Kultur und Historie

Für gewöhnlich kommt nun der Teil mit den vielen historischen Sehenswürdigkeiten und Bauten einer Stadt. Pforzheim gehört allerdings zu den am meisten und schwersten bombardierten Städten Deutschlands im 2. Weltkrieg. Die Stadt wurde zu 98% zerstört. Eine Altstadt existiert somit nicht und die Stadtväter entschieden sich ihrer Stadt nach dem Krieg ein modernes Stadtbild zu verleihen.

Auch für den kulinarischen Teil und das Kulturleben meines Berichts erstelle ich im Normalfall separate Artikel. Für Pforzheim entscheide ich mich vorerst für eine Zusammenfassung dieser Themen. Es gibt zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Gebäude, die man als Tourist besuchen sollte.

Ich erwähnte bereits den Namen Reuchlin. Johannes Reuchlin war ein bedeutender Humanist und Gelehrter seiner Zeit und galt neben Erasmus von Rotterdam zu den bedeutendsten Humanisten Europas. Er schrieb viel über Religionsthemen und war sehr gut bewandert in Jura, was er auch lange studiert hat. Sein Leben und Wirken wird im Museum Johannes Reuchlin dargestellt. Es ist ein Anbau an die Schlosskirche St. Michael. Sie ist ein Wahzeichen der Stadt und eines der letzten noch erhaltenen Bauten aus dem Mittelalter. Wenige Meter davon entfernt befindet sich das Reuchlin-Denkmal.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die Tourismusinformation. Dort traf ich auf 3 sehr freundliche Mitarbeiterinnen, welche sehr gerne mit mir über Pforzheim sprachen und meine 5 ausgeklügelten Fragen beantwortet haben.

  • Erzähle / Erzählen Sie mir das Erste, was Dir / Ihnen über deine / Ihre Stadt einfällt. Pforzheim ist eine sehr grüne Stadt und gilt als Tor zum Schwarzwald. Vom Wallberg hat man übrigens einen wundervollen Ausblick auf die Stad und die Umgebung.
  • Was ist Dein / Ihr Lieblingsort und warum? Der Wallberg ist einer unserer Lieblingsorte; insbesondere wegen des Ausblicks. Ähnlich schön ist es am Wildpark, wo man ebenfalls schöne Aussichten hat.
  • Was sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben? Das schöne Technische Musuem und natürlich das Reuchlinhaus in dem sich das Schmuckmuseum befindet.
  • Was ist typisch für Deine / Ihre Stadt? Auf dem Marktplatz befindet sich eine Skulptur: Der Pforzener Seckel. Er steht für bildhaft für die Geschichte der Stadt und symbolisiert im weitesten Sinne einen vollen Geldbeutel und erfolgreichen Menschen.
  • Was wünscht Du Dir / wünschen Sie sich für Deine / Ihre Stadt? Die Stadt hat natürlich nicht so ein schönes Zentrum, wie andere Städte, aber viel zu bieten und es wäre schön, wenn die Einheimischen ihre Stadt noch ein kleines bißchen mehr schätzen würden.

Fußläufig befindet sich in der Nähe der Bezirksamtsturm von 1903. Er ist ein markanter Turm in der Stadtsilhuette und gehörte zum damaligen Bezirksamt.

Der Hachelturm befindet sich am Rande der Innenstadt auf höherer Position. Von dort konnte ich sehr gut zur Innenstadt blicken und in Richtung des Schwarzwalds. Er wurde zu Beginn 20. Jahrhunderts gebaut.

Der Brötzinger Kelter befindet sich im westlichen Pforzheim. Er stand tatsächlich nicht immer dort! Am ursprünglichen Ort wurde die Enztalbahnstrecke verlegt, so dass dieser Kelter am heutigen Standort neu errichtet wurde. Der Brötzinger Kelter ist einer von mehreren Keltern, in denen früher Wein hergestellt wurde.

Ich bin nun im Stadtteil Brötzingen. Dort befindet sich mit Sankt Martin die ehemalige Kirche des Stadtteils, welche profaniert wurde und nun Teil des Stadtmuseums ist. Das Stadtmuseum behandelt die Geschichte der Stadt mit ihren Manufakturen und dem Wirkens Johannes Reuchlins. Im Stadtmuseum steht auch ein Nachbau des Bertha-Benz-Mobils mit dem Bertha Benz von Mannheim nach Pforzheim fuhr.

Pforzheim war die Endstation ihre motorisierten Tour. Sie wurde mit einem Denkmal geehrt und es wurde die Bertha Benz Halle nach ihr benannt.

Durch den Stadtteil Dillweißenstein fließt die Nagold. Die Bogenbrücke Dillweißenstein über den Fluss ist gar nicht so alt wie sie aussieht. Sie wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts nach mittelalterlichem Vorbild gebaut. Am einen Ende der Brücke steht übrigens das ehemalige Flößerhaus Goldener Anker. Es ist mittlerweile ein Restaurant und bietet regionale Spezialitäten an. Traditionelle, lokale Spezialitäten hat Pforzheim, wie ich sie von anderen Städten kenne, nicht. Allerdings wird in der Gegend Wein angebaut und so kaufte ich mir 2 Flaschen Wein der Winzerei Die Winzlinge. Zudem kaufte ich noch selbstgemachte Maultaschen nach Art des Hauses.

In der Innenstadt konnte ich noch einen Hauch des Alten Rathauses der Stadt erblicken. Die restliche Fassade und etwas vom Innenleben wurden erhalten. Es ist weiterhin Teil der öffentlichen Behörden und ist mit dem Technischen Rathaus und dem Neuen Rathaus verbunden. Das Neue Rathaus ist architektonisch sehr modern und geradlinig. Berühmt ist es durch sein Glockenspiel, welches sich musikalisch den Jahreszeiten anpasst. Mit seinen 46 Bronzeglocken ist es eines der größten Glockenspiele seiner Art. Ich hatte sogar das Glück dabei zu sein als es erklang! Nur kann ich mich nicht mehr an die Melodie erinnern.

Anbei noch eine Auswahl an moderner Architektur, die diese Stadt prägt. Zum einen ein Wohn- und Geschäftshaus und das Theater von Pforzheim. Ich finde, es hat eine freundliche, moderne und angenehme Architektur. Aber auch der Bahn- und Busbahnhof mit seiner außergewöhnlichen Dachlandschft ist sehr schön anzusehen! Ursprünglich nicht auf meiner Liste stand die Stadtbibliothek. Ich finde die Architektur des Gebäudes sehr gelungen und ebenfalls sehr schön anzusehen.

Am Marktplatz vor dem Neuen Rathaus steht übrigens der Pforzemer Seckel, den ich bereits im Interview kurz beschrieben habe. Er ist auch ein Denkmal für die Pforzheimer Schmuckindustrie.

Ein weiteres Denkmal der Pforzheimer Schmuckindustrie ist das Rasslern-Denkmal. Dort werden Arbeiter und Arbeiterinnen der Pforzheimer Schmuckindustrie dargestellt. Der Name Rasslern geht auf die Geräusche zurück, die diese Menschen gemacht haben, als sie sich zu Fuß in ihre Arbeitsstätten machten. Kochgeschirr klapperte und ihre Schuhe waren mit Nägeln behauen. Das machte beim Gehen Geräusche. Beide Skulpturen wurden vom Bildhauer Fritz Theilmanns hergestellt.

Das Gasometer ist ein kulturelles Hightlight der Stadt. Seit einigen Jahren wird es beispielsweise für Rundpanoramen des Künstlers Yadegar Asisi genutzt, nachdem die Produktion von Gas eingestellt wurde.

In der Nähe fließt die Enz und darüber führt die Auerbrücke entlang. Seit dem Mittelalter führt eine Brücke über die Enz an dieser Stelle, welche oft erneuert werden musste. Das Besondere an der derzeitigen Betonkonstruktion ist das Flusskraftwerk. Es löste nach Fertigstellung ein Elektrizitätswerk ab. Auf der Brückenmitte steht seit wenigen Jahrzehnten das Flößerdenkmal. Es erinnert an die traditionelle Flößerei im Schwarzwald.

Einige Meter weiter die Enz entlang kam ich zum Waisenhausplatz. 1718 wurde hier tatsächlich ein Waisenhaus errichtet wo die Waisen in der Schmuck- und Uhrenherstellung unterwiesen wurden. Tatsächlich war es eine Schmuck- und Uhrenfabrik und somit der Beginn dieser Branche in Pforzheim! Heute befindet sich an diesem Platz nur noch der Rest der Ruine.

An der Nagold, die auch durch Pforzheim in die Enz fließt, gibt es eine künstliche Welle. Die wird von Wassersportlern – in der Hauptsache Surfern – genutzt. Blackforestwave e.v., der sich diesem Vergnügen gewidmet hat, an der Erschaffung der künstlichen Welle maßgeblich beteiligt war und und viele andere Events und Aktionen rund ums Surfen, SUP-Boardfahren etc. organisiert, heißt der Verein.

Eine besondere Institutionen ist das DDR-Museum. Seine Einzigartig besteht darin das einzige seiner Art mit dem Schwerpunkt der politischen Bildung und Demokratieerziehung in den westlichen Bundesländern zu sein. Ich finde es persönlich traurig, dass es das einzige ist, welches in den neuen Bundesländern existiert.

Was die Römer vor knapp 1800 Jahren hinterlassen haben, kann im archäologischen Museum betrachtet werden. In Pforzheim und Umgebung gab es zahlreiche Pfunde, die vom hohen Lebensstandard der Einwohner zeugte.

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