch den Ausblick auf den Hafen.





Eine ebenfalls recht große Anlage ist das Burgtor von 1444. Tatsächlich bestand es früher sogar aus 3 Toren, da es der einzige Landzugang zum Zentrum war! Neben dem Holstentor ist es das einzig verbliebene Stadttor in Lübeck.




Direkt daneben befindet sich das Zöllnerhaus von 1571, welches als Zollstation bis zur Aufhebung der Torsperre im 19. Jahrhundert entsprechend genutzt wurde. In der Zeit danach war es ein Wohnhaus und es lebten viele prominente Lübecker darin.

Am Koberg
Seit ungefähr 1300 steht das älteste Lübecker Bürgerhaus – Dat Hoghehus – im Norden der Altstadt. Man mag nicht glauben, daß das Bauwerk schon so alt ist, wenn man die klassizistische Fassade betrachtet. Diese gibt es auch erst seit 1796. Davor erschien es in der üblichen Backsteingotik. Nutzung und Bewohner wechselten über die Zeit regelmäßig.

Das Bauwerk der Kaufmannschaft zu Lübeck konnte ich ganz in der Nähe erspähen. Die Kaufmannschaft gründete sich 1853, aber ihre Ursprünge reichen bis zur Stadtgründung zurück als sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Kaufmannsgilden bildeten. Aus ihnen ging die Kaufmannschaft zu Lübeck hervor, welche die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder vertrat. Die Organisation existiert auch heute noch und viele Lübecker Unternehmer und Führungskräfte sind Mitglieder der Vereinigung. Besonders schön soll die Inneneinrichtung von 2 Sitzungssälen sein.

Das Heiligen-Geist-Hospital ist etwas sehr besonderes! Zum einen finde ich die unversehrte Backsteingotik sehr schön und zum anderen beeindruckt mich die seit 1286 ununterbrochene soziale Tätigkeit dieser Institution. Seit jeher wird sich hier nämlich um die Alten und Kranken gekümmert. Das im Krieg verschonte Bauwerk gehört somit zu den ältesten Sozialeinrichtungen weltweit.

Direkt gegenüber photographierte ich ein historisches Bauwerk, welches sich, wenn meine Recherchen korrekt sind, Pastoraten nennt. Dort hängt ein historischer Spendenstock für die Krankenpflege. Den habe ich allerdings nicht photographiert, da ich nicht wußte, was ein Spendenstock ist und fälschlicherweise das Bauwerk dafür gehalten habe. Ich freue mich bereits auf den nächsten Besuch und die Korrektur!


Direkt daneben steht eine weitere wichtige Kirche Lübecks. St. Jakobi zu Lübeck wurde um 1300 errichtet und ist ein Teil des norddeutschen Teils des Jakobswegs. Sie ist den Seefahrern und Fischern geweiht und auch eine Gedenkstätte für Lübecker Seeleute, welche auf See geblieben sind.

All die benannten Lübecker Sehenswürdigkeiten befinden sich am schönen Platz Koberg. Er ist der zweitgrößte Marktplatz nach dem Marktplatz am Rathaus und wurde früher auch als Gerichtsplatz genutzt.

Impressionen der nördlichen Altstadt



Höfe, Gänge und Wege
Die Höfe, Gänge und Wege in der Altstadt Lübecks sind wohl ziemlich einzigartig auf Deutschlands Landkarte – vielleicht sogar weltweit! Von ihnen gibt es unzählige und man kann fast alle jederzeit betreten, da sie öffentlicher Grund sind. Oft sind die Eingänge recht unscheinbar, aber im Inneren versprechen sie einen schönen Anblick und eine schöne Atmosphäre. Viele der Gänge und Höfe wurden von ehemaligen Kaufleuten gestiftet. Der Legende nach war es wichtig, dass die Gänge breit genug waren, damit ein Sarg durchpaßt.
Johann Füchting war ein Lübecker Kaufmann und Stifter und verfügte, daß nach seinen Tod 1637 eine Stiftung für die ärmere Bevölkerung entsteht. So kaufte man ein Gebäude, in dem Witwen und Waisen frei wohnen durften. Bis heute heißt das Gebäude Füchtingshof und geht auch heute noch seiner Bestimmung nach. Warum ich nicht in den prächtigen Innenhof gegangen bin, kann im heute nicht mehr sagen.

Johann Glandorp war ebenfalls Kaufmann und Ratsherr und stiftete den nach ihm benannten Glandorps Hof und Glandorps Gang. Nach seinem Tod 1612 lebten hier ebenfalls Witwen und Waisen, aber auch die betagtere Bevölkerung. Bis heute hat sich an diesem Stiftungszweck wenig geändert.



Kurios mutet die Bezeichnung des Durchgangs Unterhose an. Die „Unnerbüx“ hat einen Ausgang zu der einen Seite und zwei Ausgänge zu der anderen Seite – daher die Bezeichnung. Sehr schön ist er trotzdem!






Der Ratsherr Tidemann Evinghusen stiftete 1483, einen Wohngang für arme und alte Mitmenschen. Der Von Höveln Gang wurde aber nach seinem Verwalter und Ratsherren Gotthard von Höveln benannt.


Der Bäcker-Gang mit seinem niedrigen Eingang ist ebenfalls wunderschön anzusehen! Er entstand im Mittelalter, hatte verschiedene Eigentümer und ist zwischenzeitlich in städtischen Besitz übergegangen.
Der Hellgrüne Gang ist ein recht großes Gängesystem und steht an Attraktivität den anderen Gängen und Höfen in nichts nach. Die Bezeichnung entstand aufgrund der lichten Bebauung.



Dann gibt es noch den schönen Dunkelgrünen Gang, dessen Bezeichnung auf Gärten und Wiesenflächen erinnern soll. Diese Idylle hat uns ebenfalls sehr gut gefallen.
Zum Thorweg habe ich zwar nicht viele Infos gefunden im Internet, aber es lohnt trotzdem ihn zu besichtigen.

Von Dorne’s Hof ist ebenfalls zur Zeit der Hanse als Stiftung entstanden. Das Wohnviertel war für Arme und Alte gedacht und ist auch heute noch ein Wohnort für ältere Menschen.

Die Petersilienstraße ist ein schmaler Gang und seine Bezeichnung rührt vermutlich daher, weil hier früher viele Gärtner gelebt haben.

Impressionen
Viele weitere Höfe und Gänge haben meine Partnerin und ich besichtigt und beschritten und ich zeige nun eine diverse Auswahl.
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